Kran­ken­haus­fi­nan­zie­rung – und der spe­zi­el­le Ver­sor­gungs­auf­trag

Der Anspruch eines Kran­ken­hau­ses auf Zuschlä­ge für die beson­de­ren Auf­ga­ben eines Zen­trums nach § 5 Abs. 3 i.V.m. § 2 Abs. 2 Satz 2 Nr. 4 des Kran­ken­haus­ent­gelt­ge­set­zes (KHEntgG in der bis zum 31. Dezem­ber 2015 gül­ti­gen Fas­sung) setzt einen spe­zi­el­len Ver­sor­gungs­auf­trag des Kran­ken­hau­ses für die­se Auf­ga­ben vor­aus. Dazu muss das Kran­ken­haus im Regel­fall im Kran­ken­haus­plan des Lan­des in Ver­bin­dung mit den Beschei­den zu sei­ner Durch­füh­rung als Zen­trum aus­ge­wie­sen sein.

Kran­ken­haus­fi­nan­zie­rung – und der spe­zi­el­le Ver­sor­gungs­auf­trag

In dem hier vom Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt ent­schie­de­nen Fall hat­te die Trä­ge­rin eines Kran­ken­hau­ses geklagt, das im Jahr 2009 unter ande­rem mit einer Fach­ab­tei­lung für Frau­en­heil­kun­de im Kran­ken­haus­plan des Lan­des Nie­der­sach­sen auf­ge­führt wur­de. Die Kran­ken­haus­trä­ge­rin betreibt in dem Kran­ken­haus ein von der Deut­schen Krebs­ge­sell­schaft und der Deut­schen Gesell­schaft für Seno­lo­gie zer­ti­fi­zier­tes Brust­zen­trum, in dem Krebs­er­kran­kun­gen der weib­li­chen Brust behan­delt wer­den. Im Rah­men der mit den gesetz­li­chen Kran­ken­kas­sen geführ­ten Ent­gelt­ver­hand­lun­gen für den Ver­ein­ba­rungs­zeit­raum 2009 konn­te kei­ne Eini­gung über den von ihr begehr­ten Zuschlag für die beson­de­ren Auf­ga­ben als Brust­zen­trum erzielt wer­den. Die dar­auf­hin ange­ru­fe­ne Lan­des­schieds­stel­le für die Fest­set­zung der Kran­ken­haus­pfle­ge­sät­ze wies den Antrag der Kran­ken­haus­trä­ge­rin auf Fest­set­zung eines Zuschlags zurück. Das Nie­der­säch­si­sche Mins­te­ri­um für Sozia­les, Gesund­heit und Gleich­stel­lung geneh­mig­te die Schieds­stel­len­en­t­schei­dung.

Die hier­ge­gen gerich­te­te Kla­ge blieb in den Vor­in­stan­zen vor dem Ver­wal­tungs­ge­richt Braun­schweig 1 und dem Nie­der­säch­si­schen Ober­ver­wal­tungs­ge­richt in Lüne­burg 2 ohne Erfolg. Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt bil­lig­te nun die­se Vor­ent­schei­dun­gen und wies auch die Revi­si­on der Kran­ken­haus­trä­ge­rin zurück:

Das Nie­der­säch­si­sche Ober­ver­wal­tungs­ge­richt ist nach Ansicht des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts zu Recht davon aus­ge­gan­gen, dass in Bezug auf das von der Kran­ken­haus­trä­ge­rin betrie­be­ne Brust­zen­trum die Vor­aus­set­zun­gen für einen Zuschlag nach § 5 Abs. 3 KHEntgG nicht vor­la­gen. Nach den Vor­schrif­ten des Kran­ken­haus­ent­gelt­ge­set­zes kön­nen Ver­gü­tun­gen nur für Kran­ken­haus­leis­tun­gen gewährt wer­den, die von dem Ver­sor­gungs­auf­trag des Kran­ken­hau­ses umfasst sind. Das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt hat für das Revi­si­ons­ver­fah­ren ver­bind­lich fest­ge­stellt, dass der Kran­ken­haus­trä­ge­rin für das Jahr 2009 die beson­de­ren Auf­ga­ben eines Brust­zen­trums weder im Kran­ken­haus­plan des Lan­des noch sonst durch eine Ent­schei­dung des Lan­des oder im Rah­men einer ergän­zen­den Ver­ein­ba­rung nach § 109 Abs. 1 Satz 5 SGB V zuge­wie­sen waren. Ihr fehl­te des­halb der erfor­der­li­che Ver­sor­gungs­auf­trag für die­se Auf­ga­ben. Das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt hat zu Recht ange­nom­men, dass die Auf­nah­me in den Lan­des­kran­ken­haus­plan mit der Fach­rich­tung Frau­en­heil­kun­de nicht genüg­te, um einen Ver­sor­gungs­auf­trag für die beson­de­ren Auf­ga­ben des Brust­zen­trums zu begrün­den, son­dern es dazu eines spe­zi­el­len Ver­sor­gungs­auf­trags bedurft hät­te.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urteil vom 8. Sep­tem­ber 2016 – 3 C 6.15 3

  1. VG Braun­schweig, Urteil vom 07.11.2012 – 5 A 107/​10[]
  2. Nds. OVG, Urteil vom 15.04.2015 – 13 LC 284/​12[]
  3. sie­he eben­so BVerwG, Urtei­le vom 8. Sep­tem­ber 2016 – 3 C 11.153 C 12.15 – und 3 C 13.15[]