Teil­kün­di­gung eines Tarif­ver­tra­ges

Ein Tarif­ver­trag ist regel­mä­ßig nur als Gan­zes künd­bar. Zuläs­sig ist sei­ne Teil­kün­di­gung nur bei einer aus­drück­li­chen Ver­ein­ba­rung.

Teil­kün­di­gung eines Tarif­ver­tra­ges

Geht aus der ver­ein­bar­ten Zulas­sung mit der gebo­te­nen Klar­heit her­vor, auf wel­che kon­kre­ten Bestim­mun­gen oder Tei­le des jewei­li­gen Tarif­ver­trags sich die Mög­lich­keit der Teil­kün­di­gung bezie­hen soll, begeg­nen ihr kei­ne recht­li­chen Beden­ken 1.

Das war in dem hier vom Bun­des­ar­beits­ge­richt ent­schie­den Streit­fall gege­ben: § 12 Abs. 1 Satz 2 und Satz 3 TV Apron Con­trol legt eine Künd­bar­keit sei­ner Rege­lun­gen mit einer Frist von sechs Mona­ten zum Quar­tals­en­de – in §§ 5 bis 8 erst­ma­lig zum 31.12 2017 und im Übri­gen erst­ma­lig zum 31.12 2011 – fest. In den unter­schied­li­chen Kün­di­gungs­ter­mi­nen drückt sich aus, dass die Tarif­ver­trags­par­tei­en die Zuläs­sig­keit einer nur auf Tei­le des TV Apron Con­trol bezo­ge­nen Kün­di­gung ver­ab­re­det haben. Nach dem Wort­laut und sys­te­ma­ti­schen Zusam­men­hang der Ver­ein­ba­rung ist auch hin­rei­chend klar, auf wel­che Bestim­mun­gen sich die unter­schied­li­chen Kün­di­gungs­mög­lich­kei­ten bezie­hen: Einer­seits auf §§ 5 bis 8 TV Apron Con­trol und ande­rer­seits auf den TV Apron Con­trol "im Übri­gen". Im buch­stäb­li­chen Sinn beinhal­tet der Aus­druck "im Übri­gen" einen Bezug auf all jenes, was nicht beson­ders aus­ge­wie­sen ist. Dies ist der mit "Rege­lun­gen in § 5 bis § 8" beschrie­be­ne Teil des Tarif­werks, zu denen – dies gebie­ten Gesichts­punk­te der Sys­te­ma­tik und Prak­ti­ka­bi­li­tät – jene tarif­li­chen Bestim­mun­gen gehö­ren, die auf die­sen Rege­lungs­kom­plex Bezug neh­men oder mit ihm in untrenn­ba­rem Zusam­men­hang ste­hen. Dazu gehö­ren jeden­falls die Gel­tungs­be­reichs­fest­le­gung in § 1 Abs. 1 TV Apron Con­trol, die für §§ 5 bis 8 TV Apron Con­trol fest­ge­leg­te (län­ge­re) Kün­di­gungs­frist des § 12 Abs. 1 Satz 2 TV Apron Con­trol und die in § 12 Abs. 2 TV Apron Con­trol aus­ge­drück­te Eini­gung auf "abschlie­ßen­de Rege­lun­gen" sowie die Reich­wei­te der Frie­dens­pflicht. Mit der Ver­stän­di­gung dar­über, der Rege­lungs­be­reich nach §§ 5 bis 8 TV Apron Con­trol sol­le einer ande­ren Kün­di­gungs­mo­da­li­tät unter­lie­gen als der Tarif­ver­trag im Übri­gen, haben die Tarif­ver­trags­par­tei­en dies klar vor­ge­ge­ben. Die Rege­lun­gen über die Teil­kün­di­gung ent­beh­ren nicht bereits schon des­halb der not­wen­di­gen Klar­heit, weil sich die arbeits- und die lan­des­ar­beits­ge­richt­li­chen Wer­tun­gen hin­sicht­lich gekün­dig­ter und unge­kün­dig­ter Tarif­be­stim­mun­gen nicht voll­stän­dig decken.

Bun­des­ar­beits­ge­richt, Urteil vom 26. Juli 2016 – 1 AZR 160/​14

  1. vgl. BAG 3.05.2006 – 4 AZR 795/​05, Rn.20, BAGE 118, 159[]