Wider­ruf von Ver­brau­cher­dar­le­hens­ver­trä­gen

Mit der Wen­dung "[s]ofern" der Ver­brau­cher "nicht tag­gleich mit dem Ver­trags­ab­schluss" über sein Wider­rufs­recht "belehrt wor­den" sei, betra­ge "die Frist einen Monat", bil­det der Dar­le­hens­ge­ber den Anwen­dungs­be­reich des § 355 Abs. 2 Satz 2 BGB aF dem Dar­le­hens­neh­mer nach­tei­lig unzu­tref­fend ab 1.

Wider­ruf von Ver­brau­cher­dar­le­hens­ver­trä­gen

Denn auf­grund die­ser For­mu­lie­rung grenz­te die Wider­rufs­be­leh­rung die vor oder bei Ver­trags­schluss erteil­te Beleh­rung unzu­tref­fend von der Nach­be­leh­rung ab. Sie sub­su­mier­te den Fall, in dem die Wider­rufs­be­leh­rung am Tag des Ver­trags­schlus­ses, aber nach einer Unter­bre­chung des Gesche­hens­ab­laufs erteilt wur­de, unter § 355 Abs. 1 Satz 2 BGB aF statt unter § 355 Abs. 2 Satz 2 BGB aF. Dies ent­sprach nicht der Geset­zes­la­ge 2.

Dar­auf, ob der Ver­trag der Par­tei­en als Prä­senz­ge­schäft ohne tat­säch­li­che Unter­bre­chung des Gesche­hens­ab­laufs geschlos­sen wur­de, kommt es nicht an. Denn die kon­kre­ten, aber nicht in der Wider­rufs­be­leh­rung selbst in Text­form doku­men­tier­ten Umstän­de ihrer Ertei­lung sind uner­heb­lich. Nach stän­di­ger Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs kann der Inhalt einer Wider­rufs­be­leh­rung nicht anhand des nicht in der Wider­rufs­be­leh­rung selbst in Text­form doku­men­tier­ten gemein­sa­men Ver­ständ­nis­ses der Par­tei­en nach Maß­ga­be der beson­de­ren Umstän­de ihrer Ertei­lung prä­zi­siert wer­den 3.

Uner­heb­lich ist auch das Vor­brin­gen der Dar­le­hens­ge­be­rin, eine Wider­rufs­be­leh­rung nach Ver­trags­schluss sei bei ihr nicht vor­ge­kom­men, weil ihre zen­tra­le Kre­dit­ab­tei­lung die Ver­brau­cher­dar­le­hens­ver­trä­ge stets mit ange­ös­ter Wider­rufs­be­leh­rung unter­zeich­net aus­ge­fer­tigt habe und die­se dann in der Filia­le durch den Kun­den gegen­ge­zeich­net wor­den sei­en, dem unmit­tel­bar im Anschluss das für ihn bestimm­te Exem­plar der Ver­trags­ur­kun­de mit Wider­rufs­be­leh­rung über­ge­ben wor­den sei, so dass mit der Gegen­zeich­nung durch den Kun­den die­sem stets Ver­trags­ur­kun­de und Wider­rufs­be­leh­rung vor­ge­le­gen hät­ten. Wenn dies der Fall gewe­sen sein soll­te, wäre ein Hin­weis auf die Monats­frist aus § 355 Abs. 2 Satz 2 BGB aF in der Wider­rufs­be­leh­rung ent­behr­lich gewe­sen. Da die Bank im hier ent­schie­de­nen Fall aber einen sol­chen Hin­weis in die Beleh­rung auf­ge­nom­men hat, muss­te die­ser zutref­fend sein. Denn eine Wider­rufs­be­leh­rung genügt nur dann den gesetz­li­chen Anfor­de­run­gen, wenn sie für alle Fäl­le, auf die hin sie ver­fasst ist, sach­lich rich­tig und hin­rei­chend deut­lich for­mu­liert ist 4.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 9. April 2019 – XI ZR 70/​18

  1. vgl. BGH, Urteil vom 16.10.2018 – XI ZR 370/​17, WM 2018, 2185 Rn. 9 ff.[]
  2. BGH, Urteil vom 16.10.2018, aaO Rn. 12[]
  3. vgl. BGH, Urtei­le vom 15.05.2018 – XI ZR 199/​16 15; vom 11.09.2018 – XI ZR 125/​17, WM 2018, 2128 Rn.20; und vom 16.10.2018 – XI ZR 370/​17, WM 2018, 2185 Rn. 13 mwN[]
  4. BGH, Urteil vom 16.10.2018 – XI ZR 370/​17, WM 2018, 2185 Rn. 12[]