Kei­ne Rau­cher­clubs in Rhein­land-Pfalz

Das geän­der­te Nicht­rau­cher­schutz­ge­setz des Lan­des Rhein­land-Pfalz ist, wie jetzt der Ver­fas­sungs­ge­richts­hof Rhein­land-Pfalz in Koblenz urteil­te, ver­fas­sungs­ge­mäß. Dem­nach blei­ben in Rhein­land-Pfalz Rau­cher­clubs unzu­läs­sig, wäh­rend das Rau­chen in Fest­zel­ten wei­ter­hin erlaubt

Kei­ne Rau­cher­clubs in Rhein­land-Pfalz

Das Ver­bot der soge­nann­ten Rau­cher­clubs im rhein­land-pfäl­zi­schen Nicht­rau­cher­schutz­ge­setz ver­stößt nach dem Urteil des Ver­fas­sungs­ge­richts­hofs Rhein­land-Pfalz eben­so wenig gegen die Ver­fas­sung für Rhein­land-Pfalz wie die Ent­schei­dung des Gesetz­ge­bers, das Rau­chen in nur vor­über­ge­hend betrie­be­nen Wein‑, Bier- und sons­ti­gen Fest­zel­ten zuzu­las­sen.

Die gesetz­li­che Neu­re­ge­lung

Der rhein­land-pfäl­zi­sche Lan­des­ge­setz­ge­ber hat das Nicht­rau­cher­schutz­ge­setz Rhein­land-Pfalz durch Gesetz vom 26. Mai 2009 1 geän­dert, nach­dem der Ver­fas­sungs­ge­richts­hof Rhein­land-Pfalz fest­ge­stellt hat­te, das Rauch­ver­bot in Ein­raum­gast­stät­ten ver­sto­ße gegen die Ver­fas­sung für Rhein­land-Pfalz 2.

Nach der gesetz­li­chen Neu­re­ge­lung kön­nen Betrei­be­rin­nen und Betrei­ber von Ein­raum­gast­stät­ten mit weni­ger als 75 m² Grund­flä­che das Rau­chen nun­mehr erlau­ben, wenn in der Gast­stät­te kei­ne oder nur ein­fach zube­rei­te­te Spei­sen ange­bo­ten wer­den und über die Rau­cher­laub­nis durch deut­lich wahr­nehm­ba­re Hin­wei­se im Ein­gangs­be­reich infor­miert wird.

Dar­über hin­aus darf auch geschlos­se­nen Gesell­schaf­ten das Rau­chen in Gast­stät­ten gestat­tet wer­den. Dies gilt nicht für Ver­an­stal­tun­gen von Ver­ei­nen oder sons­ti­gen Ver­ei­ni­gun­gen.

Eine wei­te­re Aus­nah­me vom Rauch­ver­bot lässt das Gesetz für Wein‑, Bier- und sons­ti­ge Fest­zel­te zu, die nur vor­über­ge­hend, höchs­tens an 21 auf­ein­an­der fol­gen­den Tagen an einem Stand­ort betrie­ben wer­den.

Die Ver­fas­sungs­be­schwer­den

Der Beschwer­de­füh­rer in dem ers­ten nun vom Ver­fas­sungs­ge­richts­hof Rhein­land-Pfalz ent­schie­de­nen Ver­fah­ren 3, ein Rau­cher, ist der Ansicht, das geän­der­te Nicht­rau­cher­schutz­ge­setz ver­sto­ße gegen die Lan­des­ver­fas­sung, weil danach Rau­cher­clubs ver­bo­ten sei­en. Jeden­falls aber müs­se in Ein­raum­gast­stät­ten, in wel­chen der Inha­ber das Rau­chen erlaubt habe, ein reich­hal­ti­ge­res Spei­se­an­ge­bot ermög­licht wer­den.

In dem zwei­ten Ver­fas­sungs­be­schwer­de­ver­fah­ren 4 macht der Beschwer­de­füh­rer hin­ge­gen gel­tend, der Nicht­rau­cher­schutz gehe nicht weit genug. Denn die Aus­nah­me vom Rauch­ver­bot für Wein‑, Bier- und sons­ti­ge Fest­zel­te ver­sto­ße gegen die ver­fas­sungs­recht­li­che Pflicht des Staa­tes, die Gesund­heit sei­ner Bür­ger zu schüt­zen. Außer­dem sei­en Nicht­rau­cher benach­tei­ligt, weil sie wegen der Pas­siv­rauch­be­las­tung von Fest­zelt­be­su­chen abge­hal­ten wür­den.

Der Ver­fas­sungs­ge­richts­hof wies bei­de Ver­fas­sungs­be­schwer­den zurück:

Kei­ne Rau­cher­clubs

Das Nicht­rau­cher­schutz­ge­setz erlau­be geschlos­se­nen Gesell­schaf­ten nicht kom­mer­zi­el­ler Art in pri­va­ter Trä­ger­schaft das Rau­chen in Gast­stät­ten. Die­se Aus­nah­me vom grund­sätz­li­chen Rauch­ver­bot gel­te jedoch nicht für Ver­an­stal­tun­gen von Ver­ei­nen oder sons­ti­gen Ver­ei­ni­gun­gen. Einem Gast­wirt sei es daher nicht erlaubt, sei­ne Gast­räu­me einem Rau­cher­ver­ein zur aus­schließ­li­chen Nut­zung zu über­las­sen und die Gast­stät­te hier­durch in einen sog. Rau­cher­club umzu­wan­deln. Das Recht des Beschwer­de­füh­rers auf freie Ent­fal­tung sei­ner Per­sön­lich­keit sei hier­durch nicht unver­hält­nis­mä­ßig ein­ge­schränkt. Der Schutz vor den Gefah­ren des Pas­siv­rau­chens über­wie­ge das Inter­es­se des Beschwer­de­füh­rers, sich durch den Besuch eines Rau­cher­clubs mit umfas­sen­dem Spei­se­an­ge­bot den Wir­kun­gen des Rauch­ver­bots in Gast­stät­ten zu ent­zie­hen. Im Übri­gen gebe es auch unter Gel­tung des Rauch­ver­bots durch­aus Mög­lich­kei­ten, Rau­cher­ver­ei­ne zu betrei­ben. Sie könn­ten in Ein­raum­gast­stät­ten (bis 75 qm), in abge­trenn­ten Neben­räu­men von Mehr­raum­gast­stät­ten oder in pri­va­ten Räu­men Ver­an­stal­tun­gen durch­füh­ren.

Es ver­sto­ße auch nicht gegen den all­ge­mei­nen Gleich­heits­satz, pri­va­ten geschlos­se­nen Gesell­schaf­ten, nicht hin­ge­gen Ver­ei­nen und Ver­ei­ni­gun­gen in Gast­stät­ten das Rau­chen zu gestat­ten. Hier­für bestün­den sach­li­che Grün­de von hin­rei­chen­dem Gewicht. Fei­er­lich­kei­ten im pri­va­ten Fami­li­en- und Freun­des­kreis fän­den typi­scher­wei­se eher sel­ten statt. An ihnen neh­me im All­ge­mei­nen nur ein ver­hält­nis­mä­ßig klei­ner Per­so­nen­kreis teil. Dem­ge­gen­über wür­den Ver­an­stal­tun­gen von Ver­ei­nen und sons­ti­gen Ver­ei­ni­gun­gen häu­fig von wesent­lich mehr Men­schen besucht und wie­der­hol­ten sich typi­scher­wei­se mit einer gewis­sen Regel­mä­ßig­keit. Außer­dem bestehe bei Ver­an­stal­tun­gen von Ver­ei­nen – ins­be­son­de­re von Rau­cher­ver­ei­nen – ein wesent­lich höhe­res Miss­brauchs­po­ten­ti­al zur Umge­hung des Rauch­ver­bots in Gast­stät­ten als bei Fei­ern im Fami­li­en- und Freun­des­kreis.

Die vom Beschwer­de­füh­rer hilfs­wei­se ange­grif­fe­ne Rege­lung im Nicht­rau­cher­schutz­ge­setz, wonach das Rau­chen in Ein­raum­gast­stät­ten (bis 75 qm) nur gestat­tet wer­den dür­fe, wenn dort kei­ne oder nur ein­fach zube­rei­te­te Spei­sen ange­bo­ten wür­den, sei eben­falls ver­fas­sungs­recht­lich nicht zu bean­stan­den. Sie tra­ge den Inter­es­sen der geträn­ke­gepräg­ten Klein­gas­tro­no­mie und der sie auf­su­chen­den Rau­cher Rech­nung, ohne dabei einen wirk­sa­men Gesund­heits­schutz aus dem Auge zu ver­lie­ren. Zugleich die­ne sie dem Ziel, die spei­se­ge­präg­te Gas­tro­no­mie vor unzu­mut­ba­ren Wett­be­werbs­nach­tei­len zu bewah­ren.

Rau­chen in Fest­zel­ten

Die Schutz­pflicht des Staa­tes für die Gesund­heit sei­ner Bür­ger gebie­te dem Lan­des­ge­setz­ge­ber von Ver­fas­sungs wegen nicht, das Rau­chen auch in vor­über­ge­hend an einem Stand­ort betrie­be­nen Fest­zel­ten zu unter­sa­gen. Bei der Rege­lung des Nicht­rau­cher­schut­zes ste­he dem Gesetz­ge­ber ein wei­ter Einschätzungs‑, Wer­tungs- und Gestal­tungs­spiel­raum zu. Die­ser sei nicht ver­letzt, weil das Rau­chen in nur vor­über­ge­hend betrie­be­nen Fest­zel­ten die Gesund­heit der Gäs­te nicht im glei­chen Maße gefähr­de wie in orts­fes­ten Gas­tro­no­mie­be­trie­ben. Schon wegen der kur­zen Stand­dau­er bestehe nicht die Gefahr, dass sich dort Gäs­te über län­ge­re Zeit­räu­me gleich­sam „Tag für Tag” auf­hiel­ten. Die leich­te Bau­wei­se von Fest­zel­ten las­se zudem häu­fig einen gewis­sen Luft­aus­tausch zu. Des Wei­te­ren habe der Gesetz­ge­ber die Wett­be­werbs­fä­hig­keit von Fest­zelt­be­trei­bern gegen­über den Betrei­bern orts­fes­ter Gast­stät­ten in ver­tret­ba­rer Wei­se in sei­ne Über­le­gun­gen ein­ge­stellt. Außer­dem bestehe gera­de in länd­li­chen Regio­nen, die Rhein­land-Pfalz in beson­de­rer Wei­se präg­ten, ein gestei­ger­tes Bedürf­nis der Bevöl­ke­rung nach einer Aus­nah­me vom Rauch­ver­bot für Fest­zelt­ver­an­stal­tun­gen. Bei Fest­zelt­ver­an­stal­tun­gen han­de­le es sich nicht sel­ten um Fest­lich­kei­ten, die im Brauch­tum ver­an­kert sei­en und den Men­schen abseits des All­tags Gele­gen­heit zur Pfle­ge der Gesel­lig­keit böten.

Ver­fas­sungs­ge­richts­hof Rhein­land-Pfalz, Urteil vom 8. März 2010 – VGH B 60/​09 und VGH B 70/​09

  1. GVBl. 2009, 205[]
  2. VerfGH RLP, Beschluss vom 11.02.2008 – VGH A 32/​07 u. a.[]
  3. VGH B 60/​09[]
  4. VGH B 70/​09[]