Haf­tung für die Straft­tat sei­nes Han­dels­ver­tre­ters

Unter wel­chen Vor­aus­set­zun­gen haf­tet ein Finanz­an­la­gen­ver­trieb für ein straf­ba­res Ver­hal­ten des von ihr ein­ge­setz­ten Han­dels­ver­tre­ters? Mit die­ser Fra­ge hat­te sich nun der Bun­des­fi­nanz­hof in einem Rechts­streit gegen die Deut­sche Ver­mö­gens­be­ra­tung AG (DVAG) zu befas­sen:

Haf­tung für die Straft­tat sei­nes Han­dels­ver­tre­ters

Auf Emp­feh­lung eines Han­dels­ver­tre­ters der beklag­ten Deut­schen Ver­mö­gens­be­ra­tung AG hat­te der Ehe­mann der Klä­ge­rin im Jahr 2000 an den Deut­schen Invest­ment-Trust (DIT) einen Kon­to­er­öff­nungs­an­trag und einen Kauf­an­trag zum Erwerb von Antei­len an Akti­en­fonds gerich­tet und in der Fol­ge­zeit monat­li­che Zah­lun­gen an die Fonds­ver­wal­tungs­ge­sell­schaft geleis­tet. In dem Kon­to­er­öff­nungs­an­trag hat­te er zugleich den DIT ermäch­tigt, sowohl der die­sen Auf­trag ver­mit­teln­den Gesell­schaft, also der beklag­ten DVAG, als auch dem Ver­mitt­ler die­ses Auf­trags, dem für die DVAG täti­gen Han­dels­ver­tre­ter, zum Zwe­cke der Bera­tung über die Ver­mö­gens­an­la­ge in Fonds der Dresd­ner Bank Invest­ment­grup­pe Invest­ment­kon­to­num­mer, Name, Anschrift, Geburts­da­tum, Natio­na­li­tät, Tele­fon- und Tele­fax­num­mer, Bank­ver­bin­dung, Depot­be­stän­de, Depot­be­we­gun­gen inklu­si­ve der steu­er­li­chen Daten, Daten zu Spar- und Aus­zahl­plä­nen und wei­te­re Daten zu über­mit­teln.

Der Han­dels­ver­tre­ter sei­ner­seits lös­te nun im Jahr 2003 die Fonds­an­la­ge ihres Ehe­manns durch Ver­kaufs­auf­trä­ge an die DIT auf, bei denen er die Unter­schrift ihres Ehe­manns fälsch­te, und ließ sich den Ver­kaufs­wert der Fonds­an­tei­le auf sein eige­nes Pri­vat­kon­to über­wei­sen. Der Han­dels­ver­tre­ter, der im Straf­ver­fah­ren gestän­dig war, wegen die­ses Fal­les und wei­te­rer Vor­gän­ge zu einer Frei­heits­stra­fe ver­ur­teilt wor­den.

Das erst­in­stanz­lich mit der Scha­deser­satz­kla­ge gegen die DVAG befass­te Land­ge­richt Frank­furt am Main hat eine Haf­tung der Ver­triebs­or­ga­ni­sa­ti­on für ihren Han­dels­ver­tre­ter ver­neint und die auf Zah­lung des ver­un­treu­ten Betra­ges gerich­te­te Kla­ge abge­wie­sen1. Auf die Beru­fung der Klä­ge­rin hat das Ober­lan­des­ge­richt Frank­furt am Main dage­gen der Kla­ge im Wesent­li­chen ent­spro­chen, aller­dings Zug um Zug gegen Abtre­tung der Ansprü­che gegen den DIT aus Anlass der Ver­äu­ße­rung der Fonds­an­tei­le2. Hier­ge­gen leg­te nun die beklag­te Ver­triebs­or­ga­ni­sa­ti­on Revi­si­on zum Bun­des­ge­richts­hof ein, die der Bun­des­ge­richts­hof jetzt aller­dings zurück­ge­wie­sen hat.

Der Bun­des­ge­richts­hof hat die Annah­me des Ober­lan­des­ge­richts Frank­furt am Main gebil­ligt, dass durch die an den DIT erteil­te Ermäch­ti­gung, der Beklag­ten und deren Han­dels­ver­tre­ter zum Zweck der Bera­tung fort­lau­fend Infor­ma­tio­nen zu ertei­len, die nor­ma­ler­wei­se dem Bank­ge­heim­nis unter­lie­gen, nach § 311 Abs. 2 Nr. 3 BGB ein Schuld­ver­hält­nis mit Pflich­ten nach § 241 Abs. 2 BGB ent­stan­den ist, das durch den Han­dels­ver­tre­ter ver­letzt wor­den ist.

Der Bun­des­ge­richts­hof hat auch die Ein­stands­pflicht der beklag­ten Ver­triebs­or­ga­ni­sa­ti­on nach § 278 Satz 1 BGB bejaht, weil der Han­dels­ver­tre­ter nicht rein zufäl­lig mit den Rechts­gü­tern des Anle­gers in Berüh­rung gekom­men ist, son­dern weil ein unmit­tel­ba­rer Zusam­men­hang zwi­schen sei­nem schuld­haf­ten Ver­hal­ten und den Auf­ga­ben bestand, die ihm im Hin­blick auf die Ent­ge­gen­nah­me der erteil­ten Infor­ma­tio­nen zuge­wie­sen waren. Denn der Han­dels­ver­tre­ter erhielt die Infor­ma­tio­nen bestim­mungs­ge­mäß zum Zwe­cke der Bera­tung und er war mit For­mu­la­ren aus­ge­stat­tet, die eine Auf­lö­sung von Ver­mö­gens­an­la­gen ermög­lich­ten.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 15. März 2012 – III ZR 148/​11

  1. LG Frank­furt am Main, Urteil vom 04.06.2010 – 2-18 O 474/​09
  2. OLG Frank­furt am Main, Urteil vom 18.05.2011 – 7 U 140/​10