Freie Werk­be­nut­zung einer Foto­col­la­ge

Die freie Werk­be­nut­zung einer Foto­col­la­ge ist bei Über­nah­me von Gestal­tungs­ide­en mög­lich.

Freie Werk­be­nut­zung einer Foto­col­la­ge

Eine freie Benut­zung nach § 24 I UrhG liegt dann vor, wenn ange­sichts der Eigen­art des neu­en Wer­kes die ent­lehn­ten eigen­per­sön­li­chen Züge des geschütz­ten älte­ren Wer­kes ver­blas­sen 1. Das ist anzu­neh­men, wenn im neu­en Werk das älte­re nicht mehr in rele­van­tem Umfang benutzt wird 2. Dabei ist der Grad der Indi­vi­dua­li­tät des benutz­ten und des neu geschaf­fe­nen Wer­kes zu berück­sich­ti­gen. Je aus­ge­präg­ter die Indi­vi­dua­li­tät des älte­ren Wer­kes ist, des­to weni­ger wird es gegen­über dem neu geschaf­fe­nen Werk ver­blas­sen, umge­kehrt wird es umso eher ver­blas­sen, je stär­ker die Indi­vi­dua­li­tät des neu­en Wer­kes ist 3. Es besteht inso­weit eine Wech­sel­wir­kung 4.

Bei der ver­glei­chen­den Beur­tei­lung des benutz­ten und des neu­ge­schaf­fe­nen Werks ist zunächst fest­zu­stel­len, durch wel­che objek­ti­ven Merk­ma­le die schöp­fe­ri­sche Eigen­tüm­lich­keit des benutz­ten Wer­kes bestimmt wird 5.Grund­sätz­lich sind nur die im Schutz­be­reich des benutz­ten Wer­kes lie­gen­den Ent­leh­nun­gen recht­lich rele­vant. Maß­geb­lich ist der Gesamt­ein­druck 6. Damit ist nicht ent­schei­dend, ob ein nach Umfang und inhalt­li­cher Bedeu­tung wesent­li­cher Teil ent­lehnt wird, son­dern aus­schließ­lich, ob der ent­lehn­te Teil des Wer­kes als sol­cher den urhe­ber­recht­li­chen Schutz­vor­aus­set­zun­gen genügt. In die­sem Zusam­men­hang kommt es auf die Über­ein­stim­mun­gen, nicht dage­gen auf die Ver­schie­den­hei­ten zwi­schen bei­den Wer­ken an 6. In der Beur­tei­lung , ob eine freie Benut­zung vor­liegt ist ein stren­ger Maß­stab anzu­le­gen 7.

Nicht aus­rei­chend ist es nach Ansicht des Han­sea­ti­schen Ober­lan­des­ge­richt Ham­burg dage­gen, dass in der Ver­let­zungs­form sich die Idee und das The­ma des älte­ren Werks wie­der­fin­det: Da die Idee und das The­ma eines Wer­kes urhe­ber­recht­lich nicht geschützt sind, kann auf die­sen Umstand eine Rechts­ver­let­zung im Sin­ne von § 97 I UrhG nicht gestützt wer­den.

Han­sea­ti­sches Ober­lan­des­ge­richt Ham­burg, Urteil vom 17. Okto­ber 2012 – 5 U 166/​11

  1. st. Rspr., z.B. BGH GRUR 2009, 403/​406 – Metall auf Metall; BGH GRUR 2008, 693, 694 – TV-Total; BGH GRUR 2003, 956, 958 – Gies-Adler; Schricker/​Loewenheim, Urhe­ber­recht, 4. Aufl., § 24 Rn. 10; Dreier/​Schulze, UrhG, 2. Aufl., § 24 Rn. 8,jeweils m..w.N.[]
  2. BGH GRUR 2003, 956, 958 – Gies-Adler[]
  3. Schricker/​Loewenheim, Urhe­ber­recht, 4. Aufl., §24 Rn. 11m.w.N.[]
  4. Dreier/​Schulze, UrhG, 2. Aufl., § 24 Rn. 8[]
  5. Schricker/​Loewenheim a.a.O Rn 14[]
  6. BGH GRUR 2004, 855, 857 – Hun­de­fi­gur[][]
  7. Schricker/​Loewenheim a.a.O Rn 17; Dreier/​Schulze, UrhG, 2. Aufl., § 24 Rn. 9, jeweils m..w.N.[]