Was darf ein Basis­kon­to kos­ten ?

Die Höhe der Kos­ten eines Basis­kon­tos müs­sen das durch­schnitt­li­che Nut­zer­ver­hal­ten aller Kon­to­in­ha­ber ange­mes­sen wider­spie­geln. Ein monat­li­cher Grund­preis von 8,99 € und 1,50 € für eine beleg­haf­te Über­wei­sung im Rah­men eines Basis­kon­tos sind unan­ge­mes­sen hoch und damit unwirk­sam.

Was darf ein Basis­kon­to kos­ten ?

So hat das Ober­lan­des­ge­richt Frank­furt am Main in dem hier vor­lie­gen­den Fall ent­schie­den und gleich­zei­tig ein Urteil des Land­ge­richts Frank­furt am Main1 bestä­tigt. Geklagt hat­te ein Ver­brau­cher­ver­band, der sich gegen zwei Preis­klau­seln in den All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen des beklag­ten deut­schen Kre­dit­in­sti­tuts gewehrt hat. Sie betref­fen das sog. Basis­kon­to der Beklag­ten. Die Beklag­te ver­langt dort einen monat­li­chen Grund­preis von 8,99 € sowie 1,50 € für eine „beleg­haf­te Über­wei­sung (SEPA) bzw. Über­wei­sung über einen Mit­ar­bei­ter im tele­fo­ni­schen Kun­den­ser­vice oder der Filia­le“. Sie bie­tet Kon­ten­mo­del­le zwi­schen 0,00 € und 9,99 € monat­lich an. Der Klä­ger hält die Preis­klau­seln des Basis­kon­tos hin­sicht­lich des Grund­prei­se und der Über­wei­sungs­kos­ten für unan­ge­mes­sen hoch und hat dage­gen geklagt. Nach­dem das Land­ge­richt Frank­furt am Main2 der Kla­ge statt­ge­ge­ben hat­te, ist dage­gen Beru­fung ein­ge­legt wor­den.

In sei­ner Urteils­be­grün­dung hat das Ober­lan­des­ge­richt Frank­furt am Main aus­ge­führt, dass es sich bei den ange­grif­fe­nen Klau­seln um All­ge­mei­ne Geschäfts­be­din­gun­gen han­de­le. Sie sei­en kon­troll­fä­hig, soweit sie von gesetz­li­chen Preis­re­ge­lun­gen abwi­chen. Dies sei bei sog. Basis­kon­to­ver­trä­gen der Fall. Bei Basis­kon­ten han­de­le es sich um Zah­lungs­kon­ten mit grund­le­gen­den Funk­tio­nen für beson­ders schutz­be­dürf­ti­ge Ver­brau­cher. Das Zah­lungs­kon­ten­ge­setz (ZKG) ent­hal­te für die­se Kon­ten Grund­re­ge­lun­gen zur Bestim­mung eines ange­mes­se­nen Ent­gelts. Von die­sen Vor­schrif­ten dür­fe nicht zum Nach­teil des Ver­brau­chers abge­wi­chen wer­den. Nach Auf­fas­sung des Ober­lan­des­ge­richts Frank­furt am Main sei­en die hier ange­grif­fe­nen Klau­seln mit wesent­li­chen Grund­ge­dan­ken die­ser gesetz­li­chen Rege­lun­gen nicht zu ver­ein­ba­ren und benach­tei­lig­ten die Kun­den der Beklag­ten ent­ge­gen den Grund­sät­zen von Treu und Glau­ben unan­ge­mes­sen.

Aus­gangs­punkt für die Beur­tei­lung der Ange­mes­sen­heit sei­en die markt­üb­li­chen Ent­gel­te sowie das Nut­zer­ver­hal­ten unter Berück­sich­ti­gung des Umfangs der von der Bank zu erbrin­gen­den Leis­tun­gen. Beson­de­re Bedeu­tung erlan­ge hier, dass „die wirt­schaft­li­che Lage der betrof­fe­nen Ver­brau­cher, die Basis­kon­ten bean­tra­gen, regel­mä­ßig ange­spannt ist, wes­halb zugrun­de gelegt wer­den kann, dass sie regel­mä­ßig nur weni­ge Zah­lun­gen über das Basis­kon­to abwi­ckeln“. Nut­zer des Basis­kon­tos sei­en zwar zum Teil Per­so­nen, die indi­vi­du­el­le Hil­fe bei der Erle­di­gung der Zah­lungs­vor­gän­ge benö­tig­ten. Zu einem ande­ren Teil han­de­le es sich aber auch um Ver­brau­cher mit einer hohen Affi­ni­tät zu Mobil­ge­rä­ten, die ihre Bank­ge­schäf­te selb­stän­dig online erle­dig­ten.

Die Bank sei zwar im Hin­blick auf den dar­ge­stell­ten Auf­wand nicht ver­pflich­tet, das Basis­kon­to als güns­tigs­tes Modell anzu­bie­ten. Die Höhe des Ent­gelts müs­se aber „das durch­schnitt­li­che Nut­zer­ver­hal­ten aller Kon­to­in­ha­ber ange­mes­sen wider­spie­geln“. Dies kön­ne hier nicht fest­ge­stellt wer­den. Die Beklag­te lege viel­mehr zahl­rei­che Kos­ten­ele­men­te auf die Kun­den des Basis­kon­ten­mo­dells um, mit denen sie die Kun­den ver­gleich­ba­rer ande­rer Kon­ten­mo­del­le nicht belas­te. Zudem wäl­ze sie zahl­rei­che Kos­ten­po­si­tio­nen auf die Nut­zer eines Basis­kon­tos ab, die „Aus­fluss gesetz­li­cher Prü­fun­gen oder Infor­ma­ti­ons­pflich­ten sei­en sowie die Aus­bu­chun­gen von aus­ge­fal­le­nen Kun­den­gel­dern ande­rer Basis­kon­to­be­sit­zer betref­fen“. Nach gefes­tig­ter Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs sei es jedoch unzu­läs­sig, Auf­wand für Tätig­kei­ten auf den Kun­den zu ver­la­gern, zu denen die Beklag­te gesetz­lich ver­pflich­tet sei oder die sie über­wie­gend im eige­nen Inter­es­se erbrin­ge.

Das Ober­lan­des­ge­richt hat die Revi­si­on zum Bun­des­ge­richts­hof zuge­las­sen, da die Sache im Hin­blick auf eine unbe­stimm­te Viel­zahl von betrof­fe­nen Basis­kon­ten­in­ha­bern und Bank­in­sti­tu­ten grund­sätz­li­che Bedeu­tung habe.

Ober­lan­des­ge­richt Frank­furt am Main, Urteil vom 27. Febru­ar 2019 – 19 U 104/​18

  1. LG Frank­furt a.M., Urteil vom 08.05.2018 – 2/​28 O 98/​17 []
  2. LG Frank­furt a.M., Urteil vom 08.05.2018 – 2/​28 O 98/​17 []