Nettolohnvereinbarung im Profi-Fußball

Pünktlich zum vorletzten Spieltag der Zweiten Fußball-Bundesliga eine Meldung aus der Rubrik “Das Allerletzte des Profi-Fußballs”.

Nettolohnvereinbarung im Profi-Fußball

Den Anlass hierzu bietet ein Verfahren vor dem Landesarbeitsgericht Düsseldorf. Der dortige Kläger, ein ehemaliger Profifußballer, spielte als Abwehrspieler beim VfL Bochum. Im Zusammenhang mit dem Wechsel des Klägers zum VfL Bochum zahlte der Fußballclub insgesamt 880.000,00 € an einen in Monaco ansässigen Spielervermittler, der davon insgesamt 640.000,00 € an den Kläger weiterleitete sowie weitere 50.000 € an Kläger unmittelbar zahlte. Da diese Beträge unversteuert blieben, wurde der Kläger im Jahr 2008 wegen Steuerhinterziehung rechtskräftig zu einer Haftstrafe von 20 Monaten auf Bewährung verurteilt, da die gezahlten Gelder steuerpflichtiges Einkommen dargestellten. Dabei wurde eine Steuerpflicht in Höhe von 311.488,- € zugrundegelegt. Diese Steuer machte der Kläger nun gegen den VfL Bochum geltend. Hierzu trägt er vor, es sei mit den Verantwortlichen des VfL Bochum vereinbart gewesen, dass ihm die Ablöse und ein Handgeld netto zufließen sollten. Der Verein bestreitet eine entsprechende Vereinbarung, auch sei ihm zu keinem Zeitpunkt bekannt gewesen, dass die geleisteten Zahlungen von dem Spielervermittler an den Kläger hätten weitergeleitet werden sollen. Sie seien auch nicht für ihn bestimmt gewesen.

Das erstinstanzlich mit der Klage befasste Arbeitsgericht Bochum hat die Klage des Fußballspielers abgewiesen1. Und auch in der Berufungsinstanz vor dem Landesarbeitsgericht Düsseldorf blieb der Fußballer jetzt ohne Erfolg.

Dabei ließ es das Landesarbeitsgericht dahin gestellt, ob der Kläger einen Anspruch auf Freistellung gegen den VfL Bochum hat, ob die Parteien überhaupt eine Nettolohnvereinbarung getroffen haben und ob und in welcher Höhe Steuern anfallen.

Warum? Ganz einfach: Der Fußball-Profi hatte nicht auf Freistellung von der Steuerschuld geklagt, sondern auf Erstattung der im Strafverfahren zugrunde gelegten Steuern an ihn. Dumm war nur, dass sich in der mündlichen Verhandlung vor dem Landesarbeitsgericht Düsseldorf am 12. Januar 2011 herausgestellt hatte, dass der Kläger, anders als noch vom Arbeitsgericht Bochum angenommen, die hinterzogene Einkommensteuer noch gar nicht an das Finanzamt abgeführt hatte.

Die Zahlung der Steuerschuld innerhalb der dreijährigen Bewährungsfrist war übrigens auch eine Bewährungsauflage. Die Frist läuft dieses Jahr ab.

Landesarbeitsgericht Düsseldorf, Urteil vom 4. Mai 2010 – 3 Sa 660/10

  1. ArbG Bochumg, Urteil vom 24.11.2009 – 2 Ca 512/09 []