Der Net­to­lohn im Arbeits­ver­trag

Ist in einem zwi­schen Arbeit­ge­ber und Arbeit­neh­mer geschlos­se­nen Arbeits­ver­trag als Arbeits­ent­gelt ein bestimm­ter Net­to­lohn ver­ein­bart wor­den, dann ist die­ser Net­to­be­trag auch zu zah­len, wenn der Arbeit­neh­mer die Lohn­steu­er­klas­se gewech­selt hat. Dem Arbeit­ge­ber steht kein Kür­zungs­recht zu.

Der Net­to­lohn im Arbeits­ver­trag

So hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt Düs­sel­dorf in dem hier vor­lie­gen­den Fall einer Arzt­hel­fe­rin ent­schie­den, die nach einem Steu­er­klas­sen­wech­sel nicht mehr ihren im Arbeits­ver­trag fest­ge­leg­ten Net­to­lohn aus­be­zahlt bekom­men hat.

Sach­ver­halt

Der Nettolohn im ArbeitsvertragLaut dem schrift­li­chen Arbeits­ver­trag beträgt das monat­li­che Gehalt 1.500,00 Euro net­to. Bei ihrer Ein­stel­lung ist die Arzt­hel­fe­rin ledig gewe­sen und besaß die Lohn­steu­er­klas­se I. Nach Hei­rat und der Geburt eines Kin­des hat sie nach der Eltern­zeit in die Lohn­steu­er­klas­se V gewech­selt. Der Arbeit­ge­ber hat das Ent­gelt errech­net, indem er – auf Basis von Lohn­steu­er­klas­se I – den auf 1.500,00 Euro net­to bezo­ge­nen Brut­to­be­trag ermit­tel­te und von die­sem steu­er- und sozi­al­ver­si­che­rungs­recht­li­che Abzü­ge auf Basis der Lohn­steu­er­klas­se V vor­nahm. Dage­gen hat die Arzt­hel­fe­rin sich gewehrt und mit ihrer Kla­ge die Net­to­lohn­dif­fe­ren­zen gel­tend gemacht. In ihrer Kla­ge hat sie die Mei­nung ver­tre­ten, dass ihr Arbeit­ge­ber – egal wel­che der Steu­er­klas­sen sie ange­hört – ver­pflich­tet ist, 1.500,00 Euro net­to jeden Monat an sie zu zah­len. Dar­über­hin­aus hät­te er die für ihn nach­tei­li­gen Fol­gen eines Steu­er­klas­se­wech­sels dadurch umge­hen kön­nen, dass er in den Ver­trag den Fami­li­en­stand und die Steu­er­klas­se auf­ge­nom­men hät­te.

Dem hat der Arbeit­ge­ber ent­geg­net, er sei durch die geän­der­te Steu­er­klas­se sei­ner Arzt­hel­fe­rin dazu berech­tigt, eine neue Berech­nung des Net­to­lohns vor­zu­neh­men. Denn nicht nur der Net­to­be­trag, son­dern viel­mehr auch die dama­li­ge Lohn­steu­er­klas­se I sei Inhalt des Arbeits­ver­tra­ges.

Urteil

Nach­dem bereits das Arbeit­ge­richt Düs­sel­dorf der Arzt­hel­fe­rin einen Anspruch auf Zah­lung des vol­len Net­to­be­tra­ges in Höhe von 1.500,00 Euro zuge­stan­den hat 1, hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt Düs­sel­dorf die­se Ent­schei­dung bestä­tigt. Nach Auf­fas­sung des Lan­des­ar­beits­ge­richts blieb der Arbeit­ge­ber trotz des von der Klä­ge­rin zwi­schen­zeit­lich vor­ge­nom­me­nen Lohn­steu­er­klas­se­wech­sels von Klas­se I zu Klas­se V ver­pflich­tet, den arbeits­ver­trag­lich ver­ein­bar­ten Net­to­lohn in vol­ler Höhe zu zah­len. Expli­zit hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt betont, dass dem Arbeit­ge­ber kein Kür­zungs­recht zustand.

Auch das Argu­ment des Arbeit­ge­bers einer ergän­zen­den Ver­trags­aus­le­gung bezüg­lich der Anpas­sung des Net­to­lohns im Fall eines Steu­er­klas­sen­wech­sels hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt nicht gel­ten las­sen. Dafür feh­le es im Arbeits­ver­trag an einer erkenn­ba­re Rege­lungs­lü­cken im Sin­ne einer plan­wid­ri­gen Unvoll­stän­dig­keit, wie es das Bun­des­ar­beits­ge­richt for­dert 2.

Nach Auf­fas­sung des Lan­des­ar­beits­ge­richts ist durch die Ver­ein­ba­rung eines „Net­to­lohns“ eine Rege­lung getrof­fen wor­den, bei der dem Arbeit­ge­ber die Zah­lung sämt­li­cher Steu­ern- und Sozi­al­ver­si­che­rungs­bei­trä­ge zufällt. Eine Aus­wir­kung auf die Höhe des dem Arbeit­neh­mer zuflie­ßen­den Zahl­be­tra­ges hat es nicht, wenn sich spä­ter die Grund­la­gen der Lohn­steu­er ändern. Dage­gen kann sich – je nach Wahl der Steu­er­klas­sen – ein Wech­sel für den Arbeit­ge­ber sowohl posi­tiv als auch nega­tiv bemerk­bar machen, wie bereits das Lan­des­ar­beits­ge­richt Köln ent­schie­den hat 3.

Lan­des­ar­beits­ge­richt Düs­sel­dorf, Urteil vom 19. April 2011 – 16 Sa 1570/​10

  1. ArbG Düs­sel­dorf, Urteil vom 24.09. ud 09.11.2010 – 10 Ca 2697/​10[]
  2. BAG vom 11.11.2010 – 8 AZR 392/​09; BAG vom 16.06.2010 – 4 AZR 924/​08; BAG vom 21.04.2009 – 3 AZR 640/​07[]
  3. LAG Köln vom 06.09.1990 – 10 Sa 574/​90[]