Prä­k­lu­si­on – und das neue Vor­brin­gen in der Beru­fungs­in­stanz

Um ein von § 531 Abs. 2 ZPO erfass­tes neu­es Vor­brin­gen in der Beru­fungs­in­stanz han­delt es sich dann, wenn ein (strei­ti­ger) Vor­trag bis zum Schluss der münd­li­chen Ver­hand­lung in ers­ter Instanz nicht vor­ge­bracht und daher im erst­in­stanz­li­chen Urteil zu Recht gemäß § 296a ZPO unbe­rück­sich­tigt geblie­ben ist [1]. Anders lie­gen die Din­ge jedoch, wenn das Vor­brin­gen durch ein nach § 283 Satz 1 ZPO gewähr­tes Schrift­satz­recht gedeckt und damit zu dem nach § 296a Satz 2 ZPO zu beach­ten­den erst­in­stanz­li­chen Pro­zess­stoff gehört.

Prä­k­lu­si­on – und das neue Vor­brin­gen in der Beru­fungs­in­stanz

Bleibt ein Angriffs- oder Ver­tei­di­gungs­mit­tel einer Par­tei des­we­gen unbe­rück­sich­tigt, weil der Tatrich­ter es in offen­kun­dig feh­ler­haf­ter Anwen­dung einer Prä­k­lu­si­ons­vor­schrift wie des § 531 ZPO zu Unrecht zurück­ge­wie­sen hat, so ist zugleich der Anspruch der Par­tei auf Gewäh­rung recht­li­chen Gehörs (Art. 103 Abs. 1 GG) ver­letzt [2].

Zwar han­delt es sich dann um ein von § 531 Abs. 2 ZPO erfass­tes neu­es Angriffs- und Ver­tei­di­gungs­mit­tel, wenn ein (strei­ti­ger) Vor­trag bis zum Schluss der münd­li­chen Ver­hand­lung in ers­ter Instanz nicht vor­ge­bracht und daher im erst­in­stanz­li­chen Urteil zu Recht gemäß § 296a ZPO unbe­rück­sich­tigt geblie­ben ist [3].

Im hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Streit­fall war jedoch der geän­der­te Vor­trag der Beklag­ten von dem durch das Land­ge­richt gemäß § 283 Satz 1 ZPO gewähr­ten Schrift­satz­recht umfasst und gehör­te damit zum – nach § 296a Satz 2 ZPO zu beach­ten­den – erst­in­stanz­li­chen Pro­zess­stoff.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 27. Febru­ar 2018 – VIII ZR 90/​17

  1. im Anschluss an BGH, Urtei­le vom 02.04.2004 – V ZR 107/​03, NJW 2004, 2382 unter – II 1 a mwN; vom 31.05.2017 – VIII ZR 69/​16, NJW 2017, 2288 Rn.19[]
  2. st. Rspr.; vgl. BGH, Beschlüs­se vom 10.05.2016 – VIII ZR 97/​15, GE 2016, 1207 Rn. 9; vom 20.09.2016 – VIII ZR 247/​15, NJW 2017, 491 Rn. 14; vom 16.05.2017 – VI ZR 89/​16, NJW-RR 2017, 1018 Rn. 8; vom 17.05.2017 – VII ZR 36/​15, NJW 2017, 3661 Rn. 17; jeweils mwN; vgl. auch BVerfGE 69, 145, 149; 75, 302, 312 f.; BVerfG, Beschluss vom 05.11.2008 – 1 BvR 1822/​08 3[]
  3. BGH, Urteil vom 02.04.2004 – V ZR 107/​03, NJW 2004, 2382 unter – II 1 a mwN; vgl. auch BGH, Urteil vom 31.05.2017 – VIII ZR 69/​16, NJW 2017, 2288 Rn.19[]