Pflich­ten eines Betriebs­rats

Ein Betriebs­rat ver­letzt grob sei­ne gesetz­li­chen Pflich­ten, wenn er kei­ne dem Gesetz ent­spre­chen­den Betriebs­ver­samm­lun­gen und Abtei­lungs­ver­samm­lun­gen durch­führt. Ein Betriebs­rat, der ziel­ge­rich­tet im Gesetz ver­an­ker­te Rech­te einer im Betrieb ver­tre­te­nen Gewerk­schaft ver­ei­telt, ist nicht mehr trag­bar und muss auf­ge­löst wer­den.

Pflich­ten eines Betriebs­rats

So hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt Baden-Würt­tem­berg in dem hier vor­lie­gen­den Fall der Fir­ma Kärcher ent­schie­den und die Beschwer­den gegen einen Beschluss des Arbeits­ge­richts Stutt­gart 1 zurück­ge­wie­sen. Nach­dem auf Antrag der IG Metall der Betriebs­rat durch das Arbeits­ge­richt Stutt­gart auf­ge­löst wor­den ist, haben sowohl die Fir­ma Kärcher als auch der betrof­fe­ne Betriebs­rat dage­gen Beschwer­de ein­ge­legt.

In sei­ner Ent­schei­dung hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt Baden-Würt­tem­berg dar­auf abge­stellt, dass nach dem Betriebs­ver­fas­sungs­ge­setz der Betriebs­rat ein­mal im Kalen­der­vier­tel­jahr eine Betriebs­ver­samm­lung ein­zu­be­ru­fen hat und in ihr einen Tätig­keits­be­richt zu erstat­ten hat. Arbeit-neh­mer orga­ni­sa­to­risch oder räum­lich abge­grenz­ter Betriebs­tei­le sind vom Betriebs­rat zu Abtei­lungs­ver­samm­lun­gen zusam­men­zu­fas­sen, wenn dies für die För­de­rung der beson­de­ren Belan­ge der Arbeit­neh­mer erfor­der­lich ist. Wenn die­se Vor­aus­set­zun­gen vor­lie­gen, hat der Betriebs­rat in jedem Kalen­der­jahr zwei der vier Betriebs­ver­samm­lun­gen als Abtei­lungs­ver­samm­lun­gen durch­zu­füh­ren. Auf Antrag einer im Betrieb ver­tre­te­nen Gewerk­schaft muss der Betriebs­rat vor Ablauf von zwei Wochen nach Ein­gang des Antrags eine Betriebs­ver­samm­lung ein­be­ru­fen, wenn im vor­her­ge­gan­ge­nen Kalen­der­halb­jahr kei­ne Betriebs­ver­samm­lung und kei­ne Abtei­lungs­ver­samm­lun­gen durch­ge­führt wor­den sind. Zeit­punkt und Tages­ord­nung der Betriebs- oder Abtei­lungs­ver­samm­lun­gen sind den im Betriebs­rat ver­tre­te­nen Gewerk­schaf­ten recht­zei­tig schrift­lich mit­zu­tei­len.

Das Lan­des­ar­beits­ge­richt ist zu der Über­zeu­gung gekom­men, dass der Betriebs­rat bei der Fir­ma Kärcher gegen die­se Pflich­ten vor­sätz­lich ver­sto­ßen hat. So habe der Betriebs­rats­vor­sit­zen­de ohne Beschluss des Betriebs­rats am 05.11.2012 dem 1. Bevoll­mäch­tig­ten der IG Metall Ver­wal­tungs­stel­le Waib­lin­gen mit­ge­teilt, am 11.12.2012 fin­de in der Her­mann-Schwab-Hal­le in Win­nen­den eine Betriebs­ver­samm­lung statt. Am 22.11.2012 habe der Betriebs­rat beschlos­sen, die­se Betriebs­ver­samm­lung nicht durch­zu­füh­ren. Dies sei der IG Metall erst am 26.11.2012 mit­ge­teilt wor­den. Zu der vom Betriebs­rat behaup­te­ten Betriebs­ver­samm­lung, die der Jah­res­fei­er der Fir­ma Kärcher in der Alfred-Kärcher-Hal­le der Stutt­gar­ter Mes­se am 23.11.2011 vor­an­ge­gan­gen sei, sei die IG Metall nicht ein­ge­la­den wor­den. Die­se Ver­an­stal­tung habe genau­so wenig wie die vom Betriebs­rat behaup­te­ten Abtei­lungs­ver­samm­lun­gen die Vor­aus­set­zun­gen einer Betriebs­ver­samm­lung im Sin­ne des Betriebs­ver­fas­sungs­ge­set­zes erfüllt. Aus dem Rede­aus­zug des Betriebs­rats­vor­sit­zen­den auf der Ver­an­stal­tung am 23.11.2011 fol­ge die Absicht des Betriebs­rats, die IG Metall aus der Fir­ma Kärcher fern­zu­hal­ten. Ein Betriebs­rat, der so ziel­ge­rich­tet im Gesetz ver­an­ker­te Rech­te einer im Betrieb ver­tre­te­nen Gewerk­schaft ver­ei­te­le, sei nicht mehr trag­bar und müs­se auf­ge­löst wer­den.

Lan­des­ar­beits­ge­richt Baden-Würt­tem­berg, Beschluss vom 13. März 2014 – 6 TaBV 5/​13

  1. ArbG Stut­gart, Beschluss vom 24.07.2013 – 20 BV 13/​13[]