Das Auto bei Ebay für 7,10 Euro

Ein bei Ebay ein­ge­stell­tes Ange­bot steht unter dem Vor­be­halt, dass kein Wider­ruf­grund nach den Ebay-Bedin­gun­gen gege­ben ist. Ein Feh­ler bei der Anga­be des Min­dest­prei­ses kann ein Wider­ruf­grund sein, so dass der Anbie­ter sein Ange­bot zurück­zie­hen und damit wirk­sam wider­ru­fen kann.

Das Auto bei Ebay für 7,10 Euro

Mit die­ser Begrün­dung hat das Ober­lan­des­ge­richt Hamm in dem hier vor­lie­gen­den Fall den Abschluss eines Kauf­ver­trags über ein Fahr­zeug ver­neint und die Kla­ge­ab­wei­sung durch das Land­ge­richt Pader­born bestä­tigt. Der voll­jäh­ri­ge Sohn des Beklag­ten aus Stein­heim hat­te auf Ebay-Account sei­nes Vaters einen Audi A4 2.0 TDI ohne Anga­be eines Min­dest­prei­ses ange­bo­ten. Kurz nach dem Ein­stel­len brach er die Auk­ti­on ab und stell­te den Wagen erneut, dies­mal mit der Anga­be eines Min­dest­prei­ses ein. Zum Zeit­punkt des Abbruchs war eine Gesell­schaft bür­ger­li­chen Rechts aus Oster­ho­fen mit einem Gebot von 7,10 Euro Höchst­bie­ten­de. Nach der Über­nah­me des Geschäfts­be­triebs die­ser Gesell­schaft hat der Klä­ger aus Pas­sau vom Beklag­ten die Her­aus­ga­be des PKW für 7,10 Euro ver­langt und die Ansicht ver­tre­ten, es sei ein Kauf­ver­trag zustan­de gekom­men, der den Beklag­ten ver­pflich­te, den PKW für die­sen Preis abzu­ge­ben.

In sei­ner Urteils­be­grün­dung hat das Ober­lan­des­ge­richt Hamm dar­auf abge­stellt, dass ein bei Ebay ein­ge­stell­tes Ange­bot unter dem Vor­be­halt ste­he, dass kein Wider­ruf­grund nach den Ebay-Bedin­gun­gen gege­ben sei. Ein Wider­ruf­grund lie­ge u.a. dann vor, wenn dem Anbie­ter beim Ein­stel­len des Ange­bots ein Feh­ler unter­lau­fen sei. Das kön­ne auch ein Feh­ler bei der Anga­be des Min­dest­prei­ses sein. Im Fal­le eines Wider­ruf­grun­des kön­ne der Anbie­ter sein Ange­bot zurück­zie­hen und damit wirk­sam wider­ru­fen. Dar­auf, ob es nach den gesetz­li­chen Bestim­mun­gen auch anfecht­bar sei, kom­me es dabei nicht an.

Im vor­lie­gen­den Fall ste­he fest, dass dem Sohn des Beklag­ten beim ers­ten Ange­bot ein Feh­ler bei der Ein­ga­be des Min­dest­prei­ses unter­lau­fen sei. Dabei sei es uner­heb­lich, ob der Sohn den Min­dest­preis feh­ler­haft ein­ge­ge­ben oder ob das Sys­tem einen an sich rich­tig ein­ge­ge­be­nen Min­dest­preis feh­ler­haft nicht akzep­tiert habe. In bei­den Fäl­len lie­ge ein zum Wider­ruf berech­ti­gen­der Feh­ler vor. Einen sol­chen gebe es zwar nicht, wenn es den Beklag­ten nach der Ein­stel­lung des ers­ten Ange­bo­tes ledig­lich gereut hät­te, kei­nen Min­dest­preis ein­ge­ge­ben zu haben. Letz­te­res tref­fe auf den zu beur­tei­len­den Fall aber nicht zu.

Nach Auf­fas­sung des Ober­lan­des­ge­richts Hamm sei bereits kein Kauf­ver­trag abge­schlos­sen wor­den. Das ers­te Ebay-Ange­bot des Beklag­ten sei wirk­sam zurück­ge­zo­gen wor­den.

Ober­lan­des­ge­richt Hamm, Urteil vom 4. Novem­ber 2013 – 2 U 94/​13