Lei­der ver­wech­selt – der fal­sche Beklag­te?

Zur Aus­le­gung, wer Beklag­te eines Rechts­streits ist, hat sich jetzt der Bun­des­ge­richts­hof für den Fall geäu­ßert, dass als Beklag­te eine exis­tie­ren­de juris­ti­sche Per­son for­mal kor­rekt bezeich­net wor­den ist, der Klä­ger aber gel­tend macht, tat­säch­lich habe er eine ande­re, eben­falls exis­tie­ren­de juris­ti­sche Per­son ähn­li­chen Namens mit glei­cher Anschrift in Anspruch neh­men wol­len.

Lei­der ver­wech­selt – der fal­sche Beklag­te?

Wer Par­tei eines Zivil­rechts­streits ist, ergibt sich aus der in der Kla­ge­schrift gewähl­ten Par­tei­be­zeich­nung, die nach der Recht­spre­chung als Teil einer Pro­zess­hand­lung grund­sätz­lich der Aus­le­gung zugäng­lich ist. Maß­ge­bend ist, wel­cher Sinn die­ser pro­zes­sua­len Erklä­rung bei objek­ti­ver Wür­di­gung des Erklä­rungs­in­halts aus der Sicht der Emp­fän­ger bei­zu­le­gen ist.

Des­halb ist bei objek­tiv unrich­ti­ger oder mehr­deu­ti­ger Bezeich­nung grund­sätz­lich die­je­ni­ge Per­son als Par­tei anzu­se­hen, die erkenn­bar durch die feh­ler­haf­te Par­tei­be­zeich­nung betrof­fen wer­den soll. Für die Ermitt­lung der Par­tei­en durch Aus­le­gung ihrer Bezeich­nung sind nicht nur die im Rubrum der Kla­ge­schrift ent­hal­te­nen Anga­ben, son­dern auch der gesam­te Inhalt der Kla­ge­schrift ein­schließ­lich etwai­ger bei­gefüg­ter Anla­gen zu berück­sich­ti­gen. Dabei gilt der Grund­satz, dass die Kla­ge­er­he­bung gegen die in Wahr­heit gemein­te Par­tei nicht an deren feh­ler­haf­ter Bezeich­nung schei­tern darf, wenn die­se Män­gel in Anbe­tracht der jewei­li­gen Umstän­de letzt­lich kei­ne ver­nünf­ti­gen Zwei­fel an dem wirk­lich Gewoll­ten auf­kom­men las­sen.

Er greift auch dann, wenn statt der rich­ti­gen Bezeich­nung irr­tüm­lich die Bezeich­nung einer tat­säch­lich exis­tie­ren­den (juris­ti­schen oder natür­li­chen) Per­son gewählt wird, solan­ge nur aus dem Inhalt der Kla­ge­schrift und etwai­gen Anla­gen unzwei­fel­haft deut­lich wird, wel­che Par­tei tat­säch­lich gemeint ist. Von der feh­ler­haf­ten Par­tei­be­zeich­nung zu unter­schei­den ist dage­gen die irr­tüm­li­che Benen­nung der fal­schen, am mate­ri­el­len Rechts­ver­hält­nis nicht betei­lig­ten Per­son als Par­tei; die­se wird Par­tei, weil es ent­schei­dend auf den Wil­len des Klä­gers so, wie er objek­tiv geäu­ßert ist, ankommt [1].

Ent­schei­dend ist hier­bei, wel­chen Sinn die Erklä­rung aus der Sicht des Gerichts und des Pro­zess­geg­ners als Emp­fän­ger hat [2]. Die­se Maß­stä­be gel­ten im Grund­satz eben­so bei der Beur­tei­lung der Fra­ge, wer in einem Mahn­ver­fah­ren Antrags­geg­ner ist [3].

Bei einer an sich kor­rek­ten Bezeich­nung einer tat­säch­lich exis­tie­ren­den (juris­ti­schen oder natür­li­chen) Per­son kommt ein objek­ti­ves Ver­ständ­nis, eine ande­re Per­son sei gemeint, nur in Betracht, wenn aus dem übri­gen Inhalt der Erklä­rung unzwei­fel­haft deut­lich wird, dass eine ande­re und wel­che Par­tei tat­säch­lich gemeint ist.

Das ist nach dem Inhalt der Anspruchs­be­grün­dung nicht der Fall. Die­se ist in sich wider­sprüch­lich und min­des­tens mehr­deu­tig. Es lässt sich ihr des­halb nicht mit der not­wen­di­gen Ein­deu­tig­keit ent­neh­men, die Klä­ge­rin habe nicht die S. Real Esta­te GmbH, son­dern die S. Pro­jekt­ent­wick­lung GmbH in Anspruch neh­men wol­len. Sie hat dort nicht zum Aus­druck gebracht, selbst davon aus­zu­ge­hen, dass eine blo­ße Umfir­mie­rung vor­lie­ge und bei­de Gesell­schaf­ten iden­tisch sei­en. Viel­mehr hat sie ange­ge­ben, ihre Ver­trags­part­ne­rin sei die Rechts­vor­gän­ge­rin der beklag­ten S. Real Esta­te GmbH gewe­sen. Das spricht gera­de dafür, dass sie bewusst eine ande­re Gesell­schaft in ihrer ange­nom­me­nen Eigen­schaft als Rechts­nach­fol­ge­rin in Anspruch genom­men hat. Der Hin­weis auf eine frü­he­re Fir­mie­rung lie­ße sich sinn­voll damit erklä­ren, dass er sich auf die Rechts­vor­gän­ge­rin bezie­hen sol­le. Dass die Klä­ge­rin im Fol­gen­den ein­heit­lich nur noch von der Beklag­ten gespro­chen hat, könn­te eine nicht unüb­li­che Ver­ein­fa­chung oder Unge­nau­ig­keit dar­stel­len.

Auch die spä­te­re Begrün­dung des Berich­ti­gungs­an­trags stützt mehr­fach die­ses Ver­ständ­nis. Dort wird wie­der­holt dar­auf hin­ge­wie­sen, dass die Klä­ge­rin irr­tüm­lich die Beklag­te für die Rechts­nach­fol­ge­rin der S. Pro­jekt­ent­wick­lung GmbH gehal­ten und sie des­halb in Anspruch genom­men habe. Damit nicht ver­ein­bar wird aller­dings gleich­zei­tig von einer Umfir­mie­rung gespro­chen. Auch die­se Erklä­rungs­ver­su­che sind ins­ge­samt nicht geeig­net, die Anspruchs­be­grün­dung in einem Lich­te ver­ste­hen zu kön­nen, dass sie ein­deu­tig eine blo­ße Falsch­be­zeich­nung der Beklag­ten belegt.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 24. Janu­ar 2013 – VII ZR 128/​12

  1. BGH, Urtei­le vom 10.03.2011 – VII ZR 54/​10, BauR 2011, 1041 = NZBau 2011, 416 Rn. 11; vom 27.11.2007 – X ZR 144/​06, NJW-RR 2008, 582 Rn. 7 m.w.N.; vom 24.01.1952 – III ZR 196/​50, BGHZ 4, 328; Beschluss vom 05.02.2009 IX ZB 136/​06, NJW-RR 2009, 854 Rn. 9; BAG, Urteil vom 12.02.2004 2 AZR 136/​03, AP Nr. 50 zu § 4 KSchG 1969 juris Rn. 15 m.w.N.; vgl. Musielak/​Weth, ZPO, 9. Aufl., § 50 Rn. 7; Münch­Komm-ZPO/­Lin­dacher, 4. Aufl., Vor­bem. zu den §§ 50 ff. Rn. 12 ff.; Zöller/​Vollkommer, ZPO, 29. Aufl., Vor § 50 Rn. 6 ff.[]
  2. BGH, Beschluss vom 05.02.2009 – IX ZB 136/​06, aaO; Urteil vom 27.11.2007 – X ZR 144/​06, aaO; Beschluss vom 15.05.2006 – II ZB 5/​05, NJW-RR 2006, 1569 Rn. 11[]
  3. BGH, Beschluss vom 03.02.1999 – VIII ZB 35/​98, NJW 1999, 1871 unter II.01. a[]