Lei­ten­de Ange­stell­te

Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts 1 ist lei­ten­der Ange­stell­ter im Sin­ne von § 5 Abs. 3 Satz 2 Nr. 3 BetrVG, wer nach Arbeits­ver­trag und Stel­lung im Unter­neh­men oder im Betrieb regel­mä­ßig sons­ti­ge Auf­ga­ben wahr­nimmt, die für den Bestand und die Ent­wick­lung des Unter­neh­mens oder eines Betriebs von Bedeu­tung sind und deren Erfül­lung beson­de­re Erfah­run­gen und Kennt­nis­se vor­aus­setzt, wenn er dabei ent­we­der die Ent­schei­dun­gen im Wesent­li­chen frei von Wei­sun­gen trifft oder sie maß­geb­lich beein­flusst.

Lei­ten­de Ange­stell­te

Dies erfor­dert die Wahr­neh­mung typisch unter­neh­me­ri­scher (Teil-)Aufgaben, so dass grund­sätz­lich Tätig­kei­ten aus dem Bereich der wirt­schaft­li­chen, tech­ni­schen, kauf­män­ni­schen, orga­ni­sa­to­ri­schen, per­so­nel­len und wis­sen­schaft­li­chen Lei­tung des Unter­neh­mens in Betracht kom­men 2.

Vor­aus­set­zung für die Wahr­neh­mung einer unter­neh­me­ri­schen (Teil-)Aufgabe ist, dass dem lei­ten­den Ange­stell­ten recht­lich und tat­säch­lich ein eige­ner und erheb­li­cher Ent­schei­dungs­spiel­raum zur Ver­fü­gung steht, das heißt er muss mit weit­ge­hen­der Wei­sungs­frei­heit und Selbst­be­stim­mung sei­nen Tätig­keits­be­reich wahr­neh­men und kraft sei­ner lei­ten­den Funk­ti­on maß­geb­li­chen Ein­fluss auf die Unter­neh­mens­füh­rung aus­üben 3.

Der nach § 5 Abs. 3 Satz 2 Nr. 3 BetrVG erfor­der­li­che Ein­fluss auf die Unter­neh­mens­füh­rung kann dar­in bestehen, dass der lei­ten­de Ange­stell­te selbst die Ent­schei­dun­gen trifft, aber auch dar­in, dass er kraft sei­ner Schlüs­sel­po­si­ti­on Vor­aus­set­zun­gen schafft, an denen die Unter­neh­mens­lei­tung schlech­ter­dings nicht vor­bei­ge­hen kann. Je tie­fer die Ent­schei­dungs­stu­fe in der Unter­neh­mens­hier­ar­chie liegt, auf der der Ange­stell­te unter­neh­mens- oder betriebs­lei­ten­de Auf­ga­ben­stel­lun­gen erfüllt, um so grö­ßer ist die Wahr­schein­lich­keit, dass wesent­li­che unter­neh­me­ri­sche Ent­schei­dungs­spiel­räu­me auf den höhe­ren Ent­schei­dungs­stu­fen bereits ver­braucht wur­den.

Von wel­cher Dele­ga­ti­ons­stu­fe ab lei­ten­de Ange­stell­te im Unter­neh­men nicht mehr beschäf­tigt wer­den, lässt sich nur im jewei­li­gen Ein­zel­fall bestim­men. Der maß­geb­li­che Ein­fluss fehlt jeden­falls dann, wenn der Ange­stell­te nur bei der rei­nen arbeits­tech­ni­schen, vor­be­stimm­ten Durch­füh­rung unter­neh­me­ri­scher Ent­schei­dun­gen ein­ge­schal­tet wird, etwa im Rah­men von Auf­sichts- oder Über­wa­chungs­funk­tio­nen 4.

Lan­des­ar­beits­ge­richt Baden ‑Würt­tem­berg, Beschluss vom 27. Novem­ber 2013 – 13 TaBV 8/​13

  1. vgl. BAG 29.06.2011 – 7 ABR 5/​10 – AP BetrVG 1972 § 5 Nr. 75, NZA-RR 2011, 647 ff.; BAG 25.03.2009 – 7 ABR 2/​08 – AP BetrVG § 5 Nr. 73, NZA 2009, 1296 ff.[]
  2. st. Rspr., vgl. etwa BAG 29.01.1980 – 1 ABR 45/​79BAGE 32, 381, AP BetrVG 1972 § 5 Nr. 22, EzA BetrVG 1972 § 5 Nr. 35[]
  3. BAG 6.12 2001 – 2 AZR 733/​00 – zu B II 3 a aa der Grün­de, AP ZPO § 263 Nr. 3, EzA BetrVG 1972 § 5 Nr. 65[]
  4. BAG 6.12 2001 – 2 AZR 733/​00 – zu B II 3 a cc der Grün­de mwN, aaO[]