Kei­ne Staa­ten­im­mu­ni­tät für grie­chi­sche Schu­len

Die Repu­blik Grie­chen­land genießt für ihre in Deutsch­land bestehen­den grie­chi­schen Schu­len in Bezug auf das Arbeits­ver­hält­nis der deut­schen Lehr­kräf­te kei­ne Staa­ten­im­mu­ni­tät.

Kei­ne Staa­ten­im­mu­ni­tät für grie­chi­sche Schu­len

Nach § 20 Abs. 2 GVG iVm. dem als Bun­des­recht gel­ten­den All­ge­mei­nen Völ­ker­ge­wohn­heits­recht (Art. 25 GG) sind Staa­ten der Gerichts­bar­keit ande­rer Staa­ten inso­weit nicht unter­wor­fen, als ihre hoheit­li­che Tätig­keit von einem Rechts­streit betrof­fen ist. Es ist mit dem Prin­zip der sou­ve­rä­nen Gleich­heit von Staa­ten und dem dar­aus abge­lei­te­ten Rechts­prin­zip, dass Staa­ten nicht über­ein­an­der zu Gericht sit­zen, nicht zu ver­ein­ba­ren, wenn ein deut­sches Gericht hoheit­li­ches Han­deln eines ande­ren Staa­tes recht­lich über­prü­fen wür­de 1.

Die Abgren­zung zwi­schen hoheit­li­cher und nicht-hoheit­li­cher Staats­tä­tig­keit rich­tet sich nach der Natur der staat­li­chen Hand­lung oder des ent­stan­de­nen Rechts­ver­hält­nis­ses. Es kommt dar­auf an, ob der aus­län­di­sche Staat in Aus­übung der ihm zuste­hen­den Hoheits­ge­walt und damit öffent­lich-recht­lich oder wie eine Pri­vat­per­son, also pri­vat­recht­lich, tätig gewor­den ist. Man­gels völ­ker­recht­li­cher Unter­schei­dungs­merk­ma­le ist die­se Abgren­zung grund­sätz­lich nach dem Recht des ent­schei­den­den Gerichts zu beur­tei­len. Stets hoheit­lich ist ledig­lich das staat­li­che Han­deln, das dem Kern­be­reich der Staats­ge­walt zuzu­rech­nen ist. Dazu gehö­ren die Betä­ti­gung der aus­wär­ti­gen und mili­tä­ri­schen Gewalt, die Gesetz­ge­bung, die Aus­übung der Poli­zei­ge­walt und die Rechts­pfle­ge 2.

Geht es – wie hier – um eine Strei­tig­keit aus einem Arbeits­ver­hält­nis, kommt es grund­sätz­lich dar­auf an, ob die dem Arbeit­neh­mer über­tra­ge­nen Auf­ga­ben ihrer Natur nach hoheit­lich oder nicht-hoheit­lich sind; ent­schei­dend ist der Inhalt der aus­ge­üb­ten Tätig­keit 3.

Nach die­sen Grund­sät­zen ist die beklag­te Repu­blik Grie­chen­land im Streit­fall nicht wegen ihrer Staa­ten­im­mu­ni­tät von der deut­schen Gerichts­bar­keit befreit. Die Leh­re­rin nimmt als Leh­re­rin an der Grie­chi­schen Schu­le in B kei­ne hoheit­li­chen Auf­ga­ben wahr.

Es kann dahin­ste­hen, ob grie­chi­sches Recht die Tätig­keit eines Leh­rers an einer Schu­le in Grie­chen­land als hoheit­li­che Tätig­keit ein­stuft. Nach dem für die Beur­tei­lung der Tätig­keit der Leh­re­rin auf deut­schem Hoheits­ge­biet allein maß­geb­li­chen deut­schen Recht neh­men Leh­rer nicht schwer­punkt­mä­ßig hoheit­lich gepräg­te Auf­ga­ben wahr, deren Aus­übung nach Art. 33 Abs. 4 GG regel­mä­ßig Beam­ten vor­be­hal­ten ist 4. Inner­staat­lich sind auch an öffent­li­chen Schu­len zahl­rei­che Lehr­kräf­te im Arbeits­ver­hält­nis tätig. Zudem ver­rich­tet die Leh­re­rin bei der Beklag­ten die glei­che Tätig­keit, die sie zuvor bei der Grie­chi­schen Gemein­de in B, einem pri­vat­recht­li­chen ein­ge­tra­ge­nen Ver­ein, inne­hat­te.

Die Lehr­tä­tig­keit der Leh­re­rin wird nicht des­halb zu einer hoheit­li­chen Auf­ga­be, weil die beklag­te Repu­blik Grie­chen­land Schul­trä­ger ist. Die Grie­chi­sche Schu­le in B ist nach den Fest­stel­lun­gen des Lan­des­ar­beits­ge­richts eine vom Land Nord­rhein-West­fa­len aner­kann­te Ergän­zungs­schu­le. Als sol­che unter­liegt sie einer in Art. 7 Abs. 1 GG ange­leg­ten detail­lier­ten Auf­sicht durch den deut­schen Staat. Eine aner­kann­te aus­län­di­sche Ergän­zungs­schu­le im Sin­ne von § 118 Abs. 3 SchulG NRW erlangt die­sen Sta­tus erst durch Ver­lei­hung des Minis­te­ri­ums. Trä­ger, Lei­te­rin­nen und Lei­ter sowie Leh­re­rin­nen und Leh­rer von Ergän­zungs­schu­len müs­sen die erfor­der­li­che per­sön­li­che Zuver­läs­sig­keit besit­zen und Gewähr dafür bie­ten, dass Unter­richt und Erzie­hung und die dabei ver­wen­de­ten Lehr- und Lern­mit­tel nicht gegen die ver­fas­sungs­mä­ßi­ge Ord­nung ver­sto­ßen, § 116 Abs. 3 Satz 1 SchulG NRW. Der obers­ten Schul­auf­sichts­be­hör­de ist jeder­zeit Ein­blick in den Betrieb und die Ein­rich­tun­gen der Schu­le zu geben sowie die ange­for­der­ten Aus­künf­te zu ertei­len und Nach­wei­se zu erbrin­gen, § 116 Abs. 4 Satz 1 SchulG NRW. Zudem kann die obers­te Schul­auf­sichts­be­hör­de Errich­tung oder Fort­füh­rung einer Ergän­zungs­schu­le unter bestimm­ten Vor­aus­set­zun­gen unter­sa­gen, § 117 Abs. 1 Satz 1 SchulG NRW.

Die­se Vor­ga­ben des deut­schen natio­na­len Rechts schlie­ßen es aus, das Betrei­ben der Grie­chi­schen Schu­le in B und die Tätig­keit der dort unter­rich­ten­den ange­stell­ten Lehr­kräf­te dem hoheit­li­chen Han­deln der Beklag­ten zuzu­ord­nen.

Ande­re Zuläs­sig­keits­hin­der­nis­se bestehen nicht. Ins­be­son­de­re sind die deut­schen Gerich­te inter­na­tio­nal zustän­dig nach Art. 18 Abs. 1, Art.19 Nr. 2 a) EuGV­VO 5. Gewöhn­li­cher Arbeits­ort der Leh­re­rin ist B. Der für die Anwen­dung der EuGV­VO erfor­der­li­che Aus­lands­be­zug 6 ergibt sich dar­aus, dass die Beklag­te ein aus­län­di­scher Staat ohne "Sitz" im Inland ist.

  1. vgl. BVerfG 6.12.2006 – 2 BvM 9/​03, zu C II 2 a der Grün­de, BVerfGE 117, 141; BAG 14.02.2013 – 3 AZB 5/​12, Rn. 14 mwN[]
  2. BAG 14.02.2013 – 3 AZB 5/​12, Rn. 15 f. mwN[]
  3. BAG 14.02.2013 – 3 AZB 5/​12, Rn. 17 mwN; 15.02.2005 – 9 AZR 116/​04, zu A I 2 b der Grün­de mwN, BAGE 113, 327[]
  4. BVerfG 19.09.2007 – 2 BvF 3/​02, zu C I 2 c der Grün­de, BVerfGE 119, 247; BAG 14.02.2013 – 3 AZB 5/​12, Rn.20[]
  5. Ver­ord­nung (EG) Nr. 44/​2001 des Rates vom 22.12.2000 über die gericht­li­che Zustän­dig­keit und die Aner­ken­nung und Voll­stre­ckung von Ent­schei­dun­gen in Zivil- und Han­dels­sa­chen[]
  6. vgl. dazu EuGH 17.11.2011 – C‑327/​10 [Lind­ner]. Rn. 29; BAG 13.12.2012 – 6 AZR 752/​11, Rn. 21[]