Auf­lö­sungs­an­trag des Arbeit­ge­bers bei ander­wei­tig been­de­tem Arbeits­ver­hält­nis

Nach § 9 Abs. 2 KSchG ist für die Auf­lö­sung des Arbeits­ver­hält­nis­ses der Zeit­punkt fest­zu­set­zen, an dem es bei sozi­al gerecht­fer­tig­ter Kün­di­gung geen­det hät­te. Dar­aus folgt, dass ein Antrag auf Auf­lö­sung nicht mehr gestellt wer­den kann, wenn das Arbeits­ver­hält­nis zu die­sem Zeit­punkt bereits aus ande­ren Grün­den been­det war. Eine gericht­li­che Auf­lö­sung kommt nur in Betracht, wenn das Arbeits­ver­hält­nis zu dem gesetz­lich zwin­gend vor­ge­schrie­be­nen Auf­lö­sungs­zeit­punkt noch bestan­den hat. Andern­falls kann durch das Urteil nichts mehr gestal­tet wer­den 1.

Auf­lö­sungs­an­trag des Arbeit­ge­bers bei ander­wei­tig been­de­tem Arbeits­ver­hält­nis

Hat das Arbeits­ver­hält­nis zwar erst nach dem gemäß § 9 Abs. 2 KSchG fest­zu­set­zen­den Zeit­punkt, aber schon vor Erlass des Auf­lö­sungs­ur­teils geen­det, steht dies einer gericht­li­chen Auf­lö­sung nicht ent­ge­gen 2. Aller­dings ist in einem sol­chen Fall ein ande­rer als der sonst vor­ge­se­he­ne Beur­tei­lungs­zeit­punkt maß­geb­lich. Grund­sätz­lich ist die Begründ­etheit eines Auf­lö­sungs­an­trags nach den bei Erlass des Urteils vor­lie­gen­den Umstän­den zu beur­tei­len 3. Eine auf deren Grund­la­ge anzu­stel­len­de zukunfts­ge­rich­te­te Pro­gno­se kann bei einer schon zuvor ein­ge­tre­te­nen Been­di­gung des Arbeits­ver­hält­nis­ses nicht mehr erfol­gen. Daher ist die Pro­gno­se anhand der bis zur Been­di­gung ein­ge­tre­te­nen Umstän­de zu erstel­len und auf den Zeit­raum zwi­schen dem Ter­min, zu dem die Kün­di­gung gewirkt hät­te, wenn sie sozi­al gerecht­fer­tigt gewe­sen wäre, und dem Been­di­gungs­zeit­punkt zu erstre­cken 4.

An die­ser Recht­spre­chung, die in der Lite­ra­tur viel­fach Zustim­mung gefun­den hat 5, hält das Bun­des­ar­beits­ge­richt aus­drück­lich fest.

Bun­des­ar­beits­ge­richt, Urteil vom 23. Febru­ar 2010 – 2 AZR 554/​08

  1. BAG 20.03.1997 – 8 AZR 769/​95, BAGE 85, 330[]
  2. BAG 24.05.2005 – 8 AZR 246/​04, BAGE 114, 362; 17.09.1987 – 2 AZR 2/​87, RzK I 11a Nr. 16[]
  3. BAG 08.10.2009 – 2 AZR 682/​08, EzA KSchG § 9 nF Nr. 57; 23.06.2005 – 2 AZR 256/​04, AP KSchG 1969 § 9 Nr. 52 = EzA KSchG § 9 nF Nr. 52[]
  4. BAG 17.09.1987 – 2 AZR 2/​87, aaO[]
  5. vgl. APS/​Biebl 3. Aufl. § 9 KSchG Rn. 88; ErfK/​Kiel 10. Aufl. § 9 KSchG Rn. 5; v. Hoy­nin­gen-Hue­n­e/­Linck KSchG 14. Aufl. § 9 Rn. 41; SPV/​Vossen 10. Aufl. 2010 Rn. 2102; aA Löwisch/​Spinner KSchG 9. Aufl. § 9 Rn. 28[]