Der Beschluss der Eigen­tü­mer­ver­samm­lung – und sei­ne Durch­füh­rung

Ein Woh­nungs­ei­gen­tü­mer hat grund­sätz­lich kei­nen Anspruch dar­auf, dass die Aus­füh­rung eines bestands­kräf­ti­gen Beschlus­ses unter­bleibt; etwas anders gilt nur dann, wenn schwer­wie­gen­de Grün­de – etwa bei einer erheb­li­chen Ände­rung der tat­säch­li­chen Ver­hält­nis­se – die Durch­füh­rung der bestands­kräf­tig beschlos­se­nen Maß­nah­me als treu­wid­rig (§ 242 BGB) erschei­nen las­sen.

Der Beschluss der Eigen­tü­mer­ver­samm­lung – und sei­ne Durch­füh­rung

Dass ein Woh­nungs­ei­gen­tü­mer inso­weit effek­ti­ven Rechts­schutz grund­sätz­lich nur inner­halb der Aus­schluss­fris­ten nach § 46 Abs. 1 Satz 2 WEG errei­chen kann, ist ver­fas­sungs­recht­lich unbe­denk­lich. Die den zeit­na­hen Ein­tritt der Bestands­kraft anfecht­ba­rer Beschlüs­se sichern­de Rege­lung ist Aus­druck des legi­ti­men gesetz­ge­be­ri­schen Anlie­gens, über die Her­stel­lung von Rechts­si­cher­heit und Rechts­klar­heit zu gewähr­leis­ten, dass für die Woh­nungs­ei­gen­tü­mer und für den zur Aus­füh­rung von Beschlüs­sen beru­fe­nen Ver­wal­ter zumin­dest im Hin­blick auf Anfech­tungs­grün­de als­bald Klar­heit dar­über her­ge­stellt wird, ob, in wel­chem Umfang und auf­grund wel­cher tat­säch­li­chen Grund­la­ge gefass­te Beschlüs­se einer gericht­li­chen Über­prü­fung unter­zo­gen wer­den 1.

Ein Woh­nungs­ei­gen­tü­mer hat grund­sätz­lich kei­nen Anspruch dar­auf, dass die Aus­füh­rung eines bestands­kräf­ti­gen Beschlus­ses unter­bleibt, weil die Ver­wal­tung des gemein­schaft­li­chen Eigen­tums vor­ran­gig den Beschlüs­sen der Woh­nungs­ei­gen­tü­mer ent­spre­chen muss (§ 21 Abs. 4 WEG); ein bestands­kräf­ti­ger Beschluss schließt zumin­dest den Ein­wand aus, die Beschluss­fas­sung habe nicht ord­nungs­ge­mä­ßer Ver­wal­tung ent­spro­chen ((BGH, Urteil vom 13.05.2011 – V ZR 202/​10, NJW 2011, 2660, 2661 Rn. 16; Urteil vom 03.02.2012 – V ZR 83/​11, WuM 2012, 399, 400).

Etwas anders gilt aller­dings dann, wenn schwer­wie­gen­de Grün­de etwa bei einer erheb­li­chen Ände­rung der tat­säch­li­chen Ver­hält­nis­se – die Durch­füh­rung der bestands­kräf­tig beschlos­se­nen Maß­nah­me als treu­wid­rig (§ 242 BGB) erschei­nen las­sen ((zum Gan­zen Mer­le in Bär­mann, aaO, § 21 Rn. 54 mwN; vgl. auch BGH, Urteil vom 03.02.2012, aaO).

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 28. Sep­tem­ber 2012 – V ZR 251/​11

  1. vgl. BGH, Urteil vom 16.01.2009 – V ZR 74/​08, BGHZ 179, 230, 237 Rn.20; Urteil vom 02.10.2009 – V ZR 235/​08, BGHZ 182, 307, 312 Rn. 14[]