Arg­lis­ti­ge Täu­schung des Anle­gers und der Wis­sen­vor­sprung der Bank

In Fäl­len eines insti­tu­tio­na­li­sier­ten Zusam­men­wir­kens der kre­dit­ge­ben­den Bank mit dem Ver­käu­fer oder Ver­trei­ber der finan­zier­ten Kapi­tal­an­la­ge setzt die Ver­mu­tung für einen kon­kre­ten Wis­sens­vor­sprung der Bank im Zusam­men­hang mit einer arg­lis­ti­gen Täu­schung der Anle­ger (ledig­lich) eine objek­tiv evi­den­te Unrich­tig­keit der Anga­ben des Ver­käu­fers, Fond­s­in­itia­tors oder der für sie täti­gen Ver­mitt­ler bzw. des Ver­kaufs­pro­spekts oder Fonds­pro­spekts vor­aus. Die Fra­ge, ob die Bank im kon­kre­ten Fall die Unrich­tig­keit erken­nen konn­te, stellt sich erst im Rah­men der Wider­le­gung der Ver­mu­tung 1.

Arg­lis­ti­ge Täu­schung des Anle­gers und der Wis­sen­vor­sprung der Bank

Nach der stän­di­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs ist eine kre­dit­ge­ben­de Bank bei steu­er­spa­ren­den Bauherren‑, Bau­trä­ger- und Erwer­ber­mo­del­len zur Risi­ko­auf­klä­rung über das finan­zier­te Geschäft nur unter ganz beson­de­ren Vor­aus­set­zun­gen ver­pflich­tet. Sie darf regel­mä­ßig davon aus­ge­hen, dass die Kun­den ent­we­der über die not­wen­di­gen Kennt­nis­se oder Erfah­run­gen ver­fü­gen oder sich jeden­falls der Hil­fe von Fach­leu­ten bedient haben. Auf­klä­rungs­pflich­ten und Hin­weis­pflich­ten bezüg­lich des finan­zier­ten Geschäfts kön­nen sich daher nur aus den beson­de­ren Umstän­den des kon­kre­ten Ein­zel­falls erge­ben. Dies kann der Fall sein, wenn die Bank im Zusam­men­hang mit der Pla­nung, der Durch­füh­rung oder dem Ver­trieb des Pro­jekts über ihre Rol­le als Kre­dit­ge­be­rin hin­aus­geht, wenn sie einen zu den all­ge­mei­nen wirt­schaft­li­chen Risi­ken hin­zu­tre­ten­den beson­de­ren Gefähr­dungs­tat­be­stand für den Kun­den schafft oder des­sen Ent­ste­hung begüns­tigt, wenn sie sich im Zusam­men­hang mit Kre­dit­ge­wäh­run­gen sowohl an den Bau­trä­ger als auch an ein­zel­ne Erwer­ber in schwer­wie­gen­de Inter­es­sen­kon­flik­te ver­wi­ckelt oder wenn sie in Bezug auf spe­zi­el­le Risi­ken des Vor­ha­bens einen kon­kre­ten Wis­sens­vor­sprung vor dem Dar­le­hens­neh­mer hat und dies auch erken­nen kann 2. Ein sol­cher Wis­sens­vor­sprung liegt auch vor, wenn die Bank posi­ti­ve Kennt­nis davon hat, dass der Kre­dit­neh­mer von sei­nem Geschäfts­part­ner oder durch den Fonds­pro­spekt über das finan­zier­te Geschäft arg­lis­tig getäuscht wur­de 3.

In Fäl­len eines insti­tu­tio­na­li­sier­ten Zusam­men­wir­kens der kre­dit­ge­ben­den Bank mit dem Ver­käu­fer oder Ver­trei­ber des finan­zier­ten Objekts kön­nen sich die Anle­ger unter erleich­ter­ten Vor­aus­set­zun­gen mit Erfolg auf einen die Auf­klä­rungs­pflicht aus­lö­sen­den kon­kre­ten Wis­sens­vor­sprung der finan­zie­ren­den Bank im Zusam­men­hang mit einer arg­lis­ti­gen Täu­schung des Anle­gers durch unrich­ti­ge Anga­ben der Ver­mitt­ler, Ver­käu­fer oder Fond­s­in­itia­to­ren bzw. des Fonds­pro­spekts über das Anla­ge­ob­jekt beru­fen. Die Kennt­nis der Bank von einer sol­chen arg­lis­ti­gen Täu­schung wird wider­leg­lich ver­mu­tet, wenn Ver­käu­fer oder Fond­s­in­itia­to­ren, die von ihnen beauf­trag­ten Ver­mitt­ler und die finan­zie­ren­de Bank in insti­tu­tio­na­li­sier­ter Art und Wei­se zusam­men­wir­ken, auch die Finan­zie­rung der Kapi­tal­an­la­ge vom Ver­käu­fer oder Ver­mitt­ler, sei es auch nur über einen von ihm benann­ten beson­de­ren Finan­zie­rungs­ver­mitt­ler, ange­bo­ten wur­de und die Unrich­tig­keit der Anga­ben des Ver­käu­fers, Fond­s­in­itia­tors oder der für sie täti­gen Ver­mitt­ler bzw. des Ver­kaufs­pro­spekts nach den Umstän­den des Fal­les evi­dent ist 4. Dabei ist die Fra­ge der Evi­denz objek­tiv zu bestim­men. Es kommt nicht dar­auf an, ob die Bank im kon­kre­ten Fall die Unrich­tig­keit erken­nen konn­te; die Fra­ge nach der Kennt­nis der Bank stellt sich erst im Zusam­men­hang mit der – ihr oblie­gen­den – Wider­le­gung der Ver­mu­tung. Die Beweis­erleich­te­rung tritt dage­gen bereits dann ein, wenn rein objek­tiv eine evi­den­te arg­lis­ti­ge Täu­schung vor­liegt. Dies ist eine Fra­ge der Wür­di­gung des kon­kre­ten Ein­zel­fal­les, die dem Tatrich­ter obliegt und in der Revi­si­ons­in­stanz nur beschränkt über­prüf­bar ist 5.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 21. Sep­tem­ber 2010 – XI ZR 232/​09

  1. Bestä­ti­gung zu BGH, Urteil vom 27.05.2008 – XI ZR 132/​07[]
  2. vgl. etwa BGH, Urtei­le vom 16.05.2006 – XI ZR 6/​04, BGHZ 168, 1 Rn. 41; vom 24.11.2009 – XI ZR 260/​08, WM 2010, 34 Rn. 30; und vom 29.06.2010 – XI ZR 104/​08, WM 2010, 1451 Rn. 16, jeweils mwN[]
  3. st. Rspr. des BGH, sie­he nur BGH, Urtei­le vom 10.11.2009 – XI ZR 252/​08, WM 2009, 2366 Rn. 35, zur Ver­öf­fent­li­chung in BGHZ 183, 112 bestimmt; und vom 29.06.2010 – XI ZR 104/​08, WM 2010, 1451 Rn. 20, jeweils mwN[]
  4. st. Rspr.; vgl. nur BGH, Urtei­le vom 16.05.2006 – XI ZR 6/​04, BGHZ 168, 1 Rn. 50 ff.; vom 19.09.2006 – XI ZR 204/​04, BGHZ 169, 109 Rn. 23; und vom 29.06.2010 – XI ZR 104/​08, WM 2010, 1451 Rn. 12, jeweils mwN[]
  5. vgl. BGH, Urtei­le vom 20.03.2007 – XI ZR 414/​04, WM 2007, 876 Rn. 53; und vom 27.05.2008 – XI ZR 132/​07, WM 2008, 1260 Rn. 18 und 21[]