Preis­an­ga­ben im Flug­bu­chungs­sys­tem

Ein elek­tro­ni­sches Buchungs­sys­tem muss bei jedem Flug ab einem Flug­ha­fen der Euro­päi­schen Uni­on, des­sen Preis ange­zeigt wird, von Anfang an den zu zah­len­den End­preis aus­wei­sen.

Preis­an­ga­ben im Flug­bu­chungs­sys­tem

Dies ent­schied jetzt der Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on in einem Vor­ab­ent­schei­dungs­ver­fah­ren, dem ein Rechts­streit zwi­schen Ver­brau­cher­schüt­zern und Air Ber­lin zugrun­de lag:

Der deut­sche Bun­des­ver­band der Ver­brau­cher­zen­tra­len und Ver­brau­cher­ver­bän­de bean­stan­det vor deut­schen Gerich­ten die Art der Dar­stel­lung der Flug­prei­se im elek­tro­ni­schen Buchungs­sys­tem von Air Ber­lin, wie es im Novem­ber 2008 gestal­tet war. Die­ses Buchungs­sys­tem stellt nach der Wahl des Datums und des Abflug- und Ankunfts­flug­ha­fens die mög­li­chen Flug­ver­bin­dun­gen in einer Tabel­le dar, die unter ande­rem die Abflug- und Ankunfts­zei­ten ent­hält. Der End­preis pro Per­son, der sich bei Air Ber­lin aus dem Preis für den betref­fen­den Flug, den Steu­ern und Gebüh­ren, dem Kero­sin­zu­schlag sowie einer Bear­bei­tungs­ge­bühr zusam­men­setzt, wird dabei nicht für jede auf­ge­führ­te Ver­bin­dung ange­ge­ben, son­dern nur für die von Air Ber­lin vor­ausge­wähl­te oder vom Kun­den durch Ankli­cken aus­ge­wähl­te Ver­bin­dung. Nach Ansicht der kla­gen­den Ver­brau­cher­schüt­zer genügt die­se Pra­xis nicht den in der Ver­ord­nung (EG) Nr. 1008/​2008 des Euro­päi­schen Par­la­ments und des Rates vom 24. Sep­tem­ber 2008 über gemein­sa­me Vor­schrif­ten für die Durch­füh­rung von Luft­ver­kehrs­diens­ten in der Gemein­schaft [1] auf­ge­stell­ten Anfor­de­run­gen an die Trans­pa­renz der Prei­se von Luft­ver­kehrs­diens­ten. Ins­be­son­de­re bestimmt Art. 23 Abs. 1 der Ver­ord­nung, dass der zu zah­len­de End­preis stets aus­zu­wei­sen ist und den anwend­ba­ren Flug­preis bzw. die anwend­ba­re Luft­fracht­ra­te sowie alle anwend­ba­ren Steu­ern und Gebüh­ren, Zuschlä­ge und Ent­gel­te, die unver­meid­bar und zum Zeit­punkt der Ver­öf­fent­li­chung vor­her­seh­bar sind, ein­schlie­ßen muss.

Die dar­auf­hin gegen Air Ber­lin erho­be­ne Unter­las­sungs­kla­ge hat­te in den ers­ten bei­den Rechts­zü­gen Erfolg. Auf die Revi­son von Air Ber­lin hat dar­auf­hin der Bun­des­ge­richts­hof ein Vor­ab­ent­schei­dungs­er­su­chen an den Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on gerich­te zur Aus­le­gung ins­be­son­de­re der Rege­lung in Art. 23 Abs. 1 VO 1008/​2008 zur Gestal­tung der Prei­se für Flug­diens­te mit Abflug an einem Flug­ha­fen der Euro­päi­schen Uni­on gerich­tet.

Im Wege eines sol­chen Vor­ab­ent­schei­dungs­er­su­chens kön­nen die Gerich­te der EU-Mit­glied­staa­ten in einem bei ihnen anhän­gi­gen Rechts­streit dem Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on Fra­gen nach der Aus­le­gung des euro­päi­schen Uni­ons­rechts oder nach der Gül­tig­keit einer Hand­lung der Euro­päi­schen Uni­on vor­le­gen. Der Uni­ons­ge­richts­hof ent­schei­det dabei nur über die vor­leg­te Rechts­fra­ge, nicht über den natio­na­len Rechts­streit. Es ist und bleibt viel­mehr Sache des natio­na­len Gerichts, über die Rechts­sa­che im Ein­klang mit der Ent­schei­dung des Uni­ons­ge­richts­hofs zu befin­den. Die Ent­schei­dung des Uni­ons­ge­richts­hofs bin­det in glei­cher Wei­se auch ande­re natio­na­le Gerich­te, die mit einem ähn­li­chen Pro­blem befasst wer­den.

Mit sei­nem jetzt ver­kün­de­ten Urteil ent­schied der Uni­ons­ge­richts­hof, dass der zu zah­len­de End­preis im Rah­men eines elek­tro­ni­schen Buchungs­sys­tems wie des in Rede ste­hen­den bei jeder Anga­be von Prei­sen für Flug­diens­te, ein­schließ­lich bei ihrer erst­ma­li­gen Anga­be, aus­zu­wei­sen ist. Dies gilt nicht nur für den vom Kun­den aus­ge­wähl­ten Flug­dienst, son­dern auch für jeden Flug­dienst, des­sen Preis ange­zeigt wird.

Die­se Aus­le­gung ergibt sich für den Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on sowohl aus dem Wort­laut als auch aus der Sys­te­ma­tik und dem Ziel der Uni­ons­re­ge­lung, die ins­be­son­de­re gewähr­leis­ten soll, dass die Kun­den die Prei­se ver­schie­de­ner Luft­fahrt­un­ter­neh­men für Flug­diens­te effek­tiv ver­glei­chen kön­nen.

Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on, Urteil vom 15. Janu­ar 2015 – C ‑573/​13

  1. ABl. L 293, S. 3[]