Der Copy-Dok­tor der Fach­hoch­schul­leh­re­rin

Erwei­sen sich Pla­gi­ats­vor­wür­fen als berech­tigt, kann ein bereits ver­lie­he­ner Dok­tor­grad von der Hoch­schu­le regel­mä­ßig wie­der Fall aberkannt wer­den. Mit die­ser Begrün­dung hat jetzt das Ver­wal­tungs­ge­richt Darm­stadt die Kla­ge einer an einer Fach­hoch­schu­le täti­gen Hoch­schul­leh­re­rin abge­wie­sen, mit der die­se sich gegen die Aberken­nung ihres Dok­tor­gra­des wand­te.

Der Copy-Dok­tor der Fach­hoch­schul­leh­re­rin

Nach den Fest­stel­lun­gen der beklag­ten Uni­ver­si­tät waren auf etwa einem Vier­tel der im Jah­re 2000 zum Abschluss gebrach­ten Dis­ser­ta­ti­on zur Erlan­gung des „doc­tor phi­lo­so­phiae“ (Dr. phil.) teils wört­lich, teils para­phra­siert sei­ten- oder abschnitts­wei­se Text­stel­len aus Wer­ken ande­rer Autoren über­nom­men wor­den, ohne dass dies kennt­lich gemacht wur­de. Bekannt gewor­den waren die Pla­gi­ats­vor­wür­fe auf­grund des Hin­wei­ses einer pla­gi­ier­ten Autorin, die auf­grund der im Jah­re 2003 erfolg­ten Buch­ver­öf­fent­li­chung der Dis­ser­ta­ti­on auf die­se auf­merk­sam wur­de und fest­stell­te, dass Tei­le ihrer eige­nen Arbeit zwar sei­ten­wei­se wört­lich über­nom­men wor­den waren, dies aber nicht kennt­lich gemacht wor­den war. Auch fehl­te das pla­gi­ier­te Werk im Lite­ra­tur­ver­zeich­nis der Dis­ser­ta­ti­on.

Ein sei­tens der beklag­ten Uni­ver­si­tät beauf­trag­ter Gut­ach­ter stell­te dar­über hin­aus fest, dass die Klä­ge­rin auch dadurch getäuscht hat­te, dass von ihr der Ein­druck der Inter­pre­ta­ti­on von direkt zitier­ten Text­seg­men­ten im eige­nen Fließ­text oder zumin­dest der Wie­der­ga­be in eige­nen Wor­ten dadurch erweckt wor­den sei, dass sie Wer­ke an einer bestimm­ten Stel­le zitiert habe, an ande­rer Stel­le jedoch, ohne dies kennt­lich zu machen, Text­tei­le aus die­sen Wer­ken über­nom­men habe (soge­nann­te "Bau­ern­op­fer-Refe­renz").

Das Ver­wal­tungs­ge­richt Darm­stadt befand, dass die­ses Vor­ge­hen der Klä­ge­rin auf eine vor­sätz­li­che Täu­schungs­hand­lung schlie­ßen las­se. Die Täu­schung sei erheb­lich und recht­fer­ti­ge daher den Ent­zug des Dok­tor­gra­des. Dies gel­te unge­ach­tet des­sen, dass die für den Ent­zug aka­de­mi­scher Gra­de maß­geb­li­che Vor­schrift des § 27 Hes­si­sches Hoch­schul­ge­setz als "Soll"-Vorschrift aus­ge­stal­tet sei. Im Regel­fall bedeu­te "Soll" ein „Muss“. Nur bei Vor­lie­gen aty­pi­scher Umstän­de dür­fe die Hoch­schu­le anders ver­fah­ren und von der Aberken­nung des aka­de­mi­schen Gra­des abse­hen. Sol­che Umstän­de ver­moch­te die Kam­mer im vor­lie­gen­den Fall nicht zu erken­nen.

Ver­wal­tungs­ge­richt Darm­stadt, Urteil vom 14. April 2011 – 3 K 899/​10.DA