Ver­kehrs­si­che­rungs­pflich­ten beim Rosen­mon­tags­zug

Die Ver­kehrs­si­che­rungs­pflicht ver­pflich­tet grund­sätz­lich den­je­ni­gen, der eine Gefah­ren­la­ge schafft, die not­wen­di­gen und zumut­ba­ren Vor­keh­run­gen zu tref­fen, um eine Schä­di­gung ande­rer mög­lichst zu ver­hin­dern [1].

Ver­kehrs­si­che­rungs­pflich­ten beim Rosen­mon­tags­zug

Der Ver­kehrs­si­che­rungs­pflich­ti­ge ist aber nicht gehal­ten, für alle denk­ba­ren, ent­fernt lie­gen­den Mög­lich­kei­ten eines Scha­dens­ein­tritts Vor­sor­ge zu tref­fen. Es genü­gen die­je­ni­gen Vor­keh­run­gen, die nach den kon­kre­ten Umstän­den zur Besei­ti­gung der Gefahr erfor­der­lich und zumut­bar sind. Erfor­der­lich sind die Maß­nah­men, die ein umsich­ti­ger und ver­stän­di­ger, in ver­nünf­ti­gen Gren­zen vor­sich­ti­ger Ange­hö­ri­ger der betrof­fe­nen Ver­kehrs­krei­se für not­wen­dig und aus­rei­chend hal­ten darf, um ande­re Per­so­nen vor Schä­den zu bewah­ren [2], d.h. nach den Sicher­heits­er­war­tun­gen des jewei­li­gen Ver­kehrs geeig­net sind, sol­che Gefah­ren von Drit­ten tun­lichst abzu­wen­den, die bei bestim­mungs­ge­mä­ßem oder bei nicht ganz fern­lie­gen­der bestim­mungs­wid­ri­ger Benut­zung dro­hen.

Der Drit­te ist aber nur vor den Gefah­ren zu schüt­zen, die er selbst, aus­ge­hend von der sich ihm kon­kret dar­bie­ten­den Situa­ti­on bei Anwen­dung der von ihm in die­ser Situa­ti­on zu erwar­ten­den Sorg­falt erfah­rungs­ge­mäß nicht oder nicht recht­zei­tig erken­nen und ver­mei­den kann [3].

Der Ver­an­stal­ter eines Rosen­mon­tags­um­zugs hat dafür Sor­ge zu tra­gen, dass Per­so­nen, ins­be­son­de­re min­der­jäh­ri­ge Zuschau­er, nicht zu nahe an die Fest­wa­gen kom­men kön­nen und eine Absper­rung vor­zu­neh­men ist [4].

Ansprü­che wegen Gefähr­dungs­haf­tung nach § 7 StVG kom­men nicht in Betracht, da gemäß § 8 Nr. 1 StVG die Vor­schrift des § 7 StVG kei­ne Anwen­dung fin­det, wenn der Unfall durch ein Kraft­fahr­zeug ver­ur­sacht wur­de, das auf ebe­ner Bahn mit kei­ner höhe­ren Geschwin­dig­keit als 20 Kilo­me­ter in der Stun­de fah­ren kann. Da das hier in den Unfall invol­vier­te Fahr­zeug nur über eine maxi­ma­le Höchst­ge­schwin­dig­keit von 6 km/​h ver­fügt, grei­fen die Vor­schrif­ten über die Gefähr­dungs­haf­tung nicht ein.

Ober­lan­des­ge­richt Koblenz, Beschluss vom 19. Dezem­ber 2013 – 3 U 985/​13

  1. BGH, Urteil vom 19.12.1989 – VI ZR 182/​89 , NJW 1990, 1236; Urteil vom 12.11.1996 – VI ZR 270/​95VersR 1997, 250 = MDR 1997, 356 = NJW 1997, 582; Urteil vom 04.12.2001 – VI ZR 447/​00 , NJW-RR 2002, 525; Urteil vom 15.07.2003 – VI ZR 155/​02VersR 2003, 1319 = NJW-RR 2003, 1459 = MDR 2003, 1352; Urteil vom 08.11.2005 – VI ZR 332/​04 -NJW 2006, 610; Urteil vom 06.02.2007 OLG Cel­le Urteil vom 25.01.2007 – 8 U 161/​06 – Juris Rn. 5;- VI ZR 274/​05 , NJW 2007, 1684 = MDR 2007, 777 = VersR 2007, 659 ff.; OLG Koblenz Hin­weis­ver­fü­gung gemäß § 522 Abs. 2 vom 16.12.2009 i.V.m. Zurück­wei­sungs­be­schluss vom 22.01.2010 – 2 U 904/​09MDR 2010, 630; Hin­weis­be­schluss gemäß § 522 Abs. 2 ZPO vom 15.06.2010 i.V.m. Zurück­wei­sungs­be­schluss vom 04.10.2010 – 2 U 950/​09VersR 2012, 374; Hin­weis­be­schluss gemäß § 522 Abs. 2 ZPO vom 19.01.2011 – 2 U 468/​10MDR 2011, 787; Hin­weis­be­schluss vom 06.10.2011 – 2 U 1104/​10 – i.V.m Zurück­wei­sungs­be­schluss gemäß § 522 Abs. 2 ZPO vom 01.12.2011[]
  2. BGH, Urteil vom 16.05.2006 – VI ZR 189/​05 , NJW 2006, 2326 = MDR 2006, 1405 = R+S 2007, 80 f.; Urteil vom 16.02.2006 – III ZR 68/​05VersR 2006, 665[]
  3. OLG Hamm, Urteil vom 17.12.2001 – 13 U 171/​01VersR 2003, 605 ; Urteil vom 13.01.2006 – 9 U 143/​05 , NJW-RR 2006, 1100 = VersR 2007, 1518 f. = MDR 2006, 1229[]
  4. vgl. hier­zu auch LG Ravens­burg, Urteil vom 15.08.1996 – 3 S 145/​96NJW 1997, 402; OLG Köln, Ent­schei­dung vom 15.02.1979 – 14 U 123/​76, R+S 1979, 121 f.; fer­ner zur Ver­kehrs­si­che­rungs­pflicht bei Rosen­mon­tags­um­zü­gen AG Köln, Urteil vom 07.01.2011 – 123 C 254/​10, zitiert nach Juris; LG Trier, Urteil vom 05.06.2011 – 1 S 18/​01NJW-RR 2001, 1470 f.; LG Trier, Urteil vom 05.06.2001 – 1 S 18/​01NJW-RR 2001, 1470 f.; AG Köln, Urteil vom 19.06.1998 – 111 C 422/​97NJW 1999, 1972 f. = R+S 1999, 151; Her­zog, Gefähr­li­che Kamel­le – Kar­ne­val und Scha­dens­recht, ZfS 2012, 603 ff., zu Ver­let­zun­gen durch Fahr­zeu­ge dort A.II. 3[]