Präklusion – und das neue Vorbringen in der Berufungsinstanz

6. April 2018 | Zivilrecht
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Um ein von § 531 Abs. 2 ZPO erfasstes neues Vorbringen in der Berufungsinstanz handelt es sich dann, wenn ein (streitiger) Vortrag bis zum Schluss der mündlichen Verhandlung in erster Instanz nicht vorgebracht und daher im erstinstanzlichen Urteil zu Recht gemäß § 296a ZPO unberücksichtigt geblieben ist1. Anders liegen die Dinge jedoch, wenn das Vorbringen durch ein nach § 283 Satz 1 ZPO gewährtes Schriftsatzrecht gedeckt und damit zu dem nach § 296a Satz 2 ZPO zu beachtenden erstinstanzlichen Prozessstoff gehört.

Bleibt ein Angriffs- oder Verteidigungsmittel einer Partei deswegen unberücksichtigt, weil der Tatrichter es in offenkundig fehlerhafter Anwendung einer Präklusionsvorschrift wie des § 531 ZPO zu Unrecht zurückgewiesen hat, so ist zugleich der Anspruch der Partei auf Gewährung rechtlichen Gehörs (Art. 103 Abs. 1 GG) verletzt2.

Zwar handelt es sich dann um ein von § 531 Abs. 2 ZPO erfasstes neues Angriffs- und Verteidigungsmittel, wenn ein (streitiger) Vortrag bis zum Schluss der mündlichen Verhandlung in erster Instanz nicht vorgebracht und daher im erstinstanzlichen Urteil zu Recht gemäß § 296a ZPO unberücksichtigt geblieben ist3.

Im hier vom Bundesgerichtshof entschiedenen Streitfall war jedoch der geänderte Vortrag der Beklagten von dem durch das Landgericht gemäß § 283 Satz 1 ZPO gewährten Schriftsatzrecht umfasst und gehörte damit zum – nach § 296a Satz 2 ZPO zu beachtenden – erstinstanzlichen Prozessstoff.

Bundesgerichtshof, Beschluss vom 27. Februar 2018 – VIII ZR 90/17

  1. im Anschluss an BGH, Urteile vom 02.04.2004 – V ZR 107/03, NJW 2004, 2382 unter – II 1 a mwN; vom 31.05.2017 – VIII ZR 69/16, NJW 2017, 2288 Rn.19
  2. st. Rspr.; vgl. BGH, Beschlüsse vom 10.05.2016 – VIII ZR 97/15, GE 2016, 1207 Rn. 9; vom 20.09.2016 – VIII ZR 247/15, NJW 2017, 491 Rn. 14; vom 16.05.2017 – VI ZR 89/16, NJW-RR 2017, 1018 Rn. 8; vom 17.05.2017 – VII ZR 36/15, NJW 2017, 3661 Rn. 17; jeweils mwN; vgl. auch BVerfGE 69, 145, 149; 75, 302, 312 f.; BVerfG, Beschluss vom 05.11.2008 – 1 BvR 1822/08 3
  3. BGH, Urteil vom 02.04.2004 – V ZR 107/03, NJW 2004, 2382 unter – II 1 a mwN; vgl. auch BGH, Urteil vom 31.05.2017 – VIII ZR 69/16, NJW 2017, 2288 Rn.19

 
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