Gehalts­pfän­dung und Pflicht­bei­trä­ge zur Ver­sor­gungs­an­stalt

Zu der Fra­ge, ob Arbeit­neh­mer­bei­trä­ge zur Pflicht­ver­si­che­rung bei der Ver­sor­gungs­an­stalt des Bun­des und der Län­der zum pfänd­ba­ren Arbeits­ein­kom­men zu rech­nen sind, hat jetzt der Bun­des­ge­richts­hof in einem orbi­ter dic­tum Stel­lung genom­men:

Gehalts­pfän­dung und Pflicht­bei­trä­ge zur Ver­sor­gungs­an­stalt

Ent­ge­gen der Mei­nung des Lan­des­ar­beits­ge­richts Baden-Würt­tem­berg [1] ist nach Auf­fas­sung des Bun­des­ge­richts­hofs die Pfänd­bar­keit der VBL-Pflicht­bei­trä­ge bereits durch § 850 e Nr. 1 Satz 1 ZPO aus­ge­schlos­sen. Es han­delt sich hier­bei, so der BGH, um Bei­trä­ge, die den­je­ni­gen gleich­zu­stel­len sind, die unmit­tel­bar auf Grund sozi­al­recht­li­cher Vor­schrif­ten zur Erfül­lung gesetz­li­cher Ver­pflich­tun­gen des Schuld­ners abzu­füh­ren sind. In dem Gesetz­ge­bungs­ver­fah­ren zur Ände­rung von Vor­schrif­ten über den Pfän­dungs­schutz für Arbeits­ein­kom­men [2], das die Vor­gän­ger­re­ge­lung zu § 850 e Nr. 1 Satz 1 ZPO, näm­lich § 7 Nr. 1 Satz 1 der Lohn­pfän­dungs­ver­ord­nung [3], zum Gegen­stand hat­te, hat der Bun­des­rat zu Art. 1 Ziff. 7 Nr. 1 a des Geset­zes beschlos­sen, dass nur die zur Wei­ter­ver­si­che­rung, nicht aber die zur frei­wil­li­gen Höher­ver­si­che­rung auf­ge­wand­ten Bei­trä­ge bei der Berech­nung des pfän­dungs­frei­en Arbeits­ein­kom­mens unbe­rück­sich­tigt blei­ben sol­len [4]. Bei der zwei­ten und drit­ten Bera­tung im Deut­schen Bun­des­tag hat die­ser dar­auf hin­ge­wie­sen, dass durch § 7 Nr. 1 a des Geset­zes die Bei­trä­ge, die für die frei­wil­li­ge Wei­ter­ver­si­che­rung in der Sozi­al­ver­si­che­rung geleis­tet wür­den, nun­mehr für abzugs­fä­hig erklärt wür­den [5].

Aus den Mate­ria­li­en lässt sich damit ablei­ten, dass im Gesetz­ge­bungs­ver­fah­ren die Abzugs­fä­hig­keit von frei­wil­li­gen Bei­trä­gen als pro­ble­ma­tisch an-gese­hen wur­de. Pflicht­bei­trä­ge, wie sie auch sei­ner Zeit schon an die Zusatz­ver­sor­gungs­kas­se zu zah­len waren, wur­den in die­sem Zusam­men­hang nicht erör­tert. Dies kann sich nur in der Wei­se erklä­ren, dass der Gesetz­ge­ber von vorn­her­ein davon aus­ge­gan­gen ist, dass für die­se Bei­trä­ge bereits eine Rege­lung, und zwar durch § 850 e Nr. 1 Satz 1 ZPO, getrof­fen wor­den ist.

Es ist auch sach­ge­recht, die Pflicht­bei­trä­ge des Arbeit­neh­mers zu der VBL den­je­ni­gen Bei­trä­gen gleich­zu­stel­len, die unmit­tel­bar auf Grund sozi­al-recht­li­cher Vor­schrif­ten zur Erfül­lung gesetz­li­cher Ver­pflich­tun­gen des Schuld-ners abzu­füh­ren sind. Zwar han­delt es sich inso­weit nicht um eine gesetz­lich, son­dern um eine tarif­ver­trag­lich sta­tu­ier­te Ver­pflich­tung des Schuld­ners. Die­ser kann sich jedoch wie bei einer gesetz­li­chen Bei­trags­ver­pflich­tung auf Grund einer sozi­al­recht­li­chen Vor­schrift der Abfüh­rung der Bei­trä­ge nicht ent­zie­hen, so dass ihm in der Höhe der Pflicht­bei­trä­ge zur VBL sein Net­to­ver­dienst nicht zur Ver­fü­gung steht.

Auch der Zweck der Zusatz­ver­sor­gung, die Ver­sor­gungs­be­zü­ge der im öffent­li­chen Dienst ange­stell­ten Arbeit­neh­mer ent­spre­chend der Ver­sor­gung der Beam­ten aus­zu­ge­stal­ten [6], erfor­dert die Gleich­stel­lung der Pflicht­bei­trä­ge mit den­je­ni­gen Bei­trä­gen, die unmit­tel­bar auf Grund sozi­al­recht­li­cher Vor­schrif­ten zur Erfül­lung gesetz­li­cher Ver­pflich­tun­gen des Schuld­ners abzu­füh­ren sind.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 15. Okto­ber 2009 – VII ZB 1/​09

  1. LAG Baden-Würt­tem­berg, Urteil vom 08.10.2008 – 22 Sa 63/​07, Tz. 23, 26; nicht rechts­kräf­tig; gegen das Urteil wur­de Revi­si­on zum Bun­des­ar­beits­ge­richt ein­ge­legt – 10 AZR 866/​08[]
  2. Gesetz vom 22. April 1952, BGBl. I 1952, 247[]
  3. Ver­ord­nung zur ein­heit­li­chen Rege­lung des Pfän­dungs­schut­zes für Arbeits­ein­kom­men (Lohn­pfän­dungs­ver­ord­nung) vom 30. Okto­ber 1940, RGBl. I S. 1451[]
  4. BR-Drucks. Nr. 662/​51; 69. Sit­zung vom 5. Okto­ber 1951, Sit­zungs­be­richt S. 667, 668[]
  5. BT-Drucks. 2917; 201. Sit­zung vom 26. März 1952, Ste­no­gra­phi­scher Bericht S. 8665[]
  6. vgl. BGH, Urteil vom 16.03.1988 – IV ZR 154/​87, BGHZ 103, 370, 371 ff.[]