Pro­zess­kos­ten­hil­fe bei strit­ti­gen Rechts­fra­gen

Ist das Beschwer­de­ge­richt in einem Ver­fah­rens­kos­ten­hil­fe­ver­fah­ren der Auf­fas­sung, dass die Erfolgs­aus­sich­ten der Rechts­ver­fol­gung oder Rechts­ver­tei­di­gung von der Klä­rung einer in der Recht­spre­chung der Ober­lan­des­ge­rich­te umstrit­te­nen und höchst­rich­ter­lich noch nicht geklär­ten Rechts­fra­ge abhängt, muss es dem Beschwer­de­füh­rer beim Vor­lie­gen der per­sön­li­chen Vor­aus­set­zun­gen inso­weit Ver­fah­rens­kos­ten­hil­fe bewil­li­gen, und zwar auch dann, wenn es die Auf­fas­sung ver­tritt, dass die Rechts­fra­ge zu Unguns­ten des Beschwer­de­füh­rers zu ent­schei­den ist 1.

Pro­zess­kos­ten­hil­fe bei strit­ti­gen Rechts­fra­gen

Die Prü­fung der Erfolgs­aus­sicht darf nicht dazu die­nen, die Rechts­ver­fol­gung oder Rechts­ver­tei­di­gung in das Neben­ver­fah­ren der Ver­fah­rens­kos­ten­hil­fe zu ver­la­gern und die­ses an die Stel­le des Haupt­sa­che­ver­fah­rens tre­ten zu las­sen. Das Ver­fah­rens­kos­ten­hil­fe­ver­fah­ren will den Rechts­schutz, den das Rechts­staats­prin­zip erfor­dert, nicht selbst bie­ten, son­dern erst zugäng­lich machen 2. Ist das Beschwer­de­ge­richt daher der Auf­fas­sung, dass die Erfolgs­aus­sich­ten der Rechts­ver­fol­gung von der Klä­rung einer in der Recht­spre­chung der Ober­lan­des­ge­rich­te umstrit­te­nen und höchst­rich­ter­lich noch nicht geklär­ten Rechts­fra­ge abhän­gen, muss es dem Beschwer­de­füh­rer beim Vor­lie­gen der per­sön­li­chen Vor­aus­set­zun­gen inso­weit Ver­fah­rens­kos­ten­hil­fe bewil­li­gen, und zwar auch dann, wenn das Beschwer­de­ge­richt die Auf­fas­sung ver­tritt, dass die Rechts­fra­ge zu Unguns­ten des Beschwer­de­füh­rers zu ent­schei­den ist 3.

Ver­wei­gert es dem Beschwer­de­füh­rer dage­gen Ver­fah­rens­kos­ten­hil­fe und lässt gleich­zei­tig wegen der Erfolgs­aus­sich­ten der Rechts­ver­fol­gung die Rechts­be­schwer­de zur Siche­rung einer ein­heit­li­chen Recht­spre­chung zu, wider­legt es damit in aller Regel die Rich­tig­keit sei­ner eige­nen Ent­schei­dung. Dies muss grund­sätz­lich ohne nähe­re Sach­prü­fung zur Auf­he­bung der ange­foch­te­nen Ent­schei­dung und zur Zurück­ver­wei­sung der Sache an das Beschwer­de­ge­richt füh­ren 4.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 8. Mai 2013 – XII ZB 624/​12

  1. im Anschluss an BGH, Beschlüs­se vom 17.03.2004 – XII ZB 192/​02, NJW 2004, 2022; und vom 12.12.2012 – XII ZB 190/​12, Fam­RZ 2013, 369[]
  2. BVerfG NJW 1994, 241, 242 und NJW 2000, 1936, 1937; BGH, Beschluss vom 04.08.2004 – XII ZA 6/​04 Fam­RZ 2004, 1633, 1634 mwN[]
  3. BVerfG Fam­RZ 2013, 605, 606; 2013, 685, 686; BGH, Beschluss vom 12.12.2012 – XII ZB 190/​12 Fam­RZ 2013, 369[]
  4. vgl. BGH, Beschluss vom 17.03.2004 – XII ZB 192/​02 NJW 2004, 2022; Münch­Komm-ZPO/­Mot­zer 4. Aufl. § 127 Rn. 36; Musielak/​Fischer ZPO 9. Aufl. § 127 Rn. 25[]