Kün­di­gung eines Haus­bau­ver­trags

Ein Bau­herr muss unter Umstän­den auch dann zah­len, wenn er den Haus­bau­ver­trag kün­digt. Ent­hält der Ver­trag für den Fall der Kün­di­gung eine Ver­gü­tungs­pau­scha­le von 15%, so ist dies nach einer aktu­el­len Ent­schei­dung des Ober­lan­des­ge­richts Koblenz auch dann wirk­sam, wenn sich die Ver­ein­ba­rung die­ser Pau­scha­le in einem For­mu­lar­ver­trag fin­det. Der Anbie­ter eines Aus­bau­hau­ses kann mit­hin in sei­nen All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen für den Fall der Kün­di­gung durch den Kun­den eine Ver­gü­tungs­pau­scha­le in Höhe von 15% des Bau­prei­ses für sei­ne ent­stan­de­nen Auf­wen­dun­gen und ent­gan­ge­nen Gewinn fest­le­gen.

Kün­di­gung eines Haus­bau­ver­trags

In dem jetzt vom OLG Koblenz ent­schie­de­nen Rechts­streit schloss die Klä­ge­rin, ein Unter­neh­men aus dem Huns­rück, im August 2007 mit den Beklag­ten aus dem Raum Daun einen Ver­trag über die Lie­fe­rung und Errich­tung eines Aus­bau­hau­ses, Typ „Som­mer­hit”, zum Preis von 93.529 €. Den beklag­ten Bau­her­ren wur­de ein Rück­tritts­recht für den Fall ein­ge­räumt, dass die Finan­zie­rung ihres Bau­vor­ha­bens schei­tern soll­te. § 8 Zif­fer 1 des for­mu­lar­mä­ßi­gen Haus­ver­tra­ges legt fest, dass die Unter­neh­me­rin bei Kün­di­gung durch den Bau­herrn einen Pau­schal­be­trag von 15% des Gesamt­prei­ses als Ersatz für ihre Auf­wen­dun­gen und ihren ent­gan­ge­nen Gewinn (§ 649 BGB) ver­lan­gen kann, sofern nicht der Bau­herr nach­weist, dass der Betrag, der der Unter­neh­me­rin hier­nach zusteht, wesent­lich nied­ri­ger als die Pau­scha­le von 15% ist.

Die Beklag­ten erklär­ten vor Bau­be­ginn den Rück­tritt vom Ver­trag und lie­ßen ihr Haus durch einen ande­ren Unter­neh­mer errich­ten. Die Klä­ge­rin hat die Beklag­ten dar­auf­hin auf Zah­lung der ver­trag­li­chen Ver­gü­tungs­pau­scha­le von 15% des Bau­prei­ses – 14.029,35 € – nebst Zin­sen und Anwalts­kos­ten in Anspruch genom­men. Das erst­in­stanz­lich mit dem Rechts­streit befass­te Land­ge­richt Trier hat der Kla­ge des Bau­un­ter­neh­mers statt­ge­ge­ben. Das Ober­lan­des­ge­richt Koblenz hat die hier­ge­gen gerich­te­te Beru­fung der Beklag­ten zurück­ge­wie­sen.

Der Rück­tritt der Beklag­ten sei unwirk­sam, so das Ober­lan­des­ge­richt Koblenz, weil die Vor­aus­set­zun­gen des im Bau­ver­trag ver­ein­bar­ten Rück­tritts­rechts nicht vor­ge­le­gen hät­ten. Die Rück­tritts­er­klä­rung sei jedoch als Kün­di­gung des Bau­ver­trags zu wer­ten. Die Kün­di­gung berech­ti­ge die Klä­ge­rin, nach § 649 BGB in Ver­bin­dung mit § 8 Zif­fer 1 des Ver­tra­ges eine pau­scha­lier­te Ver­gü­tung zu ver­lan­gen. Die­se for­mu­lar­ver­trag­li­che Klau­sel ver­sto­ße nicht gegen Vor­schrif­ten zum Schut­ze des Ver­trags­part­ners nach den §§ 307 ff. BGB.Zwar feh­le in der Klau­sel, wie von dem ent­spre­chend anwend­ba­ren § 309 Nr. 5 b BGB vor­aus­ge­setzt, der aus­drück­li­che Hin­weis, dass dem Bau­herrn der Nach­weis gestat­tet sei, ein Scha­den bzw. Anspruch im Sin­ne von § 649 BGB sei über­haupt nicht ent­stan­den. Dies begrün­de jedoch nicht die Unwirk­sam­keit der Klau­sel, weil der schrift­li­che Hin­weis auf die Mög­lich­keit des Nach­wei­ses eines gerin­ge­ren als des pau­scha­lier­ten Scha­dens auch den Nach­weis ermög­li­che, dass gar kein Scha­den ent­stan­den sei. Ein „gerin­ge­rer Scha­den” sei auch ein sol­cher von „Null”.

Die ver­wen­de­te Pau­scha­lie­rungs­klau­sel gewäh­re der Klä­ge­rin auch kei­ne unan­ge­mes­sen hohe Ver­gü­tung (§ 308 Nr. 7 BGB). Bei der gebo­te­nen typi­sie­ren­den Betrach­tungs­wei­se wei­che die Pau­scha­le von 15 % des Gesamt­prei­ses nicht unan­ge­mes­sen von dem ab, was die Klä­ge­rin als Unter­neh­me­rin in Anwen­dung des gesetz­li­chen Ver­gü­tungs­an­spruchs nach § 649 BGB bei Kün­di­gung durch den Bau­herrn bean­spru­chen kön­ne. Bei einer Abrech­nung nach § 649 BGB sei neben den vom Unter­neh­mer bereits geleis­te­ten ver­trags­be­zo­ge­nen Per­so­nal- und Sach­kos­ten auch des­sen kal­ku­lier­ter Gewinn zu erstat­ten. Die Pau­scha­lie­rung die­ser Kos­ten mit 15% sei – in Über­ein­stim­mung mit der Recht­spre­chung ande­rer Ober­lan­des­ge­rich­te – ange­mes­sen.

Ober­lan­des­ge­richt Koblenz, Urteil vom 27. August 2010 – 8 U 1030/​09