Beweiswürdigung im Zivilprozess – und ihre Überprüfung durch das Revisionsgericht

16. April 2018 | Zivilrecht
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Grundsätzlich ist die Würdigung, ob eine tatsächliche Behauptung für wahr oder für nicht wahr zu erachten ist, Sache des Tatrichters, der nach § 286 ZPO unter Berücksichtigung des gesamten Inhalts der Verhandlungen und des Ergebnisses einer Beweisaufnahme nach freier Überzeugung zu entscheiden hat.

Der Tatrichter ist bei einem auf Indizien gestützten Beweis grundsätzlich frei, welche Beweiskraft er den Indizien im Einzelnen und in einer Gesamtschau für seine Überzeugungsbildung beimisst1.

Das Revisionsgericht ist an seine Feststellungen nach § 559 ZPO gebunden und überprüft die Beweiswürdigung lediglich dahin, ob sich der Tatrichter entsprechend dem Gebot des § 286 Abs. 1 ZPO mit dem Prozessstoff und den Beweisergebnissen umfassend und widerspruchsfrei auseinandergesetzt hat, die Beweiswürdigung also vollständig und rechtlich möglich ist und nicht gegen Denkgesetze oder Erfahrungssätze verstößt2.

Allerdings kann das Revisionsgericht uneingeschränkt überprüfen, ob ein Verhalten als sittenwidrig anzusehen ist und das Berufungsgericht die Gesamtumstände des Falls insoweit in erforderlichem Umfang gewürdigt hat3.

Bundesgerichtshof, Urteil vom 18. Januar 2018 – I ZR 150/15

  1. vgl. BGH, NJW 2004, 3423, 3424 mwN; BGH, Urteil vom 11.06.2015 – I ZR 19/14, GRUR 2016, 176 Rn.19 = WRP 2016, 57Tauschbörse I
  2. vgl. BGH, GRUR 2016, 176 Rn. 32 – Tauschbörse I, mwN; Urteil vom 27.07.2017 – I ZR 68/16, GRUR-RR 2017, 484 Rn.20 = WRP 2017, 1222
  3. vgl. BGH, Urteil vom 25.03.2003 – VI ZR 175/02, BGHZ 154, 269, 274 f.; BGH, NJW 2004, 3423, 3425 mwN

 
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