Die Schlie­ßung einer Betriebs­kran­ken­kas­se – und ihre Arbeit­neh­mer

Eine Betriebs­kran­ken­kas­se kann nach § 153 SGB V von der Auf­sichts­be­hör­de geschlos­sen wer­den. In die­sem Fall ist den­je­ni­gen Beschäf­tig­ten, deren Arbeits­ver­hält­nis nicht durch ordent­li­che Kün­di­gung been­det wer­den kann, beim Lan­des­ver­band der Betriebs­kran­ken­kas­sen oder einer ande­ren Betriebs­kran­ken­kas­se eine ihrer bis­he­ri­gen Dienst­stel­lung ver­gleich­ba­re, zumut­ba­re Stel­lung anzu­bie­ten (§ 155 Abs. 4 Satz 9, § 164 Abs. 3 Satz 3 SGB V). Für Beschäf­tig­te von Betriebs­kran­ken­kas­sen, deren Arbeits­ver­hält­nis ordent­lich gekün­digt wer­den kann, gilt die­se Rege­lung nicht. Nach § 164 Abs. 4 Satz 1 SGB V enden die Ver­trags­ver­hält­nis­se der Beschäf­tig­ten, „die nicht nach Absatz 3 unter­ge­bracht wer­den“, mit dem Tag der Schlie­ßung der Kas­se.

Die Schlie­ßung einer Betriebs­kran­ken­kas­se – und ihre Arbeit­neh­mer

Nach­dem die „City-BKK“ mit Sitz in Stutt­gart und die „BKK-Heil­be­ru­fe“ mit Sitz in Düs­sel­dorf zum 30. Juni 2011 bzw. 31. Dezem­ber 2011 vom Bun­des­ver­si­che­rungs­amt geschlos­sen wor­den waren, erhiel­ten sämt­li­che 400 bzw. 270 Beschäf­tig­ten die Mit­tei­lung, ihre Arbeits­ver­hält­nis­se ende­ten zum jewei­li­gen Schlie­ßungs­zeit­punkt. Vor­sorg­lich spra­chen die Arbeit­ge­be­rin­nen außer­or­dent­li­che Kün­di­gun­gen mit Aus­lauf­fris­ten und – wo recht­lich mög­lich – ordent­li­che Kün­di­gun­gen zum Schlie­ßungs­zeit­punkt, hilfs­wei­se zum Ablauf der ein­schlä­gi­gen Kün­di­gungs­fris­ten aus. Hun­der­te von Beschäf­tig­ten haben gegen die Been­di­gung ihres Arbeits­ver­hält­nis­ses Kla­ge erho­ben.

In den ers­ten vier von etwa 280 bei ihm anhän­gi­gen Ver­fah­ren hat das Bun­des­ar­beits­ge­richt den Kla­gen – wie zuvor bereits die Lan­des­ar­beits­ge­rich­te Ber­lin-Bran­den­burg 1, Ham­burg 2, Baden-Würt­tem­berg 3 und Düs­sel­dorf 4 – statt­ge­ge­ben:

Den bei­den Beschäf­tig­ten, deren Arbeits­ver­hält­nis durch ordent­li­che Kün­di­gung nicht been­det wer­den konn­te, war eine zumut­ba­re Stel­lung beim Lan­des­ver­band oder einer ande­ren Betriebs­kran­ken­kas­se nicht ange­bo­ten wor­den. Ihre Arbeits­ver­hält­nis­se haben aus die­sem Grun­de am Tag der Schlie­ßung nicht geen­det. § 164 Abs. 4 Satz 1 SGB V ist, so das Bun­des­ar­beits­ge­richt, dahin zu ver­ste­hen, dass die gesetz­li­che Anord­nung der Been­di­gung des Arbeits­ver­hält­nis­ses das Ange­bot einer zumut­ba­ren Stel­lung im Sin­ne von § 164 Abs. 3 Satz 3 SGB V vor­aus­setzt.

Auch die bei­den Arbeits­ver­hält­nis­se, die durch ordent­li­che Kün­di­gung been­det wer­den konn­ten, haben nach den Urtei­len des Bun­des­ar­beits­ge­richts nicht mit dem Tag der Schlie­ßung geen­det. Eine an Wort­laut, Ent­ste­hungs­ge­schich­te und gesetz­ge­be­ri­schem Zweck ori­en­tier­te Aus­le­gung der ein­schlä­gi­gen Vor­schrif­ten ergibt, dass die gesetz­li­che Anord­nung in § 164 Abs. 4 Satz 1 SGB V – da den betref­fen­den Arbeit­neh­mern eine zumut­ba­re Stel­lung bei einer ande­ren Betriebs­kran­ken­kas­se zuvor nicht ange­bo­ten wor­den sein muss – für sol­che Arbeits­ver­hält­nis­se nicht gilt. Sie unter­lie­gen allein den Rege­lun­gen des Kün­di­gungs­schutz­rechts.

Die vor­sorg­lich erklär­ten (außer-)ordentlichen Kün­di­gun­gen beur­teil­te das Bun­des­ar­beits­ge­richt in allen vier Fäl­len als rechts­un­wirk­sam. Bei Ablauf der Kün­di­gungs­fris­ten lagen drin­gen­de betrieb­li­che Erfor­der­nis­se, die einer Wei­ter­be­schäf­ti­gung der Arbeit­neh­mer ent­ge­gen­ge­stan­den hät­ten, nicht vor.

Bun­des­ar­beits­ge­richt, Urtei­le vom 21. Novem­ber 2013 – 2 AZR 474/​12, 2 AZR 495/​12, 2 AZR 598/​12 und 2 AZR 966/​12

  1. LAG Ber­lin-Bran­den­burg, Urteil vom 12.04.2012 – 5 Sa 2555/​11[]
  2. LAG Ham­burg, Urteil vom 31.05.2012 – 1 Sa 55/​11[]
  3. LAG Baden-Würt­tem­berg, Urteil vom 21.05.2012 – 1 Sa 2/​12[]
  4. LAG Düs­sel­dorf, Urteil vom 07.09.2012 – 6 Sa 138/​12[]