Ver­gü­tungs­sät­ze – Wei­ter­gel­tung als Tarif

Die Ange­mes­sen­heit von nach der Über­gangs­re­ge­lung des § 27 Abs. 1 UrhWG als Tari­fe wei­ter­gel­ten­den Ver­gü­tungs­sät­zen ist gericht­lich über­prüf­bar. Der Ver­trags­part­ner der Ver­wer­tungs­ge­sell­schaft trägt die Dar­le­gungs- und Beweis­last dafür, dass gemäß § 27 Abs. 1 Satz 1 UrhWG als Tari­fe wei­ter­gel­ten­de Ver­gü­tungs­sät­ze eines been­de­ten Gesamt­ver­tra­ges unan­ge­mes­sen sind. Die in einem Gesamt­ver­trag ver­ein­bar­ten Ver­gü­tungs­sät­ze gel­ten nach des­sen Been­di­gung gemäß § 27 Abs. 1 Satz 1 UrhWG ohne Abzug eines ver­ein­bar­ten Gesamt­ver­trags­nach­las­ses als Tari­fe wei­ter.

Ver­gü­tungs­sät­ze – Wei­ter­gel­tung als Tarif

Gemäß § 27 Abs. 1 UrhWG gilt für das am 1.01.2008 in Kraft getre­te­ne Zwei­te Gesetz zur Rege­lung des Urhe­ber­rechts in der Infor­ma­ti­ons­ge­sell­schaft fol­gen­de Über­gangs­re­ge­lung:

Die Ver­gü­tungs­sät­ze, die in Gesamt­ver­trä­gen vor dem 31.12.2007 ver­ein­bart wor­den sind, gel­ten als Tari­fe wei­ter, bis sie durch neue Ver­gü­tungs­sät­ze ersetzt wer­den, längs­tens aber bis zum 1.01.2010. Satz 1 gilt ent­spre­chend für Tari­fe, die eine Ver­wer­tungs­ge­sell­schaft vor dem 31.12.2007 auf­ge­stellt hat. Satz 1 gilt ent­spre­chend auch für die in der Anla­ge zu § 54d Abs. 1 des Urhe­ber­rechts­ge­set­zes in der bis zum 31.12.2007 gel­ten­den Fas­sung bestimm­ten Sät­ze, soweit sie an die­sem Tag ange­wen­det wur­den.

Im vor­lie­gend vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall ist die Klä­ge­rin ein Zusam­men­schluss der deut­schen Ver­wer­tungs­ge­sell­schaf­ten, die gemäß § 54h Abs. 1 UrhG unter ande­rem Ver­gü­tungs­an­sprü­che nach §§ 54 bis 54b UrhG gegen die Her­stel­ler, Impor­teu­re und Händ­ler von Gerä­ten zur Ver­viel­fäl­ti­gung von Audio­wer­ken und audio­vi­su­el­len Wer­ken gel­tend machen kön­nen.

Die Beklag­te impor­tiert und ver­treibt in Deutsch­land ana­lo­ge und digi­ta­le Ver­viel­fäl­ti­gungs­ge­rä­te, dar­un­ter Video­re­cor­der, DVD-Recor­der und Fest­plat­ten­re­cor­der. Sie ist Mit­glied im Zen­tral­ver­band Elek­tro­tech­nik- und Elek­tro­nik­in­dus­trie e.V. (ZVEI). Die­ser hat mit der Klä­ge­rin am 3.02.1986 einen Gesamt­ver­trag über die urhe­ber­recht­li­che Abgel­tung von Bild(-ton)- oder Ton­auf­zeich­nungs­ge­rä­ten sowie Bild- oder Ton­trä­gern geschlos­sen. Gemäß Zif­fer 2 des Gesamt­ver­tra­ges gewährt die Klä­ge­rin auf die in der Anla­ge zu § 54d Abs. 1 UrhG bestimm­ten gesetz­li­chen Ver­gü­tungs­sät­ze einen Bonus (Gesamt­ver­trags­nach­lass) von 6,5%; die danach erre­chen­ba­ren Ver­gü­tungs­sät­ze erhö­hen sich um den Betrag der gesetz­li­chen Mehr­wert­steu­er. Die Beklag­te trat dem Gesamt­ver­trag am 2.06.2003 bei. Am 23.03.2004 tra­fen die Klä­ge­rin und der ZVEI eine Zusatz­ver­ein­ba­rung zum Gesamt­ver­trag, mit der sie für Fest­plat­ten­re­cor­der eine Ver­gü­tung von 12 € pro Gerät ver­ein­bar­ten. Die Beklag­te trat die­ser Zusatz­ver­ein­ba­rung am 28.05.2004 bei. Der Gesamt­ver­trag wur­de zum 31.12.2007 been­det wur­de. In Zif­fer 8 des Gesamt­ver­tra­ges ist bestimmt, dass der Ver­trag zu dem Zeit­punkt endet, zu dem die gesetz­li­chen Ver­gü­tungs­sät­ze geän­dert wer­den. Am 1.01.2008 ist das Zwei­te Gesetz zur Rege­lung des Urhe­ber­rechts in der Infor­ma­ti­ons­ge­sell­schaft vom 26.10.2007 ("Zwei­ter Korb") in Kraft getre­ten, das unter ande­rem die Gerä­te­ver­gü­tung neu gere­gelt hat und kei­ne gesetz­li­chen Ver­gü­tungs­sät­ze mehr vor­sieht.

Im vor­lie­gend ent­schie­de­nen Fall haben die Par­tei­en im Gesamt­ver­trag für jeden Video­re­cor­der oder DVD-Recor­der einen Ver­gü­tungs­satz von 9,21 € abzüg­lich eines Gesamt­ver­trags­nach­las­ses von 6,5% ver­ein­bart. In Zif­fer 2 des Gesamt­ver­tra­ges ist bestimmt, dass die Klä­ge­rin auf die in der Anla­ge zu § 54d Abs. 1 UrhG bestimm­ten gesetz­li­chen Ver­gü­tungs­sät­ze einen Bonus von 6,5% gewährt und sich die danach erre­chen­ba­ren Ver­gü­tungs­sät­ze um den Betrag der gesetz­li­chen Mehr­wert­steu­er erhö­hen. In der Anla­ge zu § 54d Abs. 1 UrhG in der bis zum 31.12.2007 gel­ten­den Fas­sung ist für Bild­auf­zeich­nungs­ge­rä­te mit oder ohne Ton­teil – wie Video­re­cor­der und DVD-Recor­der – ein Ver­gü­tungs­satz von 9,21 € pro Gerät bestimmt. Fer­ner haben die Par­tei­en in der Zusatz­ver­ein­ba­rung zum Gesamt­ver­trag für jeden Fest­plat­ten­re­cor­der eine Ver­gü­tung von 12 € ver­ein­bart.

Gemäß § 27 Abs. 1 Satz 1 UrhWG gel­ten die im Gesamt­ver­trag ver­ein­bar­ten Ver­gü­tungs­sät­ze ohne Abzug des ver­ein­bar­ten Gesamt­ver­trags­nach­las­ses als Tari­fe wei­ter.

Die Vor­schrift des § 27 Abs. 1 Satz 1 UrhWG ord­net allein die (zeit­lich befris­te­te) Wei­ter­gel­tung der in den been­de­ten Gesamt­ver­trä­gen ver­ein­bar­ten Ver­gü­tungs­sät­ze an; sie bestimmt dage­gen nicht die Wei­ter­gel­tung der übri­gen Rege­lun­gen der Gesamt­ver­trä­ge. Mit der Been­di­gung des Gesamt­ver­tra­ges ist daher, wie das Ober­lan­des­ge­richt zutref­fend ange­nom­men hat, unter ande­rem die in Zif­fer 3 des Gesamt­ver­tra­ges ver­ein­bar­te – über die gesetz­li­che Ver­pflich­tung hin­aus­ge­hen­de – ver­trag­li­che Ver­pflich­tung der Beklag­ten zur Aus­kunfts­er­tei­lung, zu Abschlags­zah­lun­gen und zur Abrech­nung ent­fal­len.

Mit dem Ent­fal­len die­ser Ver­pflich­tung ist auch die inne­re Recht­fer­ti­gung für die Gewäh­rung des Gesamt­ver­trags­nach­las­ses ent­fal­len. Der Gewäh­rung eines Gesamt­ver­trags­nach­las­ses liegt in aller Regel – und so auch hier – zugrun­de, dass die Nut­zer­ver­ei­ni­gung sich zur Ver­trags­hil­fe ver­pflich­tet und der Ver­wer­tungs­ge­sell­schaft damit Ver­wal­tungs­auf­wand und Kos­ten erspart 1. Ent­fällt die Ver­pflich­tung zur Ver­trags­hil­fe, ist damit zugleich dem Anspruch auf Gewäh­rung eines Gesamt­ver­trags­nach­las­ses die Grund­la­ge ent­zo­gen. Der in einem been­de­ten Gesamt­ver­trag ver­ein­bar­te Gesamt­ver­trags­nach­lass darf daher die gemäß § 27 Abs. 1 Satz 1 UrhWG als Tari­fe wei­ter­gel­ten­den Ver­gü­tungs­sät­ze nicht min­dern.

Es kommt nicht dar­auf an, ob der Gesamt­ver­trag dahin aus­zu­le­gen ist, dass der ver­ein­bar­te Gesamt­ver­trags­nach­lass einen untrenn­ba­ren Bestand­teil des ver­ein­bar­ten Ver­gü­tungs­sat­zes bil­det. Ent­schei­dend ist viel­mehr, dass mit der Been­di­gung eines Gesamt­ver­tra­ges die Grund­la­ge für die Gewäh­rung eines Gesamt­ver­trags­nach­las­ses ent­fällt und § 27 Abs. 1 Satz 1 UrhWG des­halb dahin aus­zu­le­gen ist, dass die Wei­ter­gel­tung der Ver­gü­tungs­sät­ze einen Gesamt­ver­trags­nach­lass nicht ein­schließt.

Die Ange­mes­sen­heit der gemäß § 27 Abs. 1 UrhWG als Tari­fe wei­ter­gel­ten­den Ver­gü­tungs­sät­ze ist gericht­lich über­prüf­bar 2.

Bereits der Wort­laut des § 27 Abs. 1 UrhWG, wonach die Ver­gü­tungs­sät­ze "als Tari­fe" wei­ter­gel­ten, bringt zum Aus­druck, dass ihre Ange­mes­sen­heit gericht­lich über­prüf­bar ist und sie im Fal­le ihrer Unan­ge­mes­sen­heit vom Gericht auf das ange­mes­se­ne Maß her­ab­ge­setzt wer­den kön­nen. Tari­fe wei­sen die Ver­gü­tung aus, die die Ver­wer­tungs­ge­sell­schaft für die Nut­zung der von ihr wahr­ge­nom­me­nen Rech­te for­dert (§ 13 Abs. 1 Satz 1 UrhWG). Die Ange­mes­sen­heit der von der Ver­wer­tungs­ge­sell­schaft ein­sei­tig auf­ge­stell­ten Tari­fe ist durch die ordent­li­chen Gerich­te nach­prüf­bar 3.

Dage­gen kann die Ange­mes­sen­heit ver­ein­bar­ter und gesetz­li­cher Ver­gü­tungs­sät­ze grund­sätz­lich nicht gericht­lich mit dem Ziel über­prüft wer­den, sie im Fal­le ihrer Unan­ge­mes­sen­heit auf das ange­mes­se­ne Maß her­ab­zu­set­zen. Hin­sicht­lich der in der Anla­ge zu § 54d Abs. 1 UrhG in der bis zum 31.12.2007 gel­ten­den Fas­sung bestimm­ten Sät­ze kommt eine sol­che Über­prü­fung nicht in Betracht, weil es sich dabei um fes­te Ver­gü­tungs­sät­ze han­delt, die kraft Geset­zes als ange­mes­se­ne Ver­gü­tung gel­ten 4. Die Über­prü­fung der Ange­mes­sen­heit ver­ein­bar­ter Ver­gü­tungs­sät­ze ist grund­sätz­lich aus­ge­schlos­sen, weil es den Ver­trags­part­nern grund­sätz­lich über­las­sen bleibt, den Inhalt eines Ver­tra­ges frei zu bestim­men; ist ein Ver­trag als wirk­sam zu beur­tei­len, so sind die Par­tei­en dar­an bis zu sei­ner Been­di­gung gebun­den 5.

Aus der Rege­lung des § 13 Abs. 1 Satz 2 UrhWG ergibt sich nicht, dass auch Tari­fe – eben­so wie ver­trag­li­che und gesetz­li­che Ver­gü­tungs­sät­ze – einer gericht­li­chen Nach­prü­fung ent­zo­gen sein kön­nen. Nach die­ser Bestim­mung gel­ten, soweit Gesamt­ver­trä­ge abge­schlos­sen sind, die in die­sen Ver­trä­gen ver­ein­bar­ten Ver­gü­tungs­sät­ze als Tari­fe. Die in Gesamt­ver­trä­gen von den Ver­wer­tungs­ge­sell­schaf­ten mit Nut­zer­ver­ei­ni­gun­gen ver­ein­bar­ten Ver­gü­tungs­sät­ze (vgl. § 12 UrhWG) haben eine Dop­pel­na­tur. Sie sind zwar im Ver­hält­nis der Ver­trags­part­ner des Gesamt­ver­tra­ges zuein­an­der als ver­ein­bar­te Ver­gü­tungs­sät­ze bin­dend; die Gesamt­ver­trags­part­ner kön­nen ihre Ange­mes­sen­heit daher grund­sätz­lich nicht mit Erfolg in Fra­ge stel­len. Im Ver­hält­nis der Ver­wer­tungs­ge­sell­schaft zu Mit­glie­dern der Nut­zer­ver­ei­ni­gung, die sich dem Gesamt­ver­trag nicht unter­wor­fen haben, sind die Ver­gü­tungs­sät­ze dage­gen als blo­ße Ange­bo­te zum Abschluss eines Nut­zungs­ver­tra­ges unver­bind­lich; sol­che Mit­glie­der der Nut­zer­ver­ei­ni­gung kön­nen ihre Ange­mes­sen­heit bestrei­ten und ver­su­chen, einen indi­vi­du­el­len Nut­zungs­ver­trag durch­zu­set­zen 6. Nur im Ver­hält­nis zu ihnen gel­ten die in Gesamt­ver­trä­gen ver­ein­bar­ten Ver­gü­tungs­sät­ze nach § 13 Abs. 1 Satz 2 UrhWG als Tari­fe, deren Ange­mes­sen­heit – eben­so wie die Ange­mes­sen­heit ein­sei­tig auf­ge­stell­ter Ver­gü­tungs­sät­ze – gericht­lich nach­prüf­bar ist.

Aus dem Rege­lungs­zu­sam­men­hang der Über­gangs­re­ge­lung ergibt sich, dass die Ange­mes­sen­heit der in Gesamt­ver­trä­gen ver­ein­bar­ten und als Tari­fe wei­ter­gel­ten­den Ver­gü­tungs­sät­ze gericht­lich nach­prüf­bar ist. Das Gesetz ord­net eine Wei­ter­gel­tung "als Tari­fe" an, und zwar unter­schieds­los für die in Gesamt­ver­trä­gen vor dem 31.12.2007 ver­ein­bar­ten Ver­gü­tungs­sät­ze (§ 27 Abs. 1 Satz 1 UrhWG), für die von einer Ver­wer­tungs­ge­sell­schaft vor dem 31.12.2007 auf­ge­stell­ten Tari­fe (§ 27 Abs. 1 Satz 2 UrhWG) und für die in der Anla­ge zu § 54d Abs. 1 UrhG in der bis zum 31.12.2007 gel­ten­den Fas­sung bestimm­ten und an die­sem Tag ange­wand­ten Sät­ze (§ 27 Abs. 1 Satz 3 UrhWG). Die Ange­mes­sen­heit der von einer Ver­wer­tungs­ge­sell­schaft auf­ge­stell­ten Tari­fe ist – wie aus­ge­führt – gericht­lich über­prüf­bar; das gilt zwei­fel­los auch für vor dem 31.12.2007 auf­ge­stell­te Tari­fe, die gemäß § 27 Abs. 1 Satz 2 UrhWG nach dem 31.12.2007 als Tari­fe wei­ter­gel­ten. Es kann nicht ange­nom­men wer­den, das Gesetz ord­ne zwar unter­schieds­los die Wei­ter­gel­tung der Ver­gü­tungs­sät­ze als – gericht­lich nach­prüf­ba­re – Tari­fe an, ent­zie­he aber allein die ver­ein­bar­ten und gesetz­li­chen Ver­gü­tungs­sät­ze einer mög­li­chen Nach­prü­fung ihrer Ange­mes­sen­heit. Wäre das gewollt gewe­sen, hät­te das Gesetz die (zeit­lich befris­te­te) Wei­ter­gel­tung sämt­li­cher Ver­gü­tungs­sät­ze anord­nen kön­nen und nicht ihre Wei­ter­gel­tung "als Tari­fe" bestim­men müs­sen.

Die Gesetz­ge­bungs­ge­schich­te bestä­tigt das gefun­de­ne Ergeb­nis.

Der Regie­rungs­ent­wurf eines Zwei­ten Geset­zes zur Rege­lung des Urhe­ber­rechts in der Infor­ma­ti­ons­ge­sell­schaft hat mit § 13a Abs. 2 UrhWGE noch fol­gen­de Über­gangs­re­ge­lung vor­ge­se­hen 7:

"Soweit Tari­fe nicht bestehen, gel­ten die in der Anla­ge zu § 54d Abs. 1 des Urhe­ber­rechts­ge­set­zes in der bis zum Ablauf des … [ein­set­zen: Datum des Tages vor dem Inkraft­tre­ten des Zwei­ten Geset­zes zur Rege­lung des Urhe­ber­rechts in der Infor­ma­ti­ons­ge­sell­schaft nach Arti­kel 4] gel­ten­den Fas­sung bestimm­ten Sät­ze als Tari­fe."

In der Begrün­dung des Regie­rungs­ent­wurfs heißt es dazu 8:

"Mit Absatz 2 wird bestimmt, dass die in der Anla­ge zu § 54d Abs. 1 UrhG fest­ge­leg­ten Ver­gü­tungs­sät­ze als Tari­fe fort­gel­ten, solan­ge kei­ne neu­en Tari­fe durch die Ver­wer­tungs­ge­sell­schaf­ten auf­ge­stellt wer­den. Die Rege­lung ist ein wich­ti­ger Bestand­teil des Über­gangs von der staat­li­chen Regu­lie­rung hin zur Selbst­re­gu­lie­rung. Das ent­spricht dem Wunsch der betei­lig­ten Krei­se. Durch die Fik­ti­on, dass die bis­he­ri­gen gesetz­li­chen Ver­gü­tungs­sät­ze als Tari­fe gel­ten, wer­den gleich­zei­tig Ände­run­gen für die Zukunft nicht aus­ge­schlos­sen. Sie unter­lie­gen damit wie Tari­fe der Ver­wer­tungs­ge­sell­schaf­ten der Über­prü­fung durch die Schieds­stel­le und die ordent­li­chen Gerich­te."

Nach der Vor­stel­lung der Bun­des­re­gie­rung soll­ten in der Über­gangs­zeit vom Inkraft­tre­ten des Zwei­ten Geset­zes zur Rege­lung des Urhe­ber­rechts in der Infor­ma­ti­ons­ge­sell­schaft bis zum Auf­stel­len neu­er Tari­fe durch die Ver­wer­tungs­ge­sell­schaf­ten dem­nach die gesetz­li­chen Ver­gü­tungs­sät­ze als Tari­fe wei­ter­gel­ten und damit wie Tari­fe durch die Schieds­stel­le und die ordent­li­chen Gerich­te über­prüf­bar sein.

Der Bun­des­rat hat in sei­ner Stel­lung­nah­me zum Regie­rungs­ent­wurf eines § 13a Abs. 2 UrhWGE unter ande­rem vor­ge­schla­gen, die­se Vor­schrift dahin zu fas­sen, dass die gesetz­lich bestimm­ten Sät­ze nicht wie im Regie­rungs­ent­wurf vor­ge­se­hen "als Tari­fe", son­dern als "ver­ein­bar­te Sät­ze" gel­ten; sei­nen Vor­schlag hat der Bun­des­rat wie folgt begrün­det 9:

"Tari­fe wer­den von den Ver­wer­tungs­ge­sell­schaf­ten ein­sei­tig auf­ge­stellt. Die (fik­ti­ve) Fort­gel­tung der Ver­gü­tungs­sät­ze als Tari­fe birgt des­halb die Gefahr, dass in der Über­gangs­pha­se kei­ne Ver­gü­tung mehr bezahlt wird. Damit eine grö­ße­re Ver­bind­lich­keit der bis­he­ri­gen gesetz­li­chen Tari­fe für die Über­gangs­zeit erreicht wird, soll­ten des­halb die Tari­fe als "ver­ein­bar­te Ver­gü­tungs­sät­ze" fort­gel­ten."

Die gesetz­li­chen Ver­gü­tungs­sät­ze soll­ten nach Vor­stel­lung des Bun­des­ra­tes in der Über­gang­zeit dem­nach als ver­ein­bar­te Ver­gü­tungs­sät­ze wei­ter­gel­ten und damit – im Gegen­satz zu Tari­fen – einer Über­prü­fung durch die Schieds­stel­le und die ordent­li­chen Gerich­te ent­zo­gen sein.

Die Bun­des­re­gie­rung hat in ihrer Gegen­äu­ße­rung zur Stel­lung­nah­me des Bun­des­ra­tes erklärt 10:

"Die Bun­des­re­gie­rung teilt die Auf­fas­sung des Bun­des­ra­tes, dass die im Regie­rungs­ent­wurf (§ 13a Abs. 2 UrhWahrn­GE) vor­ge­schla­ge­ne Lösung zur Rege­lung des Über­gangs vom alten auf das neue Ver­gü­tungs­sys­tem zu über­prü­fen ist. Sie kennt die Sor­ge der Ver­wer­tungs­ge­sell­schaf­ten, durch die Neu­re­ge­lung könn­ten den Urhe­bern ihre der­zei­ti­gen Ein­nah­men in erheb­li­chem Umfang weg­bre­chen. Dies zu ver­mei­den ist auch das Anlie­gen der Bun­des­re­gie­rung, und sie wird hier­zu nach Anhö­rung der betei­lig­ten Krei­se einen geeig­ne­ten Vor­schlag machen."

Die schließ­lich Gesetz gewor­de­ne Über­gangs­re­ge­lung des § 27 Abs. 1 UrhWG beruht auf einer Beschluss­emp­feh­lung des Rechts­aus­schus­ses 11, die die­ser wie folgt begrün­det hat 12:

"Sei­tens der Ver­wer­tungs­ge­sell­schaf­ten bestand die Befürch­tung, dass mit dem Inkraft­tre­ten des zwei­ten Korbs die Zah­lun­gen sei­tens der Her­stel­ler ein­ge­stellt wer­den könn­ten, weil die­se gel­tend machen könn­ten, dass die bis­her gel­ten­de Ver­gü­tungs­hö­he nicht mehr den Maß­stä­ben des neu­en Geset­zes ent­spre­chen wür­de. Es bestand Einig­keit mit den betei­lig­ten Par­tei­en, mit denen auch die­se Pro­ble­ma­tik aus­führ­lich dis­ku­tiert wor­den ist, dass ein sol­ches Ein­bre­chen des Ver­gü­tungs­auf­kom­mens mit dem Inkraft­tre­ten des zwei­ten Korbs ver­mie­den wer­den muss. Zu die­sem Zweck wird in § 27 eine Über­gangs­vor­schrift vor­ge­schla­gen, die den Gedan­ken auf­greift und erwei­tert, der bereits als § 13a Abs. 2 im Gesetz­ent­wurf der Bun­des­re­gie­rung ent­hal­ten war: Danach gel­ten die Ver­gü­tungs­sät­ze nach dem bis­he­ri­gen Recht wei­ter, bis sie durch neue Ver­gü­tungs­sät­ze ersetzt wor­den sind. Dies gilt unab­hän­gig davon, auf wel­cher Grund­la­ge die bis­he­ri­gen Zah­lun­gen erfolgt sind (Fest­le­gung in Gesamt­ver­trä­gen oder in ein­sei­ti­gen Tari­fen der Ver­wer­tungs­ge­sell­schaf­ten oder in der bis­he­ri­gen gesetz­li­chen Anla­ge zu § 54d UrhG) und in wel­cher Form (Gesamt­ver­trä­ge oder Tari­fe, gege­be­nen­falls auch auf­grund gericht­li­cher Ent­schei­dung) sie ersetzt wer­den. Durch die gesetz­li­che Anord­nung der Wei­ter­gel­tung ist gewähr­leis­tet, dass die Ver­gü­tungs­zah­lun­gen nicht mit dem Hin­weis auf man­geln­de Ver­ein­bar­keit mit den neu­en gesetz­li­chen Grund­la­gen ein­ge­stellt wer­den kön­nen, son­dern in jedem Fall zunächst fort­ge­setzt wer­den. Eine gericht­li­che Über­prü­fung der Tari­fe am Maß­stab des neu­en Geset­zes ist damit jedoch nicht aus­ge­schlos­sen. Eben­so bleibt eine Kün­di­gung der bestehen­den Gesamt­ver­trä­ge nach all­ge­mei­nen Regeln mög­lich; sie gel­ten aber wei­ter, bis sie ersetzt wor­den sind, ent­we­der durch eine neue gesamt­ver­trag­li­che Ver­ein­ba­rung (die gemäß § 13 Abs. 1 Satz 2 als Tarif gilt) oder durch gericht­li­che Ent­schei­dung.

Die gesetz­li­che Wei­ter­gel­tung ist ihrer­seits nicht unbe­grenzt ange­ord­net. Sie ist begrenzt auf einen Zeit­raum von zwei Jah­ren nach Inkraft­tre­ten des neu­en Geset­zes. Dies ist ein wesent­li­ches Ele­ment für einen zügi­gen Über­gang vom alten auf das neue Ver­gü­tungs­sys­tem, der dem Wil­len des Gesetz­ge­bers ent­spricht. Damit soll den Par­tei­en ein hin­rei­chen­der Zeit­raum gege­ben wer­den, um unter den neu gestal­te­ten Vor­aus­set­zun­gen zu einer Neu­fest­le­gung der Ver­gü­tungs­hö­he zu kom­men. Ande­rer­seits soll mit dem dro­hen­den Zeit­ab­lauf Druck auf die Par­tei­en auf­ge­baut wer­den, zu einer Eini­gung zu kom­men, weil nach Ablauf des fest­ge­setz­ten Datums die Wei­ter­zah­lung der bis­he­ri­gen Ver­gü­tung nicht mehr gesetz­lich garan­tiert ist. Dadurch soll ins­be­son­de­re eine Ver­schlep­pung der Ver­hand­lun­gen durch die Par­tei, die durch den Über­gang auf das neue Ver­gü­tungs­sys­tem ten­den­zi­ell eine Ver­schlech­te­rung ihrer Posi­ti­on befürch­tet, ver­hin­dert wer­den."

Der Rechts­aus­schuss woll­te dem­nach mit § 27 Abs. 1 UrhWG zum einen den bereits im Regie­rungs­ent­wurf eines § 13a Abs. 2 UrhWGE ent­hal­te­nen Gedan­ken auf­grei­fen, dass die bis­he­ri­gen Ver­gü­tungs­sät­ze wei­ter­gel­ten, bis sie durch neue Ver­gü­tungs­sät­ze ersetzt wor­den sind. Dies soll­te gewähr­leis­ten, dass die Ver­gü­tungs­zah­lun­gen nicht mit dem Hin­weis auf man­geln­de Ver­ein­bar­keit mit den neu­en gesetz­li­chen Grund­la­gen ein­ge­stellt wer­den kön­nen. Zum ande­ren woll­te der Rechts­aus­schuss mit § 27 Abs. 1 UrhWG den bereits im Regie­rungs­ent­wurf eines § 13a Abs. 2 UrhWGE ent­hal­te­nen Gedan­ken dahin erwei­tern, dass die Ver­gü­tungs­sät­ze nach dem bis­he­ri­gen Recht unab­hän­gig von ihrer bis­he­ri­gen Grund­la­ge (Gesamt­ver­trä­ge, Tari­fe der Ver­wer­tungs­ge­sell­schaf­ten, Gesetz) wei­ter­gel­ten. Den Vor­schlag des Bun­des­rats, dass die gesetz­li­chen Ver­gü­tungs­sät­ze in der Über­gang­zeit als ver­ein­bar­te Ver­gü­tungs­sät­ze wei­ter­gel­ten und damit nicht über­prüf­bar sind, hat der Rechts­aus­schuss dage­gen nicht auf­ge­grif­fen. Viel­mehr hat er – wie schon die Bun­des­re­gie­rung – eine Wei­ter­gel­tung der Ver­gü­tungs­sät­ze als Tari­fe vor­ge­schla­gen, um damit eine gericht­li­che Über­prü­fung der Tari­fe am Maß­stab des neu­en Geset­zes zu ermög­li­chen. Der Begrün­dung der Beschluss­emp­feh­lung ist zwei­fels­frei zu ent­neh­men, dass nicht nur die von der Ver­wer­tungs­ge­sell­schaft auf­ge­stell­ten Tari­fe, son­dern auch die ver­ein­bar­ten Ver­gü­tungs­sät­ze und die gesetz­li­chen Sät­ze als Tari­fe wei­ter­gel­ten und gericht­lich über­prüf­bar sein soll­ten.

Die Revi­si­ons­er­wi­de­rung macht ohne Erfolg gel­tend, mit der im Bericht des Rechts­aus­schus­ses ange­spro­che­nen Mög­lich­keit zur gericht­li­chen Über­prü­fung der Tari­fe sei allein die Mög­lich­keit gemeint, bereits wäh­rend des Über­gangs­zeit­raums Ver­fah­ren zur Über­prü­fung der Ange­mes­sen­heit der Tari­fe ein­zu­lei­ten und durch­zu­füh­ren, um für die Zeit nach Ablauf des Über­gangs­zeit­raums den nach dem neu­en Recht ange­mes­se­nen Tarif zu bestim­men; dafür spre­che auch die For­mu­lie­rung im Bericht des Rechts­aus­schus­ses, dass (erst) "nach Ablauf des fest­ge­setz­ten Datums die Wei­ter­zah­lung der bis­he­ri­gen Ver­gü­tung nicht mehr gesetz­lich garan­tiert" sei. Das Ober­lan­des­ge­richt hat mit Recht ange­nom­men, dass ein sol­ches Ver­ständ­nis dem objek­ti­ven Erklä­rungs­in­halt der Stel­lung­nah­me des Rechts­aus­schus­ses wider­spricht. Der Begrün­dung der Beschluss­emp­feh­lung ist zu ent­neh­men, dass es mög­lich sein soll, die nach dem Inkraft­tre­ten des neu­en Geset­zes als Tari­fe wei­ter­gel­ten­den Ver­gü­tungs­sät­ze – gege­be­nen­falls auch durch gericht­li­che Ent­schei­dung – zu erset­zen. Da die Wei­ter­gel­tung der Ver­gü­tungs­sät­ze als Tari­fe bis zum Ablauf der zwei­jäh­ri­gen Über­gangs­zeit befris­tet ist, soll es danach ent­ge­gen dem Vor­brin­gen der Revi­si­ons­er­wi­de­rung mög­lich sein, den nach dem neu­en Recht ange­mes­se­nen Tarif bereits für die Über­gangs­zeit zu bestim­men.

Der Zweck der Über­gangs­re­ge­lung spricht nicht gegen die Über­prüf­bar­keit der Ange­mes­sen­heit als Tari­fe wei­ter­gel­ten­der Ver­gü­tungs­sät­ze.

Zweck der Über­gangs­re­ge­lung des § 27 Abs. 1 UrhWG ist es, ein Ein­bre­chen des Ver­gü­tungs­auf­kom­mens der Ver­wer­tungs­ge­sell­schaf­ten beim Inkraft­tre­ten des Zwei­ten Geset­zes zur Rege­lung des Urhe­ber­rechts in der Infor­ma­ti­ons­ge­sell­schaft ("Zwei­ter Korb") zu ver­hin­dern 13. Ent­ge­gen der Ansicht der Revi­si­ons­er­wi­de­rung ist die Annah­me einer gericht­li­chen Über­prüf­bar­keit der Ange­mes­sen­heit der als Tari­fe wei­ter­gel­ten­den Ver­gü­tungs­sät­ze mit die­sem Norm­zweck ver­ein­bar. Um ein Ein­bre­chen des Ver­gü­tungs­auf­kom­mens zu ver­hin­dern, ist es nicht unbe­dingt erfor­der­lich, die Wei­ter­zah­lung der bis­he­ri­gen Ver­gü­tung in unver­än­der­ter Höhe zu garan­tie­ren. Eine sol­che Garan­tie lässt sich dem Gesetz auch nicht ent­neh­men.

Mit der zeit­li­chen Befris­tung der Wei­ter­gel­tung der Ver­gü­tungs­sät­ze und dem damit dro­hen­den Zeit­ab­lauf soll fer­ner Druck auf die Par­tei­en auf­ge­baut wer­den, zu einer Eini­gung zu kom­men 14. Das Ober­lan­des­ge­richt hat mit Recht ange­nom­men, dass die­ser Norm­zweck für die Mög­lich­keit spricht, die Ange­mes­sen­heit der Tari­fe bereits für die Über­gang­zeit gericht­lich über­prü­fen zu las­sen. Ansons­ten könn­te das gesche­hen, was ver­hin­dert wer­den soll, dass näm­lich die Par­tei, die durch den Über­gang auf das neue Ver­gü­tungs­sys­tem ten­den­zi­ell eine Ver­schlech­te­rung ihrer Posi­ti­on befürch­tet, die Ver­hand­lun­gen ver­schleppt 15, um mög­lichst für den gesam­ten Über­gangs­zeit­raum in den Genuss der für sie güns­ti­gen Rege­lung zu kom­men.

Die Beklag­te trägt die Dar­le­gungs- und Beweis­last dafür trägt, dass die im Gesamt­ver­trag ver­ein­bar­ten und als Tari­fe wei­ter­gel­ten­den Ver­gü­tungs­sät­ze nach den Maß­stä­ben des neu­en Geset­zes unan­ge­mes­sen sind.

Zwar trägt grund­sätz­lich die Ver­wer­tungs­ge­sell­schaft die Dar­le­gungs- und Beweis­last für die Ange­mes­sen­heit eines von ihr auf­ge­stell­ten Tarifs 16. Im Streit­fall geht es jedoch nicht um die Ange­mes­sen­heit eines von der Klä­ge­rin ein­sei­tig auf­ge­stell­ten Tarifs, son­dern um die Ange­mes­sen­heit der von den Par­tei­en ver­trag­lich ver­ein­bar­ten Ver­gü­tungs­sät­ze, die gemäß § 27 Abs. 1 Satz 1 UrhWG als Tari­fe wei­ter­gel­ten. Dabei kommt dem Umstand, dass die Wei­ter­gel­tung der Ver­gü­tungs­sät­ze auf einer gesetz­li­chen Fik­ti­on als Tarif beruht, ent­ge­gen der Ansicht der Revi­si­on kei­ne aus­schlag­ge­ben­de Bedeu­tung für die Ver­tei­lung der Dar­le­gungs- und Beweis­last zu. Ent­schei­dend ist viel­mehr, dass die Par­tei­en durch den Abschluss des Gesamt­ver­tra­ges und die vor­be­halt­lo­se Zah­lung bzw. Ent­ge­gen­nah­me der ver­ein­bar­ten Ver­gü­tung bis zur Been­di­gung des Gesamt­ver­tra­ges zum Aus­druck gebracht haben, dass sie die Ver­gü­tungs­sät­ze als ange­mes­sen erach­ten. Dies recht­fer­tigt es, wie das Ober­lan­des­ge­richt mit Recht ange­nom­men hat, der Par­tei, die nach der Been­di­gung des Gesamt­ver­tra­ges eine Abän­de­rung der als Tari­fe wei­ter­gel­ten­den Ver­gü­tungs­sät­ze begehrt, die Dar­le­gungs- und Beweis­last dafür auf­zu­er­le­gen, dass eine Ände­rung der Sach­la­ge ein­ge­tre­ten ist, die eine sol­che Abän­de­rung recht­fer­tigt 17.

Das Ober­lan­des­ge­richt hat ohne Rechts­feh­ler ange­nom­men, die Beklag­te habe nicht hin­rei­chend dar­ge­legt, dass die im Gesamt­ver­trag ver­ein­bar­ten und als Tari­fe wei­ter­gel­ten­den Ver­gü­tungs­sät­ze nach den Maß­stä­ben des neu­en Geset­zes unan­ge­mes­sen sind.

Nach den Fest­stel­lun­gen des Ober­lan­des­ge­richts hat die Beklag­te zur Dar­le­gung der Unan­ge­mes­sen­heit der als Tarif wei­ter­gel­ten­den Ver­gü­tungs­sät­ze ledig­lich die in § 13 UrhWG und § 54a UrhG genann­ten Kri­te­ri­en zur Ver­gü­tungs­be­mes­sung zitiert und behaup­tet, die von ihr ange­setz­ten Sät­ze von 2 € für Video­re­cor­der und DVD-Recor­der und 4 € für Fest­plat­ten­re­cor­der sei­en ange­mes­sen, der geld­wer­te Vor­teil der von einem Ver­brau­cher mit­tels Video­re­cor­der oder DVD-Recor­der her­ge­stell­ten Kopie sei denk­bar gering. Das Ober­lan­des­ge­richt hat ohne Rechts­feh­ler ange­nom­men, dass die­ses pau­scha­le Vor­brin­gen nicht erken­nen lässt, inwie­weit eine Ände­rung der tat­säch­li­chen Ver­hält­nis­se ein­ge­tre­ten ist und wes­halb ein "denk­bar gerin­ger Vor­teil" gera­de Ver­gü­tungs­sät­ze von 2 € und 4 € recht­fer­ti­gen soll.

Eine Ände­rung der tat­säch­li­chen Ver­hält­nis­se ist auch nicht bereits durch das Inkraft­tre­ten des Zwei­ten Geset­zes zur Rege­lung des Urhe­ber­rechts in der Infor­ma­ti­ons­ge­sell­schaft und die damit ver­bun­de­ne Been­di­gung des Gesamt­ver­trags ein­ge­tre­ten. Allein aus dem Inkraft­tre­ten der Neu­re­ge­lung zur Bemes­sung der Gerä­te­ver­gü­tung und der Been­di­gung des Gesamt­ver­tra­ges ergibt sich nicht, ob und inwie­weit die nach der neu­en Geset­zes­la­ge für die Bestim­mung der Ver­gü­tungs­hö­he maß­geb­li­chen Umstän­de eine Abän­de­rung der im been­de­ten Gesamt­ver­trag ver­ein­bar­ten Ver­gü­tungs­ät­ze recht­fer­ti­gen.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 20. Febru­ar 2013 – I ZR 189/​11

  1. vgl. BGH, Urteil vom 11.05.1973 I ZR 145/​71, GRUR 1974, 35, 37 – Musik­au­to­mat; Urteil vom 14.10.2010 I ZR 11/​08, GRUR 2011, 61 Rn. 11 = WRP 2011, 95 – Gesamt­ver­trag Musik­ab­ruf­diens­te; OLG Mün­chen, GRUR 1990, 358, 359 f.; Rein­bo­the in Schricker/​Loewenheim, Urhe­ber­recht, 4. Aufl., § 12 UrhWG Rn. 4; Schul­ze in Dreier/​Schulze, UrhG, 3. Aufl., § 12 UrhWG Rn. 2; Ger­lach in Wandtke/​BulIinger, Urhe­ber­recht, 3. Aufl., § 12 UrhWG Rn. 3[]
  2. Zeisberg in Dreyer/​Kotthoff/​Meckel, Urhe­ber­recht, 3. Aufl., § 27 WahrnG Rn. 3; Bremer/​Lammers, K&R 2008, 145, 150; aA Schul­ze in Dreier/​Schulze aaO § 27 UrhWG Rn. 8; Ger­lach in Wandtke/​Bullinger aaO § 27 UrhWG Rn. 2; vgl. zur rück­wir­ken­den Abän­de­rung der Tari­fe Rein­bo­the in Schricker/​Loewenheim aaO § 27 UrhWG Rn. 2; Ger­lach in Wandtke/​Bullinger aaO § 27 UrhWG Rn. 4[]
  3. vgl. BGH, GRUR 1974, 35, 37 f. – Musik­au­to­mat; Urteil vom 19.05.1983 – I ZR 74/​81, BGHZ 87, 281, 284 – Tarif­über­prü­fung I[]
  4. vgl. BGH, Urteil vom 05.07.2001 I ZR 335/​98, GRUR 2002, 246, 247 = WRP 2002, 219Scan­ner; Urteil vom 06.12.2007 – I ZR 94/​05, BGHZ 174, 359 Rn. 11 – Dru­cker und Plot­ter I; vgl. aber auch BGH, Urteil vom 28.01.1999 – I ZR 208/​96, BGHZ 140, 326, 333 f. – Tele­fax­ge­rä­te[]
  5. vgl. zur Unzu­läs­sig­keit der Über­prü­fung der Ange­mes­sen­heit eines Tarifs bei ver­trag­li­cher Ver­ein­ba­rung der Ver­gü­tung BGH, Urteil vom 19.05.1983 – I ZR 74/​81, BGHZ 87, 281, 284 f. – Tarif­über­prü­fung I; Urteil vom 15.06.2000 – I ZR 231/​97, GRUR 2000, 872, 873 – Schieds­stel­len­an­ru­fung[]
  6. Rein­bo­the in Schricker/​Loewenheim aaO § 12 UrhWG Rn. 6; OLG Mün­chen, GRUR 1990, 358, 359 f.[]
  7. BT-Drucks.16/1828, S. 8[]
  8. BT-Drucks.16/1828, S. 34 f.[]
  9. BT-Drucks.16/1828, S. 45[]
  10. BT-Drucks.16/1828, S. 50[]
  11. vgl. BT-Drucks. 16/​5939, S. 16[]
  12. BT-Drucks. 16/​5939, S. 47[]
  13. vgl. Beschluss­emp­feh­lung und Bericht des Rechts­aus­schus­ses, BT-Drucks. 16/​5939 S. 47[]
  14. Beschluss­emp­feh­lung und Bericht des Rechts­aus­schus­ses, BT-Drucks. 16/​5939 S. 47[]
  15. vgl. Beschluss­emp­feh­lung und Bericht des Rechts­aus­schus­ses, BT- Drucks. 16/​5939 S. 47[]
  16. vgl. BGH, Urteil vom 22.01.1986 – I ZR 194/​83, GRUR 1986, 376, 377 f. und 379 [nicht voll­stän­dig abge­druckt in BGHZ 97, 37] – Film­mu­sik; Rein­bo­the in Schricker/​Loewenheim aaO § 11 UrhWG Rn. 6, § 13 UrhWG Rn. 12; Schul­ze in Dreier/​Schulze aaO § 11 UrhWG Rn. 13; Ger­lach in Wandtke/​Bullinger aaO § 11 UrhWG Rn. 6[]
  17. vgl. Rein­bo­the in Schricker/​Loewenheim aaO § 11 UrhWG Rn. 6; Schul­ze in Dreier/​Schulze aaO § 13 UrhWG Rn. 43[]