Streik – und die noch bestehen­de Frie­dens­pflicht

Streik­maß­nah­men sind rechts­wid­rig, wenn die Gewerk­schaft mit ihnen eine tarif­ver­trag­lich geson­dert ver­ein­bar­te Frie­dens­pflicht ver­letzt.

Streik – und die noch bestehen­de Frie­dens­pflicht

Mit dem Abschluss eines Tarif­ver­trags und der sich dar­aus erge­ben­den Frie­dens­pflicht begrün­den die Tarif­ver­trags­par­tei­en regel­mä­ßig eine Beschrän­kung ihrer Arbeits­kampf­frei­heit.

Deren sach­li­che Reich­wei­te ist durch Aus­le­gung der tarif­li­chen Rege­lun­gen zu ermit­teln. Haben die Tarif­ver­trags­par­tei­en eine bestimm­te Sach­ma­te­rie erkenn­bar umfas­send gere­gelt, ist davon aus­zu­ge­hen, dass sie die­sen Bereich der Frie­dens­pflicht unter­wer­fen und für die Lauf­zeit des Tarif­ver­trags die kampf­wei­se Durch­set­zung wei­te­rer Rege­lun­gen unter­bin­den woll­ten, die in einem sach­li­chen inne­ren Zusam­men­hang mit dem befrie­de­ten Bereich ste­hen 1.

Die­se rela­ti­ve Frie­dens­pflicht ist – auch ohne beson­de­re Ver­ein­ba­rung – dem Tarif­ver­trag als einer Frie­dens­ord­nung imma­nent 2. Mit Ablauf der ver­ein­bar­ten Dau­er oder der Kün­di­gungs­frist für eine tarif­li­che Bestim­mung endet die mit ihr ver­bun­de­ne rela­ti­ve Frie­dens­pflicht für die betei­lig­ten Tarif­ver­trags­par­tei­en 3.

Die Tarif­ver­trags­par­tei­en kön­nen die Reich­wei­te der Frie­dens­pflicht aber auch geson­dert ver­ein­ba­ren und auf Sach­ma­te­ri­en bezie­hen, die nicht tarif­ver­trag­lich gere­gelt sind oder mit der Rege­lungs­ma­te­rie in kei­nem engen sach­li­chen Zusam­men­hang ste­hen 4.

Bun­des­ar­beits­ge­richt, Urteil vom 26. Juli 2016 – 1 AZR 160/​14

  1. BAG 18.02.2003 – 1 AZR 142/​02, zu D I der Grün­de, BAGE 105, 5[]
  2. vgl. BAG 19.06.2007 – 1 AZR 396/​06, Rn. 18, BAGE 123, 134[]
  3. BAG 24.04.2007 – 1 AZR 252/​06, Rn. 64, BAGE 122, 134[]
  4. vgl. Pfohl Die Frie­dens­pflicht der Tarif­ver­trags­par­tei­en Diss.2010 S. 32 f.[]