Regel­mä­ßi­ge oder unre­gel­mä­ßi­ge Nacht­ar­beit – und die Höhe des Nachtarbeitszuschlags

Tarif­ver­trag­li­che Rege­lun­gen, die für unre­gel­mä­ßi­ge Nacht­ar­beit einen höhe­ren Aus­gleich vor­se­hen als für regel­mä­ßi­ge Nacht­ar­beit, wer­fen Fra­gen nach der Aus­le­gung von Uni­ons­recht auf. Die­se Fra­gen sol­len nun durch den Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on geklärt wer­den, an den das Bun­des­ar­beits­ge­richt ein Vor­ab­ent­schei­dungs­er­su­chen gerich­tet hat.

Regel­mä­ßi­ge oder unre­gel­mä­ßi­ge Nacht­ar­beit – und die Höhe des Nachtarbeitszuschlags

Der Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on wird nach Art. 267 AEUV um Vor­ab­ent­schei­dung über die Fra­gen ersucht:

  1. Wird mit einer tarif­ver­trag­li­chen Rege­lung die Arbeits­zeit­richt­li­nie 2003/​88/​EG im Sinn von Art. 51 Abs. 1 Satz 1 der Char­ta der Grund­rech­te der Euro­päi­schen Uni­on durch­ge­führt, wenn die tarif­ver­trag­li­che Rege­lung für unre­gel­mä­ßi­ge Nacht­ar­beit einen höhe­ren Aus­gleich vor­sieht als für regel­mä­ßi­ge Nachtarbeit?
  2. Sofern die Fra­ge zu 1. bejaht wird: Ist eine tarif­ver­trag­li­che Rege­lung mit Art. 20 der Char­ta der Grund­rech­te der Euro­päi­schen Uni­on ver­ein­bar, die für unre­gel­mä­ßi­ge Nacht­ar­beit einen höhe­ren Aus­gleich vor­sieht als für regel­mä­ßi­ge Nacht­ar­beit, wenn damit neben den gesund­heit­li­chen Beein­träch­ti­gun­gen durch die Nacht­ar­beit auch Belas­tun­gen wegen der schlech­te­ren Plan­bar­keit von unre­gel­mä­ßi­ger Nacht­ar­beit aus­ge­gli­chen wer­den sollen?

Auf das hier streit­ge­gen­ständ­li­che Arbeits­ver­hält­nis der Par­tei­en ist der Man­tel­ta­rif­ver­trag zwi­schen dem Ver­band der Erfri­schungs­ge­trän­ke-Indus­trie Ber­lin und Regi­on Ost e. V. und der Gewerk­schaft Nah­rung-Genuss-Gast­stät­ten Haupt­ver­wal­tung vom 24. März 1998 anzu­wen­den. Der Tarif­ver­trag regelt, dass der Zuschlag für regel­mä­ßi­ge Nacht­ar­beit 20% und für unre­gel­mä­ßi­ge Nacht­ar­beit 50% der Stun­den­ver­gü­tung beträgt. Die Arbeit­neh­me­rin leis­te­te Nacht­ar­beit in einem Schicht­mo­dell und erhielt dafür einen Zuschlag von 20%. Sie ist der Auf­fas­sung, die unter­schied­li­che Höhe der Nacht­ar­beits­zu­schlä­ge ver­sto­ße gegen den all­ge­mei­nen Gleich­heits­satz des Art. 3 Abs. 1 GG. Ein sach­li­cher Grund für die unter­schied­li­che Behand­lung bestehe nicht.

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Das Arbeits­ge­richt hat die Kla­ge abge­wie­sen. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg dage­gen hat der Kla­ge teil­wei­se statt­ge­ge­ben1. Im nun­mehr bei im anhän­gi­gen Revi­si­ons­ver­fah­ren ersucht nun das Bun­des­ar­beits­ge­richt den Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on, Fra­gen nach der Aus­le­gung von Uni­ons­recht zu beantworten:

  • Füh­ren tarif­ver­trag­li­che Rege­lun­gen die Arbeits­zeit­richt­li­nie 2003/​88/​EG im Sinn von Art. 51 Abs. 1 Satz 1 der Char­ta der Grund­rech­te der Euro­päi­schen Uni­on durch, wenn sie unter­schied­lich hohe Zuschlä­ge für regel­mä­ßi­ge und unre­gel­mä­ßi­ge Nacht­ar­beit enthalten?
  • Ist eine tarif­ver­trag­li­che Rege­lung gleich­be­hand­lungs­wid­rig nach Art. 20 der EU-Grund­rech­te­Char­ta, die für unre­gel­mä­ßi­ge Nacht­ar­beit einen höhe­ren Zuschlag vor­sieht, wenn damit neben den gesund­heit­li­chen Beein­träch­ti­gun­gen durch Nacht­ar­beit auch Belas­tun­gen wegen der schlech­te­ren Plan­bar­keit der Arbeits­zeit aus­ge­gli­chen wer­den sollen?

Bun­des­ar­beits­ge­richt, Beschluss vom 9. Dezem­ber 2020 – 10 AZR 332/​20 (A)

  1. LAG Ber­lin-Bran­den­burg, Urteil vom 12.06.2020 – 8 Sa 2030/​19[]

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