Wo gelb drauf ist, muß Lan­gen­scheidt drin sein

Die gel­be Ver­pa­ckung und die in Gelb gehal­te­ne Wer­bung eines Unter­neh­mens, das Sprach­lern­soft­ware ver­treibt, ver­letzt die zuguns­ten der Lan­gen­scheidt-Her­aus­ge­be­rin ein­ge­tra­ge­ne Farb­mar­ke.

Wo gelb drauf ist, muß Lan­gen­scheidt drin sein

Die Klä­ge­rin des jetzt vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Falls ist Inha­be­rin der kraft Ver­kehrs­durch­set­zung ein­ge­tra­ge­nen Farb­mar­ke "Gelb" für zwei­spra­chi­ge Wör­ter­bü­cher in Print­form. Sie gestal­tet ihre gedruck­ten Wör­ter­bü­cher seit 1956 und seit 1986 auch ande­re Sprach­lern­pro­duk­te in einer gel­ben Farb­aus­stat­tung mit einem in blau­er Far­be gehal­te­nen "L". Auch die Wer­bung der Klä­ge­rin ist regel­mä­ßig ent­spre­chend auf­ge­macht.

Die Beklag­te bie­tet in Deutsch­land seit April 2010 Sprach­lern­soft­ware für 33 Spra­chen in einer gel­ben Kar­ton­ver­pa­ckung an, auf der als Kenn­zei­chen in schwar­zer Far­be eine aus ihrer Unter­neh­mens­be­zeich­nung "Roset­ta Stone" abge­lei­te­te Wort­mar­ke sowie eine blaue, als halb­run­de Ste­le aus­ge­form­te Bild­mar­ke ange­bracht sind. Sie bewirbt ihre Pro­duk­te in ihrem Inter­net­auf­tritt sowie im Fern­se­hen unter Ver­wen­dung eines gel­ben Farb­tons.

Mit der vor­lie­gen­den Kla­ge will die Klä­ge­rin der Beklag­ten ver­bie­ten las­sen, die gel­be Far­be bei der Ver­pa­ckung der Sprach­lern­soft­ware und in der Wer­bung zu ver­wen­den.

Die Beklag­te hat im Regis­ter­ver­fah­ren die Löschung der Farb­mar­ke der Klä­ge­rin bean­tragt. Die­ser Antrag ist beim Deut­schen Patent und Mar­ken­amt und beim Bun­des­pa­tent­ge­richt ohne Erfolg geblie­ben. Das Löschungs­ver­fah­ren ist der­zeit beim Bun­des­ge­richts­hof anhän­gig, aber noch nicht ent­schie­den, der Ver­hand­lungs­ter­min ist erst in einem Monat 1.

Das erst­in­stanz­lich mit dem Ver­fah­ren befass­te Land­ge­richt Köln hat der Beklag­ten ver­bo­ten, in Deutsch­land Sprach­lern­soft­ware in gel­ber Ver­pa­ckung zu ver­trei­ben und unter Ver­wen­dung der gel­ben Far­be hier­für zu wer­ben 2. Die dage­gen gerich­te­te Beru­fung der Beklag­ten hat das Ober­lan­des­ge­richt Köln zurück­ge­wie­sen 3. Der Bun­des­ge­richts­hof hat nun die­se Köl­ner Urtei­le bestä­tigt und die Revi­si­on der Beklag­ten eben­falls zurück­ge­wie­sen.

Dabei hat der Bun­des­ge­richts­hof eine Aus­set­zung des vor­lie­gen­den Ver­let­zungs­ver­fah­rens bis zur Ent­schei­dung über den Antrag der Beklag­ten, die gel­be Farb­mar­ke der Klä­ge­rin zu löschen, abge­lehnt, weil der Aus­gang des Löschungs­ver­fah­rens offen ist.

Der Bun­des­ge­richts­hof hat auch die Auf­fas­sung des Ober­lan­des­ge­richts Köln bestä­tigt, dass eine Ver­wechs­lungs­ge­fahr zwi­schen der Farb­mar­ke der Klä­ge­rin und der von der Beklag­ten ver­wen­de­ten Far­be besteht. Die Beklag­te ver­wen­det den gel­ben Farb­ton in Art einer Mar­ke. Der Ver­kehr fasst die Ver­wen­dung einer Far­be in der Wer­bung oder auf der Ware oder deren Ver­pa­ckung aller­dings im Regel­fall als Gestal­tungs­mit­tel und nur aus­nahms­wei­se als Mar­ke auf. Auf dem inlän­di­schen Markt der zwei­spra­chi­gen Wör­ter­bü­cher prä­gen jedoch Far­ben die Kenn­zeich­nungs­ge­wohn­hei­ten. Dies strahlt auf den Markt benach­bar­ter Pro­duk­te aus, zu denen die Sprach­lern­soft­ware der Beklag­ten gehört, so dass das Publi­kum auch in die­sem Pro­dukt­be­reich die von der Beklag­ten groß­flä­chig und durch­gän­gig ver­wen­de­te Far­be "Gelb" als Pro­dukt­kenn­zei­chen ver­steht.

Die gel­be Farb­mar­ke der Klä­ge­rin, die auf­grund lang­jäh­ri­ger Ver­wen­dung kraft Ver­kehrs­durch­set­zung ein­ge­tra­gen ist, ver­fügt über durch­schnitt­li­che Kenn­zeich­nungs­kraft. Die von den Par­tei­en ver­trie­be­nen Pro­duk­te – Wör­ter­bü­cher und Sprach­lern­soft­ware – und die von ihnen ver­wen­de­ten Gelb­tö­ne sind hoch­gra­dig ähn­lich. Obwohl die Beklag­te auch ihre Wort­mar­ke und ihr blau­es Logo auf ihren Ver­pa­ckun­gen und in der Wer­bung ver­wen­det, sieht der Ver­kehr in der gel­ben Far­be ein eigen­stän­di­ges Kenn­zei­chen. Für die Fra­ge der Zei­chen­ähn­lich­keit ist des­halb iso­liert auf den gel­ben Farb­ton abzu­stel­len. Bei hoch­gra­di­ger Waren und Zei­chen­ähn­lich­keit und durch­schnitt­li­cher Kenn­zeich­nungs­kraft der Kla­ge­mar­ke sind die Vor­aus­set­zun­gen der mar­ken­recht­li­chen Ver­wechs­lungs­ge­fahr erfüllt.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 18. Sep­tem­ber 2014 – I ZR 228/​12

  1. BGH- I ZB 61/​13[]
  2. LG Köln, Urteil vom 19.01.2012 – 31 O 352/​11[]
  3. OLG Köln, Urteil vom 09.11.2012 – 6 U 38/​12GRUR-RR 2013, 213[]