Punk­te­sys­tem für die Bewer­tung der Teil­nah­me an notar­spe­zi­fi­schen Fort­bil­dungs­kur­sen

Dass das in Ber­lin ange­wand­te Punk­te­sys­tem bei der Bewer­tung der Teil­nah­me an notar­spe­zi­fi­schen Fort­bil­dungs­kur­sen nicht nach dem zeit­li­chen Abstand zum Bewer­bungs­ver­fah­ren dif­fe­ren­ziert, begeg­net kei­nen recht­li­chen Beden­ken.

Punk­te­sys­tem für die Bewer­tung der Teil­nah­me an notar­spe­zi­fi­schen Fort­bil­dungs­kur­sen

Aus­zu­ge­hen ist hier­bei von den im Beschluss des Bun­des­ge­richts­hofs vom 14. April 2008 1 auf­ge­stell­ten Grund­sät­zen. Danach ver­lie­ren auch älte­re Aus­bil­dungs­ver­an­stal­tun­gen nicht not­wen­dig erheb­lich an Aus­bil­dungs­wert.

Zwar ist es zutref­fend, dass in zeit­nä­he­ren Lehr­gän­gen erwor­be­ne Kennt­nis­se in ihren Ein­zel­hei­ten eher abruf­bar sein kön­nen als Wis­sen, das in frü­he­ren Jah­ren erwor­ben wur­de. Auch geben Fort­bil­dungs­ver­an­stal­tun­gen, die in kür­ze­rer Zeit vor der Bewer­bung statt­ge­fun­den haben, regel­mä­ßig die aktu­el­le Recht­spre­chung und Leh­re wie­der und ver­mit­teln damit den Teil­neh­mern den neu­es­ten Stand von Pra­xis und Wis­sen­schaft 2. Ande­rer­seits müs­sen sich trotz gesetz­li­cher Ände­run­gen die Grund­la­gen der nota­ri­el­len Tätig­keit in recht­li­cher und tat­säch­li­cher Hin­sicht über einen län­ge­ren Zeit­raum jeden­falls nicht so stark geän­dert haben, dass län­ger zurück­lie­gen­de Fort­bil­dungs­ver­an­stal­tun­gen erheb­lich an Aus­bil­dungs­wert ver­lie­ren müss­ten. Das erlang­te Wis­sen kann unter Umstän­den gegen­über raschem kurz­fris­tig erwor­be­nem bes­ser ver­tieft sein und beherrscht wer­den, ins­be­son­de­re, wenn es der Bewer­ber im Rah­men von Notar­ver­tre­tun­gen über einen län­ge­ren Zeit­raum in der Pra­xis ange­wandt hat. Zumal eine län­ge­re prak­ti­sche Tätig­keit als Notar­ver­tre­ter oder Nota­ri­ats­ver­wal­ter in der Regel nur dann ver­ant­wort­lich über­nom­men wer­den kann, wenn sich der Bewer­ber zuvor durch den Besuch notar­spe­zi­fi­scher Fort­bil­dungs­kur­se die hier­für not­wen­di­ge Kennt­nis ver­schafft hat. Auf ein­mal erwor­be­ne theo­re­ti­sche und prak­ti­sche Kennt­nis­se wird in der juris­ti­schen Pra­xis regel­mä­ßig zurück­ge­grif­fen wer­den. Der Erwerb theo­re­ti­scher Kennt­nis­se, die in prak­ti­scher Anwen­dung ver­tieft wor­den sind, ist des­halb trotz einer län­ge­ren zeit­li­chen Distanz für die Beur­tei­lung der fach­li­chen Eig­nung von Bedeu­tung.

Der Bun­des­ge­richts­hof hat es des­halb inner­halb des der ein­zel­nen Lan­des­jus­tiz­ver­wal­tung zuste­hen­den Beur­tei­lungs­spiel­raums gese­hen, wenn bei der Erstel­lung des Punk­te­sys­tems von einer zeit­li­chen Dif­fe­ren­zie­rung nach dem Besuch der Fort­bil­dungs­kur­se abge­se­hen wird. Er hat aller­dings dann für erfor­der­lich gehal­ten, dass vor der end­gül­ti­gen Aus­wahl bei der der Lan­des­jus­tiz­ver­wal­tung ohne­hin oblie­gen­den zusätz­li­chen Prü­fung beson­de­rer Umstän­de, die in dem star­ren Bewer­tungs­sys­tem kei­nen Ein­gang gefun­den haben, die aber zur voll­stän­di­gen Erfas­sung der Kennt­nis­se und Fähig­kei­ten der Bewer­ber berück­sich­tigt wer­den müs­sen 3, zu fra­gen ist, ob die einem Bewer­ber rech­ne­risch zuzu­bil­li­gen­den Punk­te für die Teil­nah­me an Fort­bil­dungs­kur­sen die fach­li­che Eig­nung im Ver­gleich zu sei­nen Mit­be­wer­bern zutref­fend wie­der­ge­ben.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 5. März 2012 – NotZ (Brfg) 10/​11

  1. BGH, Beschluss vom 14.04.2008, DNotZ 121/​07, DNotZ 2008, 868[]
  2. BGH, Beschlüs­se vom 20.11.2006 – NotZ 4/​06, ZNotP 2007, 109, 111, Rn. 16; NotZ 16/​06; und NotZ 22/​06[]
  3. vgl. BGH, Beschlüs­se vom 23.07.2007 – NotZ 2/​07, juris Rn. 27 und vom 24.07.2006 – NotZ 3/​06, NJW-RR 2007, 63, 65 Rn. 16[]