Die Lebens­ver­si­che­rung und die Bezugs­be­rech­ti­gung für die Todes­fall­leis­tung

Bei Ver­fü­gun­gen unter Leben­den zuguns­ten Drit­ter auf den Todes­fall ist wie das Beru­fungs­ge­richt zutref­fend gese­hen hat zwi­schen dem Deckungs­ver­hält­nis, das ist hier die der Begüns­tig­ten im Rah­men des Lebens­ver­si­che­rungs­ver­tra­ges ein­ge­räum­te Bezugs­be­rech­ti­gung für die Todes­fall­leis­tung, und dem Zuwen­dungs­ver­hält­nis (Valu­t­aver­hält­nis) zwi­schen dem ver­fü­gen­den Ver­si­che­rungs­neh­mer (hier: dem Ver­si­cher­ten) und dem Begüns­tig­ten zu unter­schei­den. Bei­de Rechts­ver­hält­nis­se unter­lie­gen sowohl hin­sicht­lich der durch sie begrün­de­ten Rechts­be­zie­hun­gen als auch mit Blick auf die Anfech­tung von Wil­lens­er­klä­run­gen dem Schuld­recht. Erbrecht­li­che Bestim­mun­gen fin­den inso­weit kei­ne Anwen­dung [1].

Die Lebens­ver­si­che­rung und die Bezugs­be­rech­ti­gung für die Todes­fall­leis­tung

Die Bezugs­be­rech­ti­gung für die Todes­fall­leis­tung ver­schafft dem Begüns­tig­ten im Ver­si­che­rungs­fall eine im Deckungs­ver­hält­nis jeden­falls inso­weit unent­zieh­ba­re Rechts­stel­lung, als die Erben des Ver­si­che­rungs­neh­mers hier des Ver­si­cher­ten die­se Bezugs­be­rech­ti­gung nicht mehr ändern oder wider­ru­fen kön­nen [2].

Nach stän­di­ger Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs, an der fest­zu­hal­ten ist, beant­wor­tet grund­sätz­lich allein das Valu­t­aver­hält­nis, für das hier nur eine Schen­kung in Betracht kommt, ob der Begüns­tig­te die Ver­si­che­rungs­leis­tung im Ver­hält­nis zu den Erben des Ver­si­cher­ten behal­ten darf [3]. Die Erklä­rung des Ver­si­cher­ten gegen­über dem Ver­si­che­rer, es wer­de der Begüns­tig­ten eine Bezugs­be­rech­ti­gung für die Todes­fall­leis­tung ein­ge­räumt, ent­hält zugleich den kon­klu­den­ten Auf­trag an den Lebens­ver­si­che­rer, ihr nach Ein­tritt des Ver­si­che­rungs­fal­les das Schen­kungs­an­ge­bot des Ver­si­cher­ten zu über­brin­gen.

Ein inso­weit mit Boten­diens­ten beauf­trag­ter Ver­si­che­rer erfüllt die­sen Auf­trag im Regel­fall durch Aus­zah­lung der Ver­si­che­rungs­sum­me an den Begüns­tig­ten, weil dar­in kon­klu­dent das Schen­kungs­an­ge­bot des Ver­stor­be­nen zum Aus­druck kommt. Die­ses Ange­bot kann der Begüns­tig­te durch Annah­me des Gel­des kon­klu­dent anneh­men [4].

Im vor­lie­gen­den Streit­fall ist ein wirk­sa­mer Schen­kungs­ver­trag zwi­schen dem Ver­si­cher­ten und der Begüns­tig­ten aller­dings nicht zustan­de gekom­men, weil die Ver­si­che­rung den jet­zi­gen Fami­li­en­na­men der Begüns­tig­ten nicht ermit­telt hat und es ihr des­halb nicht gelun­gen ist, der Begüns­tig­ten das Schen­kungs­an­ge­bot zu über­mit­teln, ehe ihr Boten­auf­trag von der Erbin wider­ru­fen wur­de.

Ob auch der vom Ver­si­cher­ten mit Benen­nung eines Bezugs­be­rech­tig­ten kon­klu­dent erteil­te Boten­auf­trag an den Ver­si­che­rer zu einem ech­ten Ver­trag zuguns­ten Drit­ter auf den Todes­fall (§ 328 BGB) [5] oder aber zu einem Ver­trag mit Schutz­wir­kung für Drit­te [6] führt, aus dem eige­ne Scha­dens­er­satz­an­sprü­che des Begüns­tig­ten gegen den Ver­si­che­rer im Fal­le der pflicht­wid­ri­gen Aus­füh­rung ent­ste­hen kön­nen [7], kann im vor­lie­gen­den Fall offen blei­ben. Eben­so wenig braucht hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­den zu wer­den, ob der Schutz­zweck eines sol­chen Ver­tra­ges gera­de auch dar­auf gerich­tet sein kann, mit der Über­mitt­lung des Schen­kungs­an­ge­bots einem Wider­ruf des Boten­auf­tra­ges durch den hier­zu berech­tig­ten Erben zuvor­zu­kom­men und mit­hin einen Scha­den beim Begüns­tig­ten zu ver­hin­dern. Schließ­lich kommt es auch nicht dar­auf an, ob bei der vom Ver­si­che­rer zu beach­ten­den Sorg­falt gene­rel­le Abwei­chun­gen von den all­ge­mei­nen Anfor­de­run­gen aus § 276 BGB in Betracht kom­men kön­nen. Denn selbst wenn man im vor­lie­gen­den Fall – der Ver­si­che­rer hat­te Ermitt­lun­gen beim Ein­woh­ner­mel­de­amt ange­stellt und von dort auch die neue Anschrift, nicht aber den neu­en Nach­na­men mit­ge­teilt erhal­ten – unter­stellt, dass ein Pflich­ten­ver­stoß des Ver­si­che­rers im Rah­men der Aus­füh­rung des Boten­auf­tra­ges Scha­dens­er­satz­an­sprü­che des Bezugs­be­rech­tig­ten begrün­den kann, schei­tern die­se hier dar­an, dass kein Pflich­ten­ver­stoß der Ver­si­che­rung vor­liegt.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 10. April 2013 – IV ZR 38/​12

  1. vgl. dazu BGH, Urteil vom 21.05.2008 – IV ZR 238/​06, r+s 2008, 384 Rn.19 m.w.N.[]
  2. BGH, Urteil vom 21.05.2008 aaO Rn.20[]
  3. BGH, Urteil vom 21.05.2008 aaO Rn.1921 m.w.N.[]
  4. BGH, Urteil vom 21.05.2008 aaO Rn. 22[]
  5. so Musche­ler, WM 1994, 921, 923[]
  6. vgl. dazu OLG Hamm NJW-RR 2009, 1409; LG Mün­chen FamRZ 2005, 134, 135; Has­se VersR 2009, 41, 44; Palandt/​Grüneberg, BGB 72. Aufl. § 328 Rn. 1320, 30a; Schnei­der in Prölss/​Martin, VVG 28. Aufl. § 159 Rn. 14[]
  7. vgl. dazu Lies­sem, BB 1989, 862, 865[]