Hoch­fre­quenz­han­dels­ge­setz

Die Bun­des­re­gie­rung hat den Ent­wurf eines "Geset­zes zur Ver­mei­dung von Gefah­ren und Miss­bräu­chen im Hoch­fre­quenz­han­del" (Hoch­fre­quenz­han­dels­ge­setz) in das Gesetz­ge­bungs­ver­fah­ren ein­ge­bracht.

Hoch­fre­quenz­han­dels­ge­setz

In den letz­ten Jah­ren hat der elek­tro­ni­sche voll­au­to­ma­ti­sier­te Han­del von Finanz­in­stru­men­ten mit­tels Algo­rith­men stark an Bedeu­tung gewon­nen. Nach unter­schied­li­chen Schät­zun­gen hän­gen mitt­ler­wei­le zwi­schen 40 und 50 Pro­zent der Han­dels­um­sät­ze der Deut­schen Bör­se von algo­rith­mi­schen Stra­te­gi­en ab. Kauf- und Ver­kaufs­si­gna­le erfol­gen in sehr kur­zen Abstän­den von teil­wei­se nur eini­gen Sekun­den­bruch­tei­len und die Finanz­pro­duk­te wer­den nur für extrem kur­ze Zeit­räu­me gehal­ten. Der auf Com­pu­ter gestütz­te algo­rith­mi­sche Hoch­fre­quenz­han­del birgt eine Viel­zahl neu­er Risi­ken: Extre­me und irra­tio­na­le Kurs­schwan­kun­gen, über­las­te Han­dels­sys­te­me, aber auch neue Miss­brauchs­mög­lich­kei­ten. Dar­auf reagiert die Bun­des­re­gie­rung mit dem vor­lie­gen­den Gesetz­ent­wurf, der für mehr Trans­pa­renz, Sicher­heit und Über­sicht sor­gen wird.

Der Hoch­fre­quenz­han­del birgt eine Viel­zahl von Risi­ken, wie zum Bei­spiel die Über­las­tung der Han­dels­sys­te­me in Form einer über­mä­ßi­gen Nut­zung durch ein sehr hohes Order­auf­kom­men. Dane­ben besteht das Risi­ko, dass algo­rith­mi­sche Han­dels­stra­te­gi­en auf ande­re Mark­ter­eig­nis­se über­re­agie­ren. Dies kann zu extre­men, irra­tio­na­len Kurs­schwan­kun­gen ohne jeg­li­chen Bezug zu real­wirt­schaft­li­chen Ent­wick­lun­gen bis zu in einem sog. „Flash Crash“, ver­gleich­bar dem Zusam­men­bruch der US-Bör­sen am 6. Mai 2010, füh­ren.

Auch gilt es einen mög­li­chen Miss­brauch der auto­ma­ti­sier­ten Sys­te­me – wie etwa das sog. Scal­ping ein­zu­däm­men, bei dem durch irre­füh­ren­de Han­dels­si­gna­le der Kurs beein­flusst bzw. hoch­ge­trie­ben wer­den soll.“

Die Bun­des­re­gie­rung ver­steht das Hoch­fre­quenz­han­dels­ge­setz als einen wei­te­ren Bau­stein im neu­en Ord­nungs­rah­men für die Finanz­märk­te. Der Hoch­fre­quenz­han­del soll auch auf euro­päi­scher Ebe­ne im Rah­men der Über­ar­bei­tung der Finanz­markt­richt­li­nie MiFID (MiFID II) stren­ger regu­liert wer­den. Der deut­sche Ent­wurf, der sich an den KOM-Vor­schlä­gen ori­en­tiert, nimmt die in Euro­pa geplan­te Regu­lie­rung des Hoch­fre­quenz­han­dels auf natio­na­ler Ebe­ne vor­weg und erwei­tert die­se noch.

Im Ein­zel­nen sind fol­gen­de Rege­lun­gen vor­ge­se­hen:

  • Das Hoch­fre­quenz­han­dels­ge­setz soll bestehen­de Auf­sichts­lü­cken schlie­ßen. Dazu sieht das Hoch­fre­quenz­han­dels­ge­setz eine Zulas­sungs­pflicht für bis­lang nicht regu­lier­te Hoch­fre­quenz­händ­ler vor.
  • Zudem wer­den die Anfor­de­run­gen an den Hoch­fre­quenz­han­del ver­schärft. Die in die­sem Markt­seg­ment täti­gen Wert­pa­pier­dienst­leis­ter und Fonds­ge­sell­schaf­ten müs­sen ihre Han­dels­sys­te­me künf­tig so aus­ge­stal­ten, dass Stö­run­gen des Mark­tes unter­blei­ben. Extre­me Bör­sen­sze­na­ri­en, bei denen es in der Ver­gan­gen­heit inner­halb weni­ger Minu­ten zu gra­vie­ren­den Markt­aus­schlä­gen, sol­len auf die­se Wei­se ver­hin­dert wer­den.
  • Dane­ben wer­den die Aus­kunfts- und Ein­griffs­rech­te für Bör­sen­auf­sicht und Bun­des­an­stalt für Finanz­dienst­leis­tungs­auf­sicht (BaFin) kon­kre­ti­siert und bestimm­te Han­dels­stra­te­gi­en von Hoch­fre­quenz­händ­lern als Markt­ma­ni­pu­la­ti­on ein­ge­stuft.
  • Eben­falls ist eine Ver­pflich­tung für die Bör­sen­be­trei­ber geplant, ihren Han­dels­teil­neh­mern für die exzes­si­ve Nut­zung der Han­dels­sys­te­me eine Gebühr auf­zu­er­le­gen.
  • Ein­ge­führt wer­den schließ­lich auch eine Begren­zung des Ver­hält­nis­ses zwi­schen auf­ge­ge­be­nen Orders und tat­säch­lich aus­ge­führ­ten Geschäf­ten sowie ein­heit­li­che Min­dest­gren­zen für die kleinst­mög­li­chen Kurs­än­de­run­gen, wie auch eine Kenn­zeich­nung von algo­rith­mi­schen Order­auf­trä­gen.