Die ira­ni­sche Bank­fi­lia­le in der EU

Die Ent­schei­dung des EU-Rates, die Gel­der der Mel­li Bank ein­zu­frie­ren, wur­de jetzt vom Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on bestä­tigt. Der Euro­päi­sche Gerichts­hof wies das Rechts­mit­tel gegen das erst­in­stanz­li­che Urteil des Gerichts der Euro­päi­schen Uni­on zurück, mit dem die Auf­nah­me die­ser bri­ti­schen Toch­ter­ge­sell­schaft der Bank Mel­li Iran in die Lis­te der an der nuklea­ren Pro­li­fe­ra­ti­on betei­lig­ten Ein­rich­tun­gen bestä­tigt wur­de.

Die ira­ni­sche Bank­fi­lia­le in der EU

Die Mel­li Bank ist eine in Groß­bri­tan­ni­en ein­ge­tra­ge­ne Akti­en­ge­sell­schaft, die von der Finan­ci­al Ser­vices Aut­ho­ri­ty (Auf­sichts­be­hör­de für Finanz­dienst­leis­tun­gen im Ver­ei­nig­ten König­reich) zuge­las­sen und beauf­sich­tigt wird. Sie steht voll­stän­dig im Eigen­tum von Bank Mel­li Iran (BMI), einer vom ira­ni­schen Staat kon­trol­lier­ten ira­ni­schen Bank.

Sach­ver­halt

Die Mel­li Bank ist eine in Groß­bri­tan­ni­en ein­ge­tra­ge­ne Akti­en­ge­sell­schaft, die von der Finan­ci­al Ser­vices Aut­ho­ri­ty (Auf­sichts­be­hör­de für Finanz­dienst­leis­tun­gen im Ver­ei­nig­ten König­reich) zuge­las­sen und beauf­sich­tigt wird. Sie steht voll­stän­dig im Eigen­tum von Bank Mel­li Iran (BMI), einer vom ira­ni­schen Staat kon­trol­lier­ten ira­ni­schen Bank. Im Jahr 2007 erließ der Rat zur Umset­zung einer Reso­lu­ti­on des UN-Sicher­heits­rats im Rah­men der Maß­nah­men gegen den Iran zur Ver­hin­de­rung der nuklea­ren Pro­li­fe­ra­ti­on eine Ver­ord­nung 1, die das Ein­frie­ren bestimm­ter Gel­der vor­sah. Es han­delt sich um die Gel­der der Ein­rich­tun­gen, die vom Sicher­heits­rat bezeich­net wur­den oder nach den Fest­stel­lun­gen des Rates der EU an der nuklea­ren Pro­li­fe­ra­ti­on betei­ligt sind, sowie die Gel­der der im Eigen­tum oder unter der Kon­trol­le die­ser Ein­rich­tun­gen ste­hen­den Ein­rich­tun­gen. Die betrof­fe­nen Ein­rich­tun­gen wur­den in einer Lis­te im Anhang der Ver­ord­nung auf­ge­führt.

Ver­fah­ren

Am 23 Juni 2008 erließ der Rat der Euro­päi­schen Uni­on einen Beschluss 2, wonach die BMI und ihre Toch­ter­ge­sell­schaf­ten, dar­un­ter Mel­li Bank, in die­se Lis­te auf­ge­nom­men wur­den, was das Ein­frie­ren ihrer Gel­der zur Fol­ge hat­te. Der Rat warf BMI „Bereit­stel­lung bzw. Bemü­hun­gen zur Bereit­stel­lung von Finanz­mit­teln für Unter­neh­men, die Güter für Irans Nukle­ar- und Rake­ten­pro­gramm beschaf­fen oder an deren Beschaf­fung betei­ligt sind“ vor und erklär­te, sie „[die­ne] als Ver­mitt­ler für Irans sen­si­ble Geschäf­te“. Die Mel­li Bank erhob gegen die­sen Beschluss Nich­tig­keits­kla­ge beim Gericht. Mit Urteil vom 19. Juli 2009 wies das Gericht der Euro­päi­schen Uni­on die­se Kla­ge ab und bestä­tig­te die Ent­schei­dung des Ein­frie­rens der Gel­der 3.

Hier­ge­gen leg­te die Mel­li Bank das vor­lie­gen­de Rechts­mit­tel ein. Beim Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on kann ein auf Rechts­fra­gen beschränk­tes Rechts­mit­tel gegen ein Urteil oder einen Beschluss des Gerichts ein­ge­legt wer­den. Das Rechts­mit­tel hat grund­sätz­lich kei­ne auf­schie­ben­de Wir­kung. Ist das Rechts­mit­tel zuläs­sig und begrün­det, hebt der Gerichts­hof die Ent­schei­dung des Gerichts auf. Ist die Rechts­sa­che zur Ent­schei­dung reif, kann der Gerichts­hof den Rechts­streit selbst ent­schei­den. Andern­falls ver­weist er die Rechts­sa­che an das Gericht zurück, das an die Rechts­mit­tel­ent­schei­dung des Gerichts­hofs gebun­den ist.

Ent­schei­dung des EuGH

Der Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on weist das Rechts­mit­tel zurück und stellt fest, dass dem Gericht kein Rechts­feh­ler unter­lau­fen ist, der zur Auf­he­bung des Urteils des Gerichts füh­ren könn­te. Zunächst hat das Gericht nach Ansicht des Gerichts­hofs kei­nen Rechts­feh­ler began­gen, indem es fest­ge­stellt hat, dass das Uni­ons­recht den Rat dazu ver­pflich­tet, die Gel­der einer Ein­rich­tung ein­zu­frie­ren, die „im Eigen­tum oder unter der Kon­trol­le“ einer Ein­rich­tung steht, von der fest­ge­stellt wor­den ist, dass sie an der nuklea­ren Pro­li­fe­ra­ti­on betei­ligt ist. Daher muss­te das Ein­frie­ren der Gel­der von Mel­li Bank – die zu 100 % im Eigen­tum von BMI, einer an der nuklea­ren Pro­li­fe­ra­ti­on betei­lig­ten Ein­rich­tung, steht – nicht damit begrün­det wer­den, dass Mel­li Bank selbst an der Pro­li­fe­ra­ti­on betei­ligt ist.

Sodann hat das Gericht der Euro­päi­schen Uni­on nach Auf­fas­sung des Euro­päi­schen Gerichts­hofs zu Recht fest­ge­stellt, dass das Ein­frie­ren der Gel­der von Mel­li Bank mit dem Ver­hält­nis­mä­ßig­keits­grund­satz in Ein­klang steht, da es ange­mes­sen und erfor­der­lich ist, um das recht­mä­ßi­ge Ziel der Wah­rung des Welt­frie­dens und der inter­na­tio­na­len Sicher­heit zu errei­chen. Wenn die Gel­der einer Ein­rich­tung ein­ge­fro­ren wer­den, von der fest­ge­stellt wur­de, dass sie an der nuklea­ren Pro­li­fe­ra­ti­on betei­ligt ist, besteht eine nicht uner­heb­li­che Gefahr, dass sie auf die ihr gehö­ren­den oder von ihr kon­trol­lier­ten Ein­rich­tun­gen Druck aus­übt, um die Aus­wir­kun­gen der gegen sie gerich­te­ten Maß­nah­men zu unter­lau­fen. Unter die­sen Umstän­den ist das Ein­frie­ren der Gel­der von Ein­rich­tun­gen, die im Eigen­tum oder unter der Kon­trol­le einer an der nuklea­ren Pro­li­fe­ra­ti­on betei­lig­ten Ein­rich­tung ste­hen, erfor­der­lich und ange­mes­sen, um die Wirk­sam­keit der gegen die letzt­ge­nann­te Ein­rich­tung erlas­se­nen Maß­nah­men zu gewähr­leis­ten und um zu garan­tie­ren, dass die­se Maß­nah­men nicht unter­lau­fen wer­den.

Der Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on bestä­tigt auch die Fest­stel­lung des Gerichts der Euro­päi­schen Uni­on, dass es kei­ne ange­mes­se­nen alter­na­ti­ven Maß­nah­men gibt, um die­ses Ziel zu errei­chen. Ange­sichts der fun­da­men­ta­len Bedeu­tung der Wah­rung des Welt­frie­dens und der inter­na­tio­na­len Sicher­heit ste­hen die Ein­schrän­kun­gen der Frei­heit zur Aus­übung einer wirt­schaft­li­chen Tätig­keit und des Eigen­tums­rechts an einer Bank durch das Ein­frie­ren von Gel­dern auch nicht außer Ver­hält­nis zu den ange­streb­ten Zie­len. Außer­dem stellt der Gerichts­hof fest, dass das Gericht kei­nen Rechts­feh­ler began­gen hat, indem es die Auf­fas­sung ver­tre­ten hat, dass die Begrün­dung des strei­ti­gen Beschlus­ses im Hin­blick auf das Uni­ons­recht hin­rei­chend war.

Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on, Urteil vom 13. März 2012 – C‑380/​09 P [Mel­li Bank plc /​Rat]

  1. Ver­ord­nung (EG) Nr. 423/​2007 des Rates vom 19.04.2007 über restrik­ti­ve Maß­nah­men gegen Iran, ABl. L 103, S. 1[]
  2. Rat, Beschluss 2008/​475/​EG zur Durch­füh­rung von Arti­kel 7 Absatz 2 der Ver­ord­nung Nr. 423/​2007, ABl. L 163, S. 29[]
  3. EuG, Urteil vom 09.07.2009 – T‑246/​08 und T‑332/​08 [Mel­li Bank/​Rat][]