Die Arbeits­mo­ral wäh­rend der WM

Am 12. Juni 2014 beginnt die Fuß­ball-Wel­meis­ter­schaft in Bra­si­li­en. Für alle daheim geblie­be­nen Fuß­ball­fans droht die Ver­fol­gung der Spie­le zu einer schlaf­rau­ben­den Ver­an­stal­tung zu wer­den: Die Zeit­ver­schie­bung bringt es mit sich, dass die Spie­le frü­hes­tens gegen 18:00 Uhr deut­scher Zeit begin­nen und sich bis in die spä­te Nacht hin­zie­hen kön­nen. Glück für den­je­ni­gen, der am nächs­ten Tag aus­schla­fen kann!

Die Arbeits­mo­ral wäh­rend der WM

Als Arbeit­neh­mer soll­te man aber dar­auf ach­ten, dass durch die Fern­seh­über­tra­gung der Fuß­ball­spie­le nicht der Arbeits­platz gefähr­det wird. Wer ohne schlech­tes Gewis­sen auch die nachts statt­fin­den­den Spie­le ver­fol­gen möch­te, kann für den dar­auf­fol­gen­den Tag Urlaub neh­men. Ist das aus ver­schie­de­nen Grün­den nicht mög­lich, soll­te man mit dem Arbeit­ge­ber spre­chen, so dass viel­leicht ein spä­te­rer Arbeits­be­ginn ver­ein­bart wer­den kann.

Damit ist aber auf kei­nen Fall gemeint, den Arbeit­ge­ber mit einer Krank­mel­dung zu dro­hen, wenn er den begehr­ten Urlaub nicht geneh­migt. Bei einer sol­chen erklär­ten Bereit­schaft des Arbeit­neh­mers, sich den Urlaub not­falls durch eine in Wahr­heit nicht vor­lie­gen­de Arbeits­un­fä­hig­keit zu ver­schaf­fen, ist ein wich­ti­ger Grund zur Kün­di­gung gege­ben und es kommt nicht mehr dar­auf an, ob der Arbeit­neh­mer spä­ter (zufäl­lig) tat­säch­lich erkrankt 1. Dadurch dass der Arbeit­neh­mer not­falls bereit ist, sei­ne Rech­te aus dem Ent­gelt­fort­zah­lungs­recht zu miss­brau­chen, um sich einen unbe­rech­tig­ten Vor­teil zu ver­schaf­fen, begeht er eine Pflicht­wid­rig­keit 2.

Eben­so­we­nig ist es rat­sam, sich ein­fach krank zu mel­den. Denn spä­tes­tens bei der wie­der­hol­ten Krank­mel­dung am Tag nach einem Fuß­ball­spiel keimt beim Arbeit­ge­ber ein Ver­dacht, der ihn dazu ver­an­las­sen kann, dem nach­zu­ge­hen. So besteht die Mög­lich­keit, dass mit Hil­fe einer Detek­tei bewie­sen wer­den soll, dass der betref­fen­de Mit­ar­bei­ter "blau macht". Wird das "Krank­fei­ern" nach­ge­wie­sen, läuft der Arbeit­neh­mer Gefahr, dass gegen ihn nicht nur eine Straf­an­zei­ge erstat­tet wird, son­dern dass er auch sei­nen Arbeits­platz ver­liert.

Ver­zich­tet der Arbeit­neh­mer auf eine "fal­sche" Krank­mel­dung und erscheint am Tag nach dem Fuß­ball­spiel zur Arbeit, hat er hof­fent­lich am Abend zuvor nicht all­zu tief ins Glas geschaut, denn Rest­al­ko­hol am Arbeits­platz ist kei­nes­falls ein Kava­liers­de­likt! Genau­so kann es für den Arbeit­neh­mer zu gro­ßen Pro­ble­men kom­men, wenn er nicht aus­ge­schla­fen ist und im schlimms­ten Fall sogar am Arbeits­platz ein­schläft. In bei­den Fäl­len liegt eine gro­be Pflicht­ver­let­zung des Arbeit­neh­mers vor. Wird eine Detek­tei vom Arbeit­ge­ber beauf­tragt, Zwei­fel an der Arbeits­mo­ral von Mit­ar­bei­tern nach­zu­ge­hen, kom­men dadurch Fak­ten auf den Tisch, die (im güns­tigs­ten Fall) eine Abmah­nung oder (im schlimms­ten Fall) eine frist­lo­se Kün­di­gung zur Fol­ge haben kön­nen.

  1. BGH, Urteil vom 12.03.2009 – 2 AZR 251/​07[]
  2. BAG, Urteil vom 05.11.1992 – 2 AZR 147/​92[]