Hygi­e­neklei­dung in Schlacht­be­trie­ben – und ihre Rei­ni­gung

In lebens­mit­tel­ver­ar­bei­ten­den Betrie­ben hat der Arbeit­ge­ber dafür zu sor­gen, dass sei­ne Arbeit­neh­mer sau­be­re und geeig­ne­te Hygi­e­neklei­dung tra­gen. Zu sei­nen Pflich­ten gehört auch die Rei­ni­gung die­ser Klei­dung auf eige­ne Kos­ten.

Hygi­e­neklei­dung in Schlacht­be­trie­ben – und ihre Rei­ni­gung

In dem hier vom Bun­des­ar­beits­ge­richt ent­schie­de­nen Fall ist der Arbeit­neh­mer im Schlacht­hof der beklag­ten Arbeit­ge­be­rin im Bereich der Schlach­tung beschäf­tigt. Die Arbeit­ge­be­rin stellt dem Arbeit­neh­mer für sei­ne Tätig­keit wei­ße Hygi­e­neklei­dung zur Ver­fü­gung. Für die Rei­ni­gung die­ser Klei­dung zieht sie ihm monat­lich 10,23 € vom Net­to­lohn ab. Der Arbeit­neh­mer begehr­te dar­auf­hin die Fest­stel­lung, dass die­se Abzü­ge unbe­rech­tigt sind, und ver­langt für die Mona­te Janu­ar 2011 bis Febru­ar 2014 wegen der bereits vor­ge­nom­me­nen Abzü­ge eine Lohn­nach­zah­lung in Höhe von 388,74 € net­to.

Das erst­in­stanz­lich hier­mit befass­te Arbeits­ge­richt hat der Kla­ge statt­ge­ge­ben, das Lan­des­ar­beits­ge­richt Nie­der­sach­sen hat die Beru­fung der Arbeit­ge­be­rin zurück­ge­wie­sen 1. Und auch die Revi­si­on der Arbeit­ge­be­rin hat­te nun vor dem Bun­des­ar­beits­ge­richt kei­nen Erfolg:

Der Arbeit­neh­mer ist nicht ver­pflich­tet, die Kos­ten der Rei­ni­gung der Hygi­e­neklei­dung zu tra­gen und die­se der Arbeit­ge­be­rin gemäß § 670 BGB zu erstat­ten. Die Vor­schrift beruht auf dem all­ge­mei­nen Grund­satz, dass die Kos­ten von dem­je­ni­gen zu tra­gen sind, in des­sen Inter­es­se das Geschäft oder die Hand­lung vor­ge­nom­men wur­de.

Die Arbeit­ge­be­rin hat die Rei­ni­gungs­kos­ten nicht im Inter­es­se des Arbeit­neh­mers, son­dern im Eigen­in­ter­es­se auf­ge­wen­det. Nach Anhang II Kapi­tel VIII Nr. 1 der Ver­ord­nung (EG) Nr. 852/​2004 vom 29. April 2004 über Lebens­mit­tel­hy­gie­ne und gemäß Nr. 3 Buchst. b der Anla­ge 2 zu § 5 Abs. 1 Satz 1 der natio­na­len Lebens­mit­tel­hy­gie­ne-Ver­ord­nung müs­sen Per­so­nen, die in einem Bereich arbei­ten, in dem mit Lebens­mit­teln umge­gan­gen wird, geeig­ne­te und sau­be­re Arbeits­klei­dung tra­gen. Nach Nr. 5.1 der Anla­ge 1.1 der AVV Lebens­mit­tel­hy­gie­ne ist die Arbeits­klei­dung geeig­net, wenn sie hell, leicht wasch­bar und sau­ber ist und die per­sön­li­che Klei­dung voll­stän­dig bedeckt.

Das Bun­des­ar­beits­ge­richt muss­te nicht ent­schei­den, ob der Arbeit­ge­ber mit dem Arbeit­neh­mer wirk­sam ver­ein­ba­ren kann, dass der Arbeit­neh­mer die Kos­ten der Rei­ni­gung zu tra­gen hat. Eine sol­che Ver­ein­ba­rung wur­de hier weder aus­drück­lich noch kon­klu­dent getrof­fen.

Bun­des­ar­beits­ge­richt, Urteil vom 14. Juni 2016 – 9 AZR 181/​15

  1. LAG Nie­der­sach­sen, Urteil vom 03.02.2015 – 11 Sa 1238/​14[]