Auto­pla­ket­ten aus Dritt­quel­le

Eine mar­ken­mä­ßi­ge Benut­zung liegt vor, wenn eine Pla­ket­te, die zur Anbrin­gung auf Ersatz­tei­len dient, mit der bekann­ten Mar­ke eines Auto­mo­bil­her­stel­lers ver­se­hen wird.

Auto­pla­ket­ten aus Dritt­quel­le

Wird die Kla­ge­mar­ke von einem Drit­ten für sei­ne Pro­duk­te wie eine eige­ne Mar­ke benutzt, ist die Schutz­schran­ke des § 23 Nr. 3 Mar­kenG nicht eröff­net.

Nach § 14 Abs. 2 Nr. 1 Mar­kenG ist es Drit­ten unter­sagt, ohne Zustim­mung des Mar­ken­in­ha­bers im geschäft­li­chen Ver­kehr ein mit der Mar­ke iden­ti­sches Zei­chen für Waren oder Dienst­leis­tun­gen zu benut­zen, die mit den­je­ni­gen iden­tisch sind, für die sie Schutz genießt.

Das Bestehen von Ver­wechs­lungs­ge­fahr im Sin­ne von § 14 Abs. 2 Nr. 2 Mar­kenG ist unter Berück­sich­ti­gung aller rele­van­ten Umstän­de des Ein­zel­falls zu beur­tei­len. Dabei ist von einer Wech­sel­wir­kung zwi­schen der Iden­ti­tät oder der Ähn­lich­keit der Waren oder Dienst­leis­tun­gen, der Iden­ti­tät oder Ähn­lich­keit der Zei­chen und der Kenn­zeich­nungs­kraft der älte­ren Mar­ke aus­zu­ge­hen, so dass ein gerin­ge­rer Grad der Ähn­lich­keit der Waren oder Dienst­leis­tun­gen durch einen höhe­ren Grad der Ähn­lich­keit der Zei­chen oder durch eine gestei­ger­te Kenn­zeich­nungs­kraft der älte­ren Mar­ke aus­ge­gli­chen wer­den kann und umge­kehrt 1.

Waren­iden­ti­tät liegt vor, wenn die Fremd­her­stel­le­rin ihr Zei­chen für Pla­ket­ten und damit für Waren ver­wen­det, die vom Schutz­be­reich der Mar­ke der Ori­gi­nal-Her­stel­le­rin erfasst wer­den.

Die Ähn­lich­keit ein­an­der gegen­über­ste­hen­der Zei­chen ist nach deren Ähn­lich­keit im (Schrift)Bild, im Klang und im Bedeu­tungs- oder Sinn­ge­halt zu beur­tei­len, weil Mar­ken auf die mit ihnen ange­spro­che­nen Ver­kehrs­krei­se in bild­li­cher, klang­li­cher und begriff­li­cher Hin­sicht wir­ken kön­nen. Dabei genügt für die Beja­hung der Zei­chen­ähn­lich­keit regel­mä­ßig bereits die Ähn­lich­keit in einem der genann­ten Wahr­neh­mungs­be­rei­che 2.

Danach besteht vor­lie­gend hoch­gra­di­ge Zei­chen­ähn­lich­keit. Klang­lich stim­men die Mar­ke der Klä­ge­rin und das Zei­chen der Beklag­ten in der Buch­sta­ben­fol­ge "BMW" über­ein. Sowohl die Mar­ke der Klä­ge­rin wie auch das Zei­chen der Beklag­ten wer­den bild­lich durch den Wort­be­stand­teil "BMW" geprägt, den der Ver­kehr als Hin­weis auf eine berühm­te Auto­mar­ke erkennt. Die Bild­be­stand­tei­le der Zei­chen stim­men eben­falls über­ein. Die farb­li­che Abwei­chung durch die bei­den blau­en Fel­der und die Aus­füh­rung der Buch­sta­ben und Umran­dun­gen in Sil­ber führt das Zei­chen der Beklag­ten nicht aus dem Bereich hoch­gra­di­ger Ähn­lich­keit mit der Mar­ke her­aus 3. Der Ver­wechs­lungs­schutz erfasst regel­mä­ßig auch far­bi­ge Wie­der­ga­ben. Begriff­lich erkennt der Ver­kehr sowohl in der Mar­ke als auch in dem Zei­chen ohne wei­te­res das Emblem des bedeu­ten­den Fahr­zeug­her­stel­lers BMW.

Bei Waren­iden­ti­tät, über­durch­schnitt­li­cher Kenn­zeich­nungs­kraft der Kla­ge­mar­ke und hoch­gra­di­ger Zei­chen­ähn­lich­keit besteht am Vor­lie­gen von Ver­wechs­lungs­ge­fahr im Sin­ne von § 14 Abs. 2 Nr. 2 Mar­kenG kein Zwei­fel.

Bei Waren­iden­ti­tät, über­durch­schnitt­li­cher Kenn­zeich­nungs­kraft der Kla­ge­mar­ke und hoch­gra­di­ger Zei­chen­ähn­lich­keit besteht am Vor­lie­gen von Ver­wechs­lungs­ge­fahr im Sin­ne von § 14 Abs. 2 Nr. 2 Mar­kenG kein Zwei­fel.

Das ist vor­lie­gend aber der Fall. Die maß­geb­li­chen Ver­kehrs­krei­se erken­nen in der BMW-Pla­ket­te nicht nur die Ware selbst, son­dern fas­sen die auf der Pla­ket­te abge­bil­de­te Mar­ke auch als Hin­weis auf die Her­kunft der Pla­ket­te aus dem Unter­neh­men der Klä­ge­rin oder jeden­falls aus einem von ihr lizen­zier­ten Unter­neh­men auf. Das folgt im vor­lie­gen­den Fall schon dar­aus, dass es sich bei der Kla­ge­mar­ke nach den nicht ange­grif­fe­nen Fest­stel­lun­gen des Beru­fungs­ge­richts um eine berühm­te Mar­ke han­delt. Es kommt hin­zu, dass die Ver­wen­dung des BMW-Emblems auf der Front­hau­be und am Heck der von der Klä­ge­rin her­ge­stell­ten Fahr­zeu­ge eine im Ver­kehr übli­che und wirt­schaft­lich sinn­vol­le Ver­wen­dung der Mar­ke dar­stellt. In einem sol­chen Fall wird der Ver­kehr in der Wie­der­ga­be der Wort-Bild-Mar­ke auf einer Pla­ket­te einen zei­chen­mä­ßi­gen Hin­weis auf deren Her­kunft aus einem bestimm­ten Unter­neh­men erken­nen 4.

Da die Pla­ket­te als eigen­stän­di­ge Ware gehan­delt wird, kommt es nicht dar­auf an, dass sie für den Ein­bau in ein von der Klä­ge­rin her­ge­stell­tes Kraft­fahr­zeug bestimmt ist und dann die Funk­ti­on hat, auf des­sen Her­kunft oder jeden­falls die Her­kunft des Teils, auf dem die Pla­ket­te ange­bracht ist, hin­zu­wei­sen. Vor­lie­gend weist die Mar­ke auch nach dem Ein­bau wei­ter­hin auf die Her­kunft der Pla­ket­te selbst hin.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 12. März 2015 – I ZR 153/​14

  1. st. Rspr.; etwa BGH, GRUR 2009, 766 Rn. 26 Stoff­fähn­chen I; BGH, Urteil vom 24.02.2011 – I ZR 154/​09, GRUR 2011, 826 Rn. 11 = WRP 2011, 1168 Enzymix/​Enzymax; Urteil vom 18.09.2014 – I ZR 228/​12, GRUR 2014, 1101 Rn. 37 = WRP 2014, 1314 – Gel­be Wör­ter­bü­cher[]
  2. vgl. BGH, Urteil vom 20.01.2011 – I ZR 31/​09, GRUR 2011, 824 Rn. 25 f. = WRP 2011, 1157 Kap­pa, mwN; Urteil vom 22.01.2014 – I ZR 71/​12, GRUR 2014, 382 Rn. 25 = WRP 2014, 452 REAL-Chips[]
  3. vgl. BGH, Beschluss vom 11.05.2006 – I ZB 28/​04, BGHZ 167, 322 Rn. 23 Mal­te­ser­kreuz; Büscher, GRUR 2015, 305, 310[]
  4. vgl. BGH, GRUR 2002, 1072, 1073 SYLT-Kuh[]