Anfor­de­run­gen an eine Anhö­rungs­rü­ge

Eine Anhö­rungs­rü­ge muss Aus­füh­run­gen dazu ent­hal­ten, aus wel­chen Umstän­den sich die ent­schei­dungs­er­heb­li­che Ver­let­zung des Anspruchs auf recht­li­ches Gehör durch das Gericht erge­ben soll.

Anfor­de­run­gen an eine Anhö­rungs­rü­ge

Wen­det sich die Anhö­rungs­rü­ge gegen die Zurück­wei­sung einer Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de, bedarf es dazu Aus­füh­run­gen in Bezug auf die Ent­schei­dung über die Nicht­zu­las­sung der Revi­si­on [1].

Die Anhö­rungs­rü­ge ist inso­weit nur zuläs­sig, wenn durch die Ent­schei­dung der Nicht­zu­las­sung der Revi­si­on das Ver­fah­rens­grund­recht auf recht­li­ches Gehör neu und eigen­stän­dig durch den Bun­des­ge­richts­hof ver­letzt wor­den ist [2].

Eine Anhö­rungs­rü­ge muss sich damit aus­ein­an­der­set­zen und in die­sem Zusam­men­hang die Ver­let­zung des Art. 103 Abs. 1 GG dar­le­gen. Hier­für ist eine schlich­te Behaup­tung einer Gehörsver­let­zung nicht aus­rei­chend, son­dern viel­mehr erfor­der­lich, dass die Umstän­de vor­ge­tra­gen wer­den, aus denen sich ergibt, dass der Bun­des­ge­richts­hof bei sei­ner Ent­schei­dung das Vor­brin­gen des Beschwer­de­füh­rers über­gan­gen haben muss [3].

Soweit der Klä­ger mit der Anhö­rungs­rü­ge sei­nen Vor­trag aus der Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de wie­der­holt, kann die Anhö­rungs­rü­ge damit nicht begrün­det wer­den, weil damit kei­ne neue und eigen­stän­di­ge Ver­let­zung des Art. 103 Abs. 1 GG durch das Rechts­mit­tel­ge­richt gerügt wird. Glei­ches gilt, soweit die Anhö­rungs­rü­ge gel­tend gemacht hat, es müs­se des­halb von einer eigen­stän­di­gen Ver­let­zung des Art. 103 Abs. 1 GG aus­ge­gan­gen wer­den, weil die mit der Beschwer­de­er­wi­de­rung gel­tend gemach­ten Umstän­de nicht geeig­net sei­en, die vom Klä­ger vor­ge­brach­ten Zulas­sungs­grün­de zu ent­kräf­ten. Die Par­tei hat kei­nen Anspruch dar­auf, dass das Gericht sich in dem von ihr für rich­tig erach­te­ten Sinn mit ihrem Vor­brin­gen befasst [4].

Eine neue und eigen­stän­di­ge Gehörsver­let­zung kann auch nicht damit begrün­det wer­den, dass das Gericht von der vom Gesetz­ge­ber in ver­fas­sungs­recht­lich unbe­denk­li­cher Wei­se vor­ge­se­he­nen Begrün­dungs­er­leich­te­rung (hier: gemäß § 544 Abs. 4 Satz 2 Halb­satz 2 ZPO) Gebrauch gemacht hat [5].

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 17. Dezem­ber 2015 – I ZR 256/​14

  1. BGH, Beschluss vom 19.03.2009 – V ZR 142/​08, NJW 2009, 1609 Rn. 4[]
  2. BVerfGE 107, 395, 410; BVerfG, NJW 2008, 2126, 2127; NJW 2008, 2635, 2636; NJW 2011, 1497; BGH, Beschluss vom 15.08.2013 – I ZR 119/​12 2[]
  3. vgl. BGH, NJW 2009, 1609 Rn. 6 ff. mwN; BGH, Beschluss vom 15.08.2013 – I ZR 119/​12 2[]
  4. vgl. BGH, Beschluss vom 07.07.2011 – I ZB 68/​10, GRUR 2012, 314 Rn. 12 – Medicus.log[]
  5. vgl. im Ein­zel­nen BGH, NJW 2009, 1609 Rn. 6; BGH, Beschluss vom 15.08.2013 – I ZR 119/​12 6 ff.[]