BMW – Mar­ke in schwarz-weiß

Eine schwarz­wei­ße Mar­ke ist nicht mit dem­sel­ben Zei­chen in Far­be iden­tisch, sofern die Farb­un­ter­schie­de nicht unbe­deu­tend sind.

BMW – Mar­ke in schwarz-weiß

Nach § 14 Abs. 2 Nr. 1 Mar­kenG ist es Drit­ten unter­sagt, ohne Zustim­mung des Mar­ken­in­ha­bers im geschäft­li­chen Ver­kehr ein mit der Mar­ke iden­ti­sches Zei­chen für Waren oder Dienst­leis­tun­gen zu benut­zen, die mit den­je­ni­gen iden­tisch sind, für die sie Schutz genießt.

Die Beklag­te benutzt indes für die Gestal­tung ihrer Pla­ket­ten kein mit der Mar­ke der Klä­ge­rin iden­ti­sches Zei­chen. Die erheb­li­chen Abwei­chun­gen in der Farb­ge­stal­tung zwi­schen der Mar­ke der Klä­ge­rin und der Pla­ket­te der Beklag­ten schlie­ßen die Annah­me einer Dop­pel­iden­ti­tät aus.

Für die Fra­ge, ob eine Mar­ken­ver­let­zung im Sin­ne von § 14 Abs. 2 Mar­kenG vor­liegt, kommt es allein auf die Mar­ken­ein­tra­gung an und nicht auf die kon­kre­te Ver­wen­dung der ein­ge­tra­ge­nen Mar­ke auf der Ware [1].

Schutz­ge­gen­stand ist bei schwarz­wei­ßen Mar­ken die Mar­ke in der ein­ge­tra­ge­nen schwarz­wei­ßen Form [2]. Die­ser Schutz­ge­gen­stand bestimmt den Iden­ti­täts­be­reich. Nach der Recht­spre­chung des Gerichts­hofs der Euro­päi­schen Uni­on ist ein Zei­chen mit einer Mar­ke iden­tisch, wenn es ohne Ände­rung oder Hin­zu­fü­gung alle Ele­men­te wie­der­gibt, die die Mar­ke bil­den, oder wenn es als Gan­zes betrach­tet Unter­schie­de gegen­über der Mar­ke auf­weist, die so unbe­deu­tend sind, dass sie einem Durch­schnitts­ver­brau­cher ent­ge­hen kön­nen [3]. Unbe­deu­tend ist ein Unter­schied, der einem nor­mal auf­merk­sa­men Durch­schnitts­ver­brau­cher nur auf­fällt, wenn er die betref­fen­den Mar­ken direkt ver­gleicht.

Nach die­sen Grund­sät­zen ist eine schwarz­wei­ße Mar­ke nicht mit dem­sel­ben Zei­chen in Far­be iden­tisch, sofern die Farb­un­ter­schie­de nicht unbe­deu­tend sind. Die­se Beur­tei­lung ent­spricht der "Gemein­sa­men Mit­tei­lung zur gemein­sa­men Pra­xis zum Schutz­be­reich von schwarz­wei­ßen Mar­ken" vom 15.04.2014, die das Har­mo­ni­sie­rungs­amt für den Bin­nen­markt und die Mar­ken­äm­ter der Mit­glied­staa­ten im Rah­men des Kon­ver­genz­pro­gramms vor­ge­legt haben.

Danach sind die schwarz­wei­ße Mar­ke und das far­bi­ge Zei­chen nicht iden­tisch. Der Gesamt­ein­druck der Pla­ket­te wird maß­geb­lich geprägt durch die blaue Far­be von zwei der vier zen­tra­len Fel­der des Zei­chens, die in Kom­bi­na­ti­on mit den bei­den wei­ßen Fel­dern beim Durch­schnitts­ver­brau­cher die Asso­zia­ti­on zu der her­kunfts­hin­wei­sen­den Bezeich­nung "Baye­ri­sche" in der Fir­ma der Klä­ge­rin weckt. Die Ver­wen­dung von blau­er Far­be in der Pla­ket­te anstel­le schwar­zer Far­be in der Mar­ke kann unter die­sen Umstän­den nicht als unbe­deu­tend ange­se­hen wer­den (vgl. in die­sem Sin­ne auch ein von den Mar­ken­äm­tern wie­der­ge­ge­be­nes Bei­spiel: statt drei­er wei­ßer Krei­se bei der ein­ge­tra­ge­nen Mar­ke zwei wei­ße und ein grü­ner Kreis).

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 12. März 2015 – I ZR 153/​14

  1. vgl. BGH, Urteil vom 05.11.2008 – I ZR 39/​06, GRUR 2009, 766 Rn. 36 = WRP 2009, 831 Stoff­fähn­chen I[]
  2. Büscher, GRUR 2015, 305, 310[]
  3. vgl. EuGH, Urteil vom 20.03.2003 C291/​00, Slg. 2003, I2799 = GRUR 2003, 422 Rn. 50 ff. LTJ Dif­fu­si­on; Urteil vom 08.07.2010 C558/​08, Slg. 2010, I6963 = GRUR 2010, 841 Rn. 47 Portaka­bin; vgl. auch BGH, Urteil vom 12.03.2015 – I ZR 188/​13, GRUR 2015, 607 Rn. 22 = WRP 2015, 714 Uhren­an­kauf im Inter­net[]