Mar­ke = Ware – und die Auto­pla­ket­te

Wird die Kla­ge­mar­ke von einem Drit­ten für sei­ne Pro­duk­te wie eine eige­ne Mar­ke benutzt, ist die Schutz­schran­ke des § 23 Nr. 3 Mar­kenG nicht eröff­net.

Mar­ke = Ware – und die Auto­pla­ket­te

Nach § 23 Nr. 3 Mar­kenG hat der Mar­ken­in­ha­ber nicht das Recht, einem Drit­ten zu unter­sa­gen, im geschäft­li­chen Ver­kehr die Mar­ke als Hin­weis auf die Bestim­mung einer Ware, ins­be­son­de­re als Zube­hör oder Ersatz­teil, oder einer Dienst­leis­tung zu benut­zen, soweit die Benut­zung dafür not­wen­dig ist und sofern sie nicht gegen die guten Sit­ten ver­stößt.

Eine Benut­zung der Mar­ke als Hin­weis auf die Bestim­mung einer Ware liegt nur vor, wenn schon unab­hän­gig von der Wie­der­ga­be der Mar­ke eine Ware vor­han­den ist, auf deren Bestim­mung die Mar­ke hin­weist. Im vor­lie­gen­den Fall mag das BMW-Emblem zwar als Ersatz­teil und damit als Ware anzu­se­hen sein. Nach Unfäl­len wird häu­fig der Bedarf bestehen, die­ses Emblem zu erneu­ern. Die Kla­ge­mar­ke ist auch nicht iden­tisch mit der Ware BMW-Emblem. Bei dem BMW-Emblem han­delt es sich aber um eine Ware, die sich in der Ver­kör­pe­rung und damit in einer Wie­der­ga­be der Mar­ke erschöpft. Die Mar­ke ist essen­ti­el­ler, allein funk­ti­ons- und gestalt­prä­gen­der Bestand­teil die­ses Ersatz­teils und damit kein Hin­weis auf sei­ne Bestim­mung.

Infol­ge­des­sen dient die Anbrin­gung eines mit der Kla­ge­mar­ke iden­ti­schen oder ver­wech­sel­ba­ren Zei­chens auf ori­gi­nal­ge­treu­en Nach­bil­dun­gen der von der Mar­ken­in­ha­be­rin zur Kenn­zeich­nung ihrer Fahr­zeu­ge ver­wen­de­ten Pla­ket­ten nicht dazu, eine Anga­be über ein Merk­mal die­ser Pla­ket­ten zu machen, son­dern ist nur Teil der ori­gi­nal­ge­treu­en Nach­bil­dung der Pla­ket­te der Mar­ken­in­ha­be­rin 1. Die Mar­ke wird von der Drit­ther­stel­le­rin für ihre Pro­duk­te ver­wen­det wie eine eige­ne Mar­ke. Das ist durch die Schutz­schran­ke des § 23 Nr. 3 Mar­kenG nicht gedeckt.

Die Kla­ge­mar­ke wird auch nicht zu einem Bestim­mungs­hin­weis für die von der Drit­ther­stel­le­rin ver­trie­be­nen BMW-Emble­me, wenn die­se ihrem haupt­säch­li­chem Zweck ent­spre­chend in von dem Auto­her­stel­ler her­ge­stell­te Kraft­fahr­zeu­ge ein­ge­baut wer­den. Nach dem Ein­bau dient die auf der Pla­ket­te abge­bil­de­te Mar­ke wei­ter­hin nicht dazu, auf die bereits erreich­te Zweck­be­stim­mung der Pla­ket­te hin­zu­wei­sen, son­dern sie ist Her­kunfts­hin­weis für die mit der Pla­ket­te ver­se­he­nen Fahr­zeu­ge oder Fahr­zeug­tei­le 2 sowie für die Pla­ket­te selbst.

Die­ses Ergeb­nis steht in Ein­klang mit Sinn und Zweck des § 23 Nr. 3 Mar­kenG.

§ 23 Nr. 3 Mar­kenG dient einem Inter­es­sen­aus­gleich zwi­schen den Ori­gi­nal­her­stel­lern lang­le­bi­ger, regel­mä­ßig hoch­wer­ti­ger Erzeug­nis­se, und frei­en Dritt­an­bie­tern 3. Die Bestim­mung soll der Gefahr einer Beschrän­kung oder Mono­po­li­sie­rung des Ersatz­teil­markts durch Mar­ken­ein­tra­gun­gen begeg­nen 4. Ande­rer­seits sol­len die Dritt­an­bie­ter davon abge­hal­ten wer­den, in unge­recht­fer­tig­ter Wei­se von der Repu­ta­ti­on einer Mar­ke zu pro­fi­tie­ren, die der Mar­ken­in­ha­ber durch sei­ne Inves­ti­tio­nen geschaf­fen hat.

Auf der Grund­la­ge des danach gebo­te­nen Inter­es­sen­aus­gleichs wird die Benut­zung der Kla­ge­mar­ke für das BMW-Emblem der Drit­ther­stel­le­rin von der Schutz­schran­ke des § 23 Nr. 3 Mar­kenG nicht erfasst. Zwar mag es sein, dass Ersatz­tei­le – etwa die Front- und Heck­tei­le der Kraft­fahr­zeu­ge, die mit ent­spre­chen­den Pla­ket­ten ver­se­hen sind – nur ver­kaufs­fä­hig sind, wenn an ihnen eben­falls das BMW-Emblem ange­bracht ist oder jeden­falls pro­blem­los nach­ge­rüs­tet wer­den kann. Grund­sätz­lich besteht eine Ver­kehrs­er­war­tung, dass Ersatz­tei­le für ein Kraft­fahr­zeug das­sel­be Erschei­nungs­bild auf­wei­sen wie das Ori­gi­nal­teil 5. Für den Inter­es­sen­aus­gleich fällt hier maß­geb­lich ins Gewicht, dass sich das BMW-Emblem der Beklag­ten in der Ver­kör­pe­rung und damit Wie­der­ga­be der berühm­ten Kla­ge­mar­ke erschöpft. Die Pro­duk­ti­on von allein die Mar­ke des Fahr­zeug­her­stel­lers abbil­den­den Pla­ket­ten, die zur Kenn­zeich­nung sei­ner Fahr­zeu­ge und sei­nes Geschäfts­be­triebs die­nen, ist das aus dem Aus­schließ­lich­keits­recht fol­gen­de Mono­pol des Mar­ken­in­ha­bers. Die­ses mar­ken­recht­li­che Prin­zip wird durch § 23 Nr. 3 Mar­kenG nicht ein­ge­schränkt.

Für die Her­stel­ler deut­lich mit dem BMW-Emblem gekenn­zeich­ne­ter Ersatz­tei­le für Front oder Heck der Kraft­fahr­zeu­ge der Klä­ge­rin könn­te unter Umstän­den etwa auf kar­tell­recht­li­cher Grund­la­ge ein Anspruch gegen die Klä­ge­rin in Betracht kom­men, sie unter bestimm­ten Vor­aus­set­zun­gen mit Ori­gi­nal-BMW-Emble­men zu belie­fern oder zumin­dest eine Nach­rüs­tung der BMW-Emble­me durch die Kun­den oder im Kun­den­auf­trag durch Repa­ra­tur­werk­stät­ten zu ermög­li­chen. Der hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­ne Streit­fall gibt zu einer nähe­ren Betrach­tung die­ser Fra­gen indes kei­nen Anlass.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 12. März 2015 – I ZR 153/​14

  1. vgl. EuGH, Urteil vom 25.01.2007 – C48/​05, Slg. 2007, I10017 = GRUR 2007, 318 Rn. 44 Opel-Logo[]
  2. vgl. Cor­te Supre­ma di Cas­sa­zio­ne, Mar­kenR 2014, 512, 514 Vor­werk Zube­hör- und Ersatz­tei­le[]
  3. vgl. Hacker in Ströbele/​Hacker, Mar­ken­ge­setz, 11. Aufl., § 23 Rn. 96; Schalk in Büscher/​Dittmer/​Schiwy, Gewerb­li­cher Rechts­schutz Urhe­ber­recht Medi­en­recht, 3. Aufl., § 23 Mar­kenG Rn.20[]
  4. vgl. BGH, Beschluss vom 24.05.2007 – I ZB 37/​04, GRUR 2008, 71 Rn.20 = WRP 2008, 107 Front­hau­be[]
  5. vgl. BGH, GRUR 2008, 71 Rn.20 Front­hau­be[]