Anord­nung des per­sön­li­chen Erschei­nens – wenn nur ein Ver­tre­ter erscheint

Ein Ver­tre­ter ent­spricht nicht den Anfor­de­run­gen des § 141 Abs. 3 S. 2 ZPO, wenn bei Fra­gen des Ge-richts zu unmit­tel­ba­ren Wahr­neh­mun­gen der Par­tei ein zum Ter­min ent­sand­ter Ver­tre­ter kei­ne eige­nen Wahr­neh­mun­gen wie­der­ge­ben kann. Ein Ver­tre­ter, der nur erläu­tern kann, was ihm die Par­tei berich­tet hat, ist in Fäl­len, in denen es – wie meist – auf den detail­lier­ten Gegen­stand und Inhalt bei strit­ti­gen Be-spre­chun­gen und Ver­hand­lun­gen ankommt, von vorn­her­ein unge­eig­net, weil er dem Gericht nicht den erfor­der­li­chen per­sön­li­chen Ein­druck ver­mit­teln kann [1].

Anord­nung des per­sön­li­chen Erschei­nens – wenn nur ein Ver­tre­ter erscheint

Die Par­tei trägt das Risi­ko für den Fall, dass sich der Ver­tre­ter, ins­be­son­de­re der Pro­zess­be­voll­mäch­tig­te, als nicht genü­gend unter­rich­tet erweist und die Par­tei als unent­schul­digt aus­ge­blie­ben gilt mit der Fol­ge eines Ord­nungs­gel­des gem. § 141 Abs. 3 S. 1 ZPO [2].

Für eine Ermes­sens­ent­schei­dung für eine Ord­nungs­geld­fest­set­zung reicht es regel­mä­ßig aus, dass eine Erschwe­rung der Sach­ver­halts­fest­stel­lun­gen durch das Aus­blei­ben der Par­tei jeden­falls in Betracht kommt.

Das Gericht muss im Rah­men von § 141 Abs. 3 S. 1 ZPO nicht die Erschwe­rung bestimm­ter Sach­ver­halts­fest­stel­lun­gen kon­kret fest­stel­len. Nur dann, wenn umge­kehrt eine Erschwe­rung von Sach­ver­halts­fest­stel­lun­gen durch das Aus­blei­ben der Par­tei nach den Umstän­den aus­ge­schlos­sen erscheint, kann dies der Fest­set­zung eines Ord­nungs­gel­des aus­nahms­wei­se ent­ge­gen­ste­hen [3].

Ober­lan­des­ge­richt Stutt­gart, Beschluss vom 1. August 2013 – 7 W 43/​13

  1. im Anschluss an OLG Karls­ru­he, MDR 2012, 1062[]
  2. OLG Stutt­gart, MDR 2009, 1301 f.[]
  3. im Anschluss an BGH MDR 2007, 1090; OLG Karls­ru­he, MDR 2012, 1062[]