Ter­mins­ge­bühr für ein Tele­fo­nat ohne den Klä­ger

Nach der Vor­bem. 3 Abs. 3 VV RVG ent­steht die Ter­mins­ge­bühr ua. für „die Mit­wir­kung an auf die Ver­mei­dung oder Erle­di­gung des Ver­fah­rens gerich­te­ten Bespre­chun­gen auch ohne Betei­li­gung des Gerichts“ mit Aus­nah­me von Bespre­chun­gen mit dem Auf­trag­ge­ber. Auch tele­fo­ni­sche Bespre­chun­gen kön­ne sol­che im Sin­ne von Vor­bem. 3 Abs. 3 VV RVG sein (BGH 21. Janu­ar 2010 – I ZB 14/​09ZfSch 2010, 286; anders der blo­ße Aus­tausch von E‑Mails: BGH 21. Okto­ber 2009 – IV ZB 27/​09NJW 2010, 381), auch eine sol­che zwi­schen meh­re­ren Beklag­ten. Eine sol­che Bespre­chung ohne Betei­li­gung des Geg­ners liegt aber jeden­falls dann nicht vor, wenn die­ser nicht vor­ab sei­ne grund­sätz­li­che Bereit­schaft zum Ein­tritt in Ver­gleichs­ge­sprä­che kund­ge­tan hat.

Ter­mins­ge­bühr für ein Tele­fo­nat ohne den Klä­ger

Uner­heb­lich ist hier­bei, dass die Ver­wei­sung nach § 17a Abs. 4 Satz 1 GVG ohne vor­her­ge­hen­de münd­li­che Ver­hand­lung erfolg­te. Bei dem vor dem Land­ge­richt rechts­hän­gig gemach­ten Scha­dens­er­satz­pro­zess han­delt es sich um ein Ver­fah­ren, bei dem die münd­li­che Ver­hand­lung – eben­so wie spä­ter vor dem Arbeits­ge­richt – grund­sätz­lich vor­ge­schrie­ben ist (§§ 272, 279 ZPO). Die Bespre­chun­gen dien­ten der Erle­di­gung die­ses Kla­ge­ver­fah­rens. Die umstrit­te­ne Fra­ge, ob die Fest­set­zung einer Ter­mins­ge­bühr in den Fäl­len gene­rell aus­schei­det, in denen eine münd­li­che Ver­hand­lung nicht vor­ge­schrie­ben ist und das Gericht durch Beschluss ent­schei­det [1], hat daher vor­lie­gend kei­ne Bedeu­tung. Eben­so kommt es nicht dar­auf an, dass eine ein­ver­nehm­li­che Erle­di­gung des Rechts­streits nicht zustan­de kam [2].

Eine Bespre­chung im Sin­ne von Vor­bem. 3 Abs. 3 VV RVG liegt ohne Betei­li­gung des Geg­ners aber jeden­falls dann nicht vor, wenn die­ser nicht vor­ab sei­ne grund­sätz­li­che Bereit­schaft zum Ein­tritt in Ver­gleichs­ge­sprä­che kund­ge­tan hat.

Nach dem Wort­laut der Norm wird nicht danach dif­fe­ren­ziert, mit wem die auf eine Erle­di­gung des Ver­fah­rens gerich­te­te Bespre­chung erfolgt. Ledig­lich Bespre­chun­gen mit dem Auf­trag­ge­ber sind aus­drück­lich aus­ge­nom­men. Dem­entspre­chend wird im Schrift­tum davon aus­ge­gan­gen, dass grund­sätz­lich auch Bespre­chun­gen mit Drit­ten eine Ter­mins­ge­bühr aus­lö­sen kön­nen [3]. Dabei kann es sich aber nur um Drit­te han­deln, mit denen eine Bespre­chung zur außer­ge­richt­li­chen Erle­di­gung des Rechts­streits füh­ren kann. Bei­spiel­haft wer­den dabei die Ver­si­che­rung der Gegen­par­tei, deren Gesell­schaf­ter, eine über­ge­ord­ne­te Behör­de oder Streit­hel­fer bei einer Haf­tungs­ket­te, wie der mit­haf­ten­de Archi­tekt, genannt [4]. Dies ent­spricht dem Sinn und Zweck der Rege­lung und ihrer Ent­ste­hungs­ge­schich­te.

Die Ter­mins­ge­bühr nach Vor­bem. 3 Abs. 3 iVm. Nr. 3104 VV RVG ersetzt sowohl die frü­he­re Ver­hand­lungs- als auch die Erör­te­rungs­ge­bühr nach § 31 Abs. 1 Nr. 2 und Nr. 4 BRAGO. Die Rege­lung soll­te zu einer erheb­li­chen Ver­ein­fa­chung füh­ren und einen Anreiz dafür schaf­fen, dass der Anwalt nach sei­ner Bestel­lung in jeder Pha­se des Ver­fah­rens zu einer mög­lichst frü­hen, der Sach- und Rechts­la­ge ent­spre­chen­den Been­di­gung des Ver­fah­rens bei­trägt. Des­halb soll die Gebühr schon ver­dient sein, wenn der Anwalt an auf die Erle­di­gung des Ver­fah­rens gerich­te­ten Bespre­chun­gen ohne Betei­li­gung des Gerichts mit­wirkt, ins­be­son­de­re wenn die­se auf den Abschluss des Ver­fah­rens durch eine güt­li­che Rege­lung zie­len. Vor allem woll­te der Gesetz­ge­ber die Pra­xis besei­ti­gen, nur des­halb einen gericht­li­chen Ver­hand­lungs­ter­min anzu­stre­ben, weil sol­che Bespre­chun­gen nach den Rege­lun­gen der BRAGO nicht hono­riert wur­den [5]. Die mit der Neu­re­ge­lung des Anwalts­ver­gü­tungs­rechts geschaf­fe­ne Ver­fah­rens­ge­bühr nach Vor­bem. 3 Abs. 2 VV RVG soll­te dem­ge­gen­über dem Abgel­tungs­be­reich der Pro­zess­ge­bühr nach § 31 Abs. 1 Nr. 1 BRAGO ent­spre­chen. Durch die erhöh­te Ver­fah­rens­ge­bühr soll­ten die not­wen­di­gen Vor­ar­bei­ten nach Ertei­lung des Auf­trags abge­gol­ten sein, sowie „die im Zusam­men­hang mit dem gericht­li­chen Ver­fah­ren not­wen­di­gen Bespre­chun­gen mit Man­dan­ten, Drit­ten, Behör­den, Gerich­ten, Sach­ver­stän­di­gen, Archi­tek­ten usw.“, eben­so wie die Mit­wir­kung bei der Aus­wahl und Beschaf­fung von Beweis­mit­teln ein­schließ­lich dem etwa not­wen­di­gen Schrift­wech­sel [6].

Dem­entspre­chend fällt die Ter­mins­ge­bühr zB an, wenn auf Vor­schlag des Gerichts ein schrift­li­cher Ver­gleich nach § 278 Abs. 6 ZPO geschlos­sen wird [7] oder der Geg­ner eine auf die Erle­di­gung des Ver­fah­rens gerich­te­te Erklä­rung zwecks Prü­fung und Wei­ter­lei­tung an sei­ne Par­tei ent­ge­gen­nimmt [8]. Bei der Ter­mins­ge­bühr han­delt es sich aller­dings weder um eine all­ge­mei­ne Kor­re­spon­denz­ge­bühr, die von der Wahr­neh­mung eines gericht­li­chen Ter­mins voll­stän­dig abge­kop­pelt wäre [9], noch genügt ein all­ge­mei­nes Gespräch über die grund­sätz­li­che Bereit­schaft oder abs­trak­te Mög­lich­keit einer außer­ge­richt­li­chen Eini­gung [10]. Ins­be­son­de­re ver­langt der Geset­zes­zweck aber, dass über­haupt die Bereit­schaft der Gegen­sei­te besteht, in Ver­hand­lun­gen mit dem Ziel einer ein­ver­nehm­li­chen Been­di­gung des Ver­fah­rens ein­zu­tre­ten. Ver­wei­gert der Geg­ner von vorn­her­ein ent­we­der ein sach­be­zo­ge­nes Gespräch oder eine güt­li­che Eini­gung, kommt eine Bespre­chung bereits im Ansatz nicht zustan­de und das Ziel einer ein­ver­nehm­li­chen Rege­lung kann nicht erreicht wer­den [11]. Dies muss erst recht gel­ten, wenn die Bespre­chung mit einem Drit­ten statt­fin­det, der nicht im „Lager des Geg­ners“ steht. Eine Bespre­chung zwi­schen den Bevoll­mäch­tig­ten meh­re­rer Beklag­ten kann zwar die Ein­lei­tung von Ver­gleichs­ge­sprä­chen mit dem Geg­ner för­dern. Ohne dass der Geg­ner aber sei­ne Bereit­schaft offen­ge­legt hat, über­haupt in sol­che Gesprä­che ein­zu­tre­ten, kann eine sol­che Bespre­chung noch nicht der Bei­le­gung eines gericht­li­chen Ver­fah­rens im Sin­ne von Vor­bem. 3 Abs. 3 VV RVG die­nen [12]. Sol­che Akti­vi­tä­ten sind viel­mehr bereits durch die Ver­fah­rens­ge­bühr nach Nr. 3101 VV RVG abge­gol­ten.

Bun­des­ar­beits­ge­richt, Beschluss vom 19. Febru­ar 2013 – 10 AZB 2/​13

  1. so BGH 01.02.2007 – V ZB 110/​06, NJW 2007, 1461; aA zB FG Ber­lin-Bran­den­burg 05.04.2011 – 13 KO 13326/​10, EFG 2011, 1551[]
  2. BGH 20.11.2006 – II ZB 9/​06, Rn. 7 f., NJW-RR 2007, 286[]
  3. vgl. zB Her­gen­rö­der in Baumgärtel/​Hergenröder/​Houben RVG 15. Aufl. Vor­bem. 3 VV Rn. 14; Bischof in Bischof RVG 4. Aufl. Vor­bem. 3 VV Teil 3 Rn. 54; Gerol­d/­Schmid­t/­Mül­ler-Rabe RVG 20. Aufl. Vor­bem. 3 VV Rn. 125; May­er in Mayer/​Kroiß RVG 5. Aufl. Vor­bem. 3 Rn. 49; Riedel/​Sußbauer/​Kel­ler RVG 9. Aufl. VV Teil 3 Vor­bem. 3 Rn. 48; Han­sens Jur­Bü­ro 2004, 249, 250; End­ers Jur­Bü­ro 2005, 84, 85 f.[]
  4. vgl. Her­gen­rö­der in Baumgärtel/​Hergenröder/​Houben aaO; Gerol­d/­Schmid­t/­Mül­ler-Rabe aaO; Riedel/​Sußbauer/​Keller aaO; Han­sens aaO; End­ers aaO; deut­lich wei­ter May­er in Mayer/​Kroiß aaO: auch Zeu­gen und Sach­ver­stän­di­ge[]
  5. BT-Drucks. 15/​1971 S.209[]
  6. BT-Drucks. 15/​1971 S.209 f.[]
  7. BGH 3.07.2006 – II ZB 31/​05NJW-RR 2006, 1507[]
  8. BGH 20.11.2006 – II ZB 9/​06NJW-RR 2007, 286[]
  9. BGH 01.02.2007 – V ZB 110/​06, Rn.20, NJW 2007, 1461[]
  10. BGH 21.01.2010 – I ZB 14/​09, Rn. 7, ZfSch 2010, 286[]
  11. BGH 20.11.2006 – II ZB 9/​06, Rn. 7 f., aaO[]
  12. eben­so Bischof in Bischof Vor­bem. 3 VV Teil 3 Rn. 76b[]