Kari­bik­rei­se mit Män­geln

Fehlt es an einem erheb­li­chen Man­gel, ist der Ver­an­stal­ter einer Rei­se nicht für die Kos­ten der Selbst­ab­hil­fe durch den Umzug in eine ande­re Anla­ge ersatz­pflich­tig.

Kari­bik­rei­se mit Män­geln

Mit die­ser Begrün­dung hat das Amts­ge­richt Mün­chen in dem hier vor­lie­gen­den Fall die Kla­ge auf Erstat­tung wei­te­rer 3781,84 Euro abge­wie­sen. Die Klä­ge­rin buch­te für sich, ihren Mann und ihren 17jährigen Sohn bei der Beklag­ten eine Pau­schal­rei­se in die Domi­ni­ka­ni­sche Repu­blik vom 26.10.2016 – 09.11.2016 zu einem Gesamt­rei­se­preis von 3.786,00 Euro. Die Unter­brin­gung erfolg­te in einer Drei-Ster­ne-Anla­ge mit All-Inclu­si­ve-Ver­pfle­gung.

Die Rei­sen­den rüg­ten umge­hend, dass u.a. der Schrank weder Klei­der­stan­ge noch Türen hat­te. Die Gar­di­ne hing her­un­ter, war an zwei Ösen befes­tigt. Die Bade­wan­ne und ‑arma­tu­ren waren ver­kalkt und ver­ros­tet. Die Toi­let­te war nicht gerei­nigt, die Toi­let­ten­spü­lung funk­tio­nier­te nicht. Der Was­ser­kas­ten war innen schwarz. Auf der Abla­ge im Bad waren fünf klei­ne tote Flie­gen oder Käfer. Der Spie­gel am Wasch­be­cken hat­te Was­ser­fle­cken. Auf dem Boden des Bal­kons befan­den sich Zemen­tres­te. Vom Bal­kon aus sah man auf Ven­ti­la­to­ren und Gene­ra­to­ren. Dar­über hin­aus behaup­ten sie, dass die Kli­ma­an­la­ge nachts so laut gewe­sen sei, dass sie aus­ge­stellt wer­den muss­te. Der Geräusch­pe­gel sei mit einem lau­fen­den Mixer zu ver­glei­chen. Sie habe schwar­ze Schmutz­ab­la­ge­run­gen gehabt. Von dem äuße­ren Teil der Kli­ma­an­la­ge habe ein strom­füh­ren­des Kabel vom Bal­kon her­un­ter­ge­führt. Vom Bal­kon aus habe man Bau­tä­tig­kei­ten gese­hen, die unmit­tel­bar unter dem Bal­kon statt­ge­fun­den hät­ten. Es sei gehäm­mert und gesägt wor­den. Die Arbei­ten hät­ten gegen 11/​12 Uhr begon­nen und bis ca. 18/​19 Uhr gedau­ert. Der Lärm sei so stö­rend gewe­sen, dass man sich nicht auf dem Bal­kon habe auf­hal­ten kön­nen.

Als die Rei­sen­den am zwei­ten Tag erfolg­los ein Umzugs­an­ge­bot gefor­dert hat­ten, buch­ten sie mit­hil­fe eines in Deutsch­land ver­blie­be­nen Fami­li­en­mit­glieds Zim­mer in einer ande­ren Vier-Ster­ne-Hotel­an­la­ge gegen Zah­lung wei­te­rer 1827,84 Euro.

Die Beklag­te ist der Auf­fas­sung, dass Schrän­ke in der Kari­bik übli­cher­wei­se zur Ver­mei­dung von Feuch­tig­keit und Schim­mel­bil­dung nicht mit Schrank­tü­ren ver­se­hen sei­en. Kli­ma­an­la­gen sei­en auf­grund der Pro­duk­t­ei­gen­schaft nicht geräusch­los. In Ganz­jah­res­fe­ri­en­ge­bie­ten sei­en ein­zel­ne Instand­hal­tungs­ar­bei­ten wäh­rend des Hotel­be­triebs hin­zu­neh­men. Auf einen Umzug habe man­gels erheb­li­cher Rei­se­män­gel kein Anspruch bestan­den.

In sei­ner Urteils­be­grün­dung hat das Amts­ge­richt Mün­chen aus­ge­führt, dass die Toi­let­te am 2.Tag repa­riert wur­de, so dass ein Rei­se­preis­min­de­rungs­an­spruch nur für zwei Tage besteht, den das Gericht in Anbe­tracht der mit einer nicht funk­tio­nie­ren­den Toi­let­te ein­her­ge­hen­den Beein­träch­ti­gung auf 10% des Tages­rei­se­prei­ses (252,40 Euro) für zwei betrof­fe­ne Tage ansetzt (= 50,48 Euro).

Ein Schrank mit Türen und Klei­der­stan­ge war aus­weis­lich der Leis­tungs­be­schrei­bung nicht ver­ein­bart. Die Funk­ti­on des Schran­kes für die Klei­der­auf­be­wah­rung wird auch durch eine offe­ne Abla­ge erfüllt.

Der innen nicht gerei­nig­te Was­ser­kas­ten der Toi­let­te ist kein Rei­se­man­gel, da nicht ersicht­lich ist inwie­fern dies ‑bei einer im Übri­gen funk­tio­nie­ren­den Toi­let­te – die Rei­se beein­träch­ti­gen soll­te. Kalk­ab­la­ge­run­gen und Was­ser­fle­cken am Spie­gel sind nach Auf­fas­sung des Gerichts kein Schmutz, der die Hygie­ne in irgend­ei­ner Art und Wei­se beein­träch­ti­gen könn­te. Kalk­fle­cken las­sen sich bei kalk­hal­ti­gem Was­ser nicht ver­mei­den.

Selbst wenn sie und die fünf klei­nen Käfer oder Flie­gen, die im Bad vor­ge­fun­den wur­den, Aus­druck einer unzu­rei­chen­den Rei­ni­gung sein soll­ten, recht­fer­ti­gen die­se unter Wür­di­gung der Gesamt­um­stän­de, ins­be­son­de­re der ört­li­chen feuch­ten Gege­ben­hei­ten in der Kari­bik, in der Insek­ten häu­fi­ger vor­kom­men als in euro­päi­schen Brei­ten­gra­den, kei­ne über 2% hin­aus­ge­hen­de Rei­se­preis­min­de­rung vom Gesamt­preis.

Auch wenn der Blick vom Bal­kon, nicht schön ist, war ein bestimm­ter Blick aus dem Zim­mer aus­weis­lich der Buchungs­be­stä­ti­gung nicht geschul­det. Zemen­tres­te auf einem Bal­kon­bo­den sind kein Rei­se­man­gel. Inwie­fern die Klä­ge­rin durch das Strom­ka­bel auf dem Bal­kon die Gefahr eines Strom­schla­ges aus­ge­setzt gewe­sen sein soll­te, ist nicht erkenn­bar. Die Kabel waren umman­telt und lie­fen an der Mau­er bzw. Decke ent­lang.

Einen erheb­li­chen Man­gel, der dann die Beklag­te für die Kos­ten der Selbst­ab­hil­fe durch den Umzug in eine ande­re Anla­ge ersatz­pflich­tig gemacht hät­te, konn­te das Amts­ge­richt Mün­chen nicht erken­nen.

Amts­ge­richt Mün­chen, Urteil vom 7. Novem­ber 2017 – 172 C 15107/​17