Worauf achten beim privaten Verleihen von Geld

9. Februar 2018 | Kapitalanlage- und Bankrecht
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Bei Geld hören bekanntlich Freundschaften auf. Doch kommt es immer wieder vor, dass unter Freunden und Verwandten Geld verliehen wird.

Grundsätzlich spricht nichts dagegen, sofern die Rahmenbedingungen klar geregelt sind, da private Kredite durchaus für beide Seiten Vorteile, aber eben auch Nachteile mit sich bringen können. Der Kreditgeber investiert in ein Projekt seines Vertrauens, während der Kreditnehmer die Möglichkeit hat, Sicherheiten zu bieten, die für Banken nicht infrage kommen. Damit an einem privaten Kredit aber keine Freundschaften zerbrechen, ist es wichtig, diesen wie jeden anderen Kredit vertraglich abzusichern. Dadurch können Unklarheiten in Bezug auf die Rückzahlung oder hinsichtlich der Frage, was bei Zahlungsverzug passiert, direkt ausgeräumt werden.

Sicherheiten verlangen

Ein Vorteil von Privatkrediten ist, dass die Sicherheiten flexibler sein können. Banken akzeptieren in der Regel nur Sicherheiten, die einfach zu veräußern sind, während private Kreditgeber durchaus auch Sicherheiten akzeptieren können, die sie später selbst nutzen. Neben den üblichen Sicherheiten wie Immobilien können bei privaten Krediten die unterschiedlichsten Sicherheiten herangezogen werden. Dies können beispielsweise die Besitzübertragung eines Fahrzeuges, Schmuckstücke als Pfand oder andere Objekte sein, die für den Kreditgeber als Sicherheit infrage kommen. Wichtig dabei ist jedoch, dass der Wert der tatsächlichen Kreditsumme entspricht, und dass die Sicherheiten vertraglich geregelt werden. Nicht zu vergessen sind mögliche Kosten, die bei unterschiedlichen Sicherheiten auf die Parteien zukommen. Die Besitzübertragungen sind mit Gebühren verbunden, die entweder der Kreditgeber oder der Kreditnehmer zu tragen haben und dies erhöht natürlich auch die spätere Kreditsumme. Wer als privater Kreditgeber eine Unternehmensgründung unterstützen möchte, der sollte sich in jedem Fall einen Businessplan vorlegen lassen. Sollten die vorgelegten Sicherheiten nicht dem Wert der Kreditsumme entsprechen oder ist ein Businesskonzept unrealistisch, sollten private Kreditgeber nicht davor zurückschrecken, Nein zum Kredit zu sagen.

Laufzeit und Kündigungsfristen

Schwierigkeiten bei privaten Krediten gibt es häufig bei der Laufzeit bzw. der vorzeitigen Kündigung. Wird keine feste Laufzeit vereinbart, hat der Kreditgeber eine dreimonatige Kündigungsfrist, nach der die Restsumme mit einem Schlag fällig wird. Im Falle einer konkreten Laufzeit können beide Parteien ebenfalls Möglichkeiten zur vorzeitigen Kündigung festlegen. Dies kann beispielsweise ein Zahlungsverzug sein, oder wenn gewisse Vertragsbedingungen nicht eingehalten wurden.

Kein Kredit ohne Vertrag

Wie wichtig ein Vertrag bei Privatkrediten ist, wird häufig unterschätzt. Obwohl Privatkredite nicht durch den Verbraucherschutz geregelt sind, gibt ein schriftlicher Vertrag bei Konflikten beiden Parteien eine gewisse Rechtssicherheit, die gegebenenfalls auch juristisch durchsetzbar ist. Damit ein privater Kreditvertrag rechtlich bindend ist, muss er gewissen minimalen formalen Anforderungen genügen. Dazu gehören in erster Linie die Namen von Kreditnehmer und Kreditgeber und die explizite Formulierung, dass es sich um einen Kreditvertrag handelt. Alternative Formulierungen wie Darlehen, leihen oder borgen sind ebenfalls gestattet. Es muss jedenfalls klar muss jedenfalls unterschieden werden können, dass es sich nicht etwa um eine Schenkung handelt. Natürlich muss auch die Höhe des Darlehens eingetragen werden. Zudem sollte fixiert werden, wann bzw. in welcher Form das Geld ausgezahlt wird. Erhält der Kreditnehmer das Geld etwa als Barzahlung bei der Vertragsunterzeichnung, sollte dies so auch im Kreditvertrag vermerkt sein. Datum des Vertragsabschlusses sowie die Unterschriften aller Parteien sind der letzte Punkt, der formal zwingend in einen Vertrag gehört. Darüber hinaus können noch weitere Punkte in den Vertrag aufgenommen werden wie die bereits angesprochene Zinshöhe, Sicherheiten oder auch, an welchem Tag die Raten zurückzuzahlen sind. Gibt es Bürgen für den Privatkredit, die einspringen, falls der Schuldner nicht mehr in der Lage ist, die Raten zu tilgen, dann sind im Vertrag die Bürgen ebenfalls zu nennen und sie haben auch ihr Einverständnis mit einer Unterschrift abzugeben. Im Bedarfsfall gibt es z.B. auf https://www.kreditrechner.com/privatkredit/ (ganz ans Ende der Seite scrollen) Musterverträge zum kostenlosen Download, die alle wichtigen Eckdaten eines privaten Kreditvertrages enthalten.

Kreditzinsen sind einkommenssteuerpflichtig

Viele private Kreditgeber vergessen häufig, dass die Zinsen bei der Rückzahlung eine Einnahme darstellen. Sie sind Einnahmen aus Kapitalvermögen, daher entsprechend bei der Einkommenssteuererklärung anzugeben und werden nach dem Einkommenssteuergesetz versteuert. Dies entfällt allerdings, falls der Kreditgeber ein zinsloses Darlehen vergibt, da es in diesem Falle keine Einnahmen aus Kapitalvermögen gibt. Sollte es sich um ein zinsloses Darlehen oder einen symbolischen Zinssatz handeln, dann ist der Ertrag möglicherweise nicht mehr einkommenssteuerpflichtig, kann aber in den Bereich der Schenkung fallen, was wiederum steuerpflichtig wäre. Bis drei Prozent Verzinsung gehen die Finanzbehörden im Allgemeinen von einer Schenkung aus. Es gibt jedoch unterschiedliche Freibeträge, bis zu deren Grenze keine Steuern anfallen. Die Höhe der Grenze ist abhängig vom Verwandtschaftsverhältnis zwischen dem Kreditgeber und Kreditnehmer.

 
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