Gesetz­li­cher Min­dest­lohn – und die Leis­tungs­zu­la­ge

Der Min­dest­lohn­an­spruch aus § 1 Abs. 1 MiLoG ist ein gesetz­li­cher Anspruch, der eigen­stän­dig neben den arbeits- oder tarif­ver­trag­li­chen Ent­gelt­an­spruch tritt. § 3 MiLoG führt bei Unter­schrei­ten des gesetz­li­chen Min­dest­lohns zu einem Dif­fe­renz­an­spruch 1.

Gesetz­li­cher Min­dest­lohn – und die Leis­tungs­zu­la­ge

Der Arbeit­ge­ber hat den Anspruch auf den gesetz­li­chen Min­dest­lohn erfüllt, wenn die für einen Kalen­der­mo­nat gezahl­te Brut­to­ver­gü­tung den Betrag erreicht, der sich aus der Mul­ti­pli­ka­ti­on der Anzahl der in die­sem Monat tat­säch­lich geleis­te­ten Arbeits­stun­den mit – im Streit­zeit­raum – 8, 50 Euro ergibt 2. Es gilt ein umfas­sen­der Ent­gelt­be­griff, so dass alle im Syn­al­lag­ma ste­hen­den Geld­leis­tun­gen des Arbeit­ge­bers geeig­net sind, den Min­dest­lohn­an­spruch des Arbeit­neh­mers zu erfül­len. Von den im arbeits­ver­trag­li­chen Aus­tausch­ver­hält­nis erbrach­ten Ent­gelt­zah­lun­gen des Arbeit­ge­bers fehlt folg­lich nur sol­chen Zah­lun­gen die Erfül­lungs­wir­kung, die der Arbeit­ge­ber ohne Rück­sicht auf eine tat­säch­li­che Arbeits­leis­tung des Arbeit­neh­mers erbringt oder die auf einer beson­de­ren gesetz­li­chen Zweck­be­stim­mung beru­hen 3.

Danach kommt auch der von der Arbeit­ge­be­rin gezahl­ten Leis­tungs­zu­la­ge Erfül­lungs­wir­kung zu.

Das Min­dest­lohn­ge­setz macht den Anspruch nicht von den mit der Arbeits­leis­tung ver­bun­de­nen Erfol­gen abhän­gig 4. Ent­ge­gen der Ansicht der Arbeit­neh­me­rin gebie­tet die Ent­ste­hungs­ge­schich­te des Min­dest­lohn­ge­set­zes kein ande­res Ver­ständ­nis. Der Begriff der "Nor­mal­leis­tung" hat kei­nen Ein­gang in den Wort­laut des Min­dest­lohn­ge­set­zes gefun­den 5.

Die Leis­tungs­zu­la­ge ist eine im Syn­al­lag­ma ste­hen­de Geld­leis­tung der Arbeit­ge­be­rin. Mit ihrer Zah­lung hono­riert die Arbeit­ge­be­rin die Arbeits­leis­tung der Arbeit­neh­me­rin. Einer beson­de­ren gesetz­li­chen Zweck­be­stim­mung unter­liegt die Leis­tungs­zu­la­ge nicht.

Bun­des­ar­beits­ge­richt, Urteil vom 6. Sep­tem­ber 2017 – 5 AZR 317/​16

  1. BAG 25.05.2016 – 5 AZR 135/​16, Rn. 22 mwN, BAGE 155, 202[]
  2. BAG 21.12 2016 – 5 AZR 374/​16, Rn. 17, BAGE 157, 356[]
  3. BAG 25.05.2016 – 5 AZR 135/​16, Rn. 32, BAGE 155, 202[]
  4. BAG 25.05.2016 – 5 AZR 135/​16, Rn. 30, BAGE 155, 202[]
  5. so bereits BAG 21.12 2016 – 5 AZR 374/​16, Rn. 21, BAGE 157, 356[]