Zuord­nungs­ent­schei­dung beim Vor­steu­er­ab­zug eines gemischt genutz­ten Gebäu­des

Ist ein Gegen­stand ‑wie im Streit­fall ein ehe­ma­li­ges Ein­fa­mi­li­en­haus, das zu einem Haus mit meh­re­ren, teil­wei­se selbst­ge­nutz­ten, teil­wei­se zur Ver­mie­tung bestimm­ten Appar­te­ments umge­baut wur­de- sowohl für den unter­neh­me­ri­schen als auch für den nicht­un­ter­neh­me­ri­schen Bereich des Unter­neh­mers vor­ge­se­hen (gemisch­te Nut­zung), wird der Gegen­stand nur dann für das Unter­neh­men bezo­gen, wenn und soweit der Unter­neh­mer ihn sei­nem Unter­neh­men zuord­net 1.

Zuord­nungs­ent­schei­dung beim Vor­steu­er­ab­zug eines gemischt genutz­ten Gebäu­des

Inso­weit hat der Unter­neh­mer nach stän­di­ger Recht­spre­chung des Gerichts­hofs der Euro­päi­schen Uni­on und des Bun­des­fi­nanz­hofs ein Zuord­nungs­wahl­recht. Er kann den Gegen­stand ins­ge­samt sei­nem Unter­neh­men zuord­nen oder ihn in vol­lem Umfang in sei­nem Pri­vat­ver­mö­gen belas­sen oder den Gegen­stand ent­spre­chend dem ‑geschätz­ten- unter­neh­me­ri­schen Nut­zungs­an­teil sei­nem Unter­neh­men und im Übri­gen sei­nem nicht­un­ter­neh­me­ri­schen Bereich zuord­nen 2. Zuord­nungs­ge­gen­stand sind nicht die ein­zel­nen Appar­te­ments, son­dern das gesam­te, gemischt genutz­te Gebäu­de. Nach der Wür­di­gung des Finanz­ge­richt kön­nen die Appar­te­ments inner­halb eines ein­heit­li­chen Wohn­ge­bäu­des auch nicht mit einem Anbau ver­gli­chen wer­den, der zu dem übri­gen Gebäu­de abgrenz­bar ist und mit dem kein ein­heit­li­cher Funk­ti­ons- und Nut­zungs­zu­sam­men­hang besteht 3.

Eine Zuord­nung des Gebäu­des zum Unter­neh­mens­ver­mö­gen kann nicht ent­spre­chend der frü­he­ren Ver­wal­tungs­an­wei­sung in Abschn.192 Abs. 18 Nr. 2 Buchst. b UStR 2000 bei unter­neh­me­ri­scher Nut­zung unter­stellt wer­den 4. Für eine der­ar­ti­ge Zuord­nungs­fik­ti­on fehlt nicht nur eine gesetz­li­che Grund­la­ge, sie wider­spricht auch der stän­di­gen BFH-Recht­spre­chung, wonach bei feh­len­den Beweis­an­zei­chen für eine Zuord­nung zum Unter­neh­men die­se Zuord­nung nicht unter­stellt wer­den kann 5. Der Bun­des­fi­nanz­hof hat auch bereits ent­schie­den, dass die­se ‑im Übri­gen bereits mit Erlass des Bun­des­mi­nis­te­ri­ums der Finan­zen vom 30. März 2004 6 längst auf­ge­ho­be­ne- Rege­lung als nor­min­ter­pre­tie­ren­de Ver­wal­tungs­re­ge­lung von den Gerich­ten bei der Steu­er­fest­set­zung nicht wegen des Grund­sat­zes der Selbst­bin­dung der Ver­wal­tung zu beach­ten ist 7.

Das­sel­be gilt auch für den Zeit­punkt der "zeit­nah" zu tref­fen­den Zuord­nungs­ent­schei­dung, den der Bun­des­fi­nanz­hof durch Bezug­nah­me auf den Ablauf des 31.05.des Fol­ge­jah­res kon­kre­ti­siert hat 8. Zwar ent­hält der Umsatz­steu­er-Anwen­dungs­er­lass 9, in der die Ver­wal­tung die BFH-Recht­spre­chung zum Zuord­nungs­zeit­punkt "31.05.des Fol­ge­jah­res" über­nom­men hat, eine Über­gangs­re­ge­lung für Leis­tun­gen bis zum 31.12 2013, wäh­rend Abschn. 15.2, Abschn. 21b UStAE von 2010 bis 2013 noch eine Zuord­nungs­ent­schei­dung im Rah­men der Abga­be der Jah­res­er­klä­rung ohne zeit­li­che Gren­ze genü­gen ließ. Es ist jedoch geklärt, dass Ver­wal­tungs­er­las­se die Gerich­te im Fest­set­zungs­ver­fah­ren nicht bin­den 10.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 25. Febru­ar 2014 – V B 75/​13

  1. vgl. EuGH, Urteil vom 08.03.2001 – C‑415/​98, Bak­csi, Slg. 2001, I‑1831, BFH/​NV Bei­la­ge 2001, 52, Leit­satz 1, sowie Rdnr. 25[]
  2. vgl. EuGH, Urtei­le vom 11.07.1991 – C‑97/​90, Lenn­artz, Slg. 1991, I‑3795; vom 04.10.1995 – C‑291/​92, Arm­brecht, Slg. 1995, I‑2775; Bak­csi in Slg. 2001, I‑1831, BFH/​NV Bei­la­ge 2001, 52; BFH, Urtei­le vom 11.07.2012 – XI R 17/​09, BFH/​NV 2013, 266; vom 12.01.2011 – XI R 9/​08, BFHE 232, 254, BSt­Bl II 2012, 58; vom 17.12 2008 – XI R 64/​06, BFH/​NV 2009, 798; vom 11.04.2008 – V R 10/​07, BFHE 221, 456, BSt­Bl II 2009, 741[]
  3. BFH, Urteil vom 23.09.2009 – XI R 18/​08, BFHE 227, 226, BSt­Bl II 2010, 313[]
  4. BFH, Urteil in BFHE 234, 519, BSt­Bl II 2014, 76[]
  5. EuGH, Urteil Bak­csi in Slg. 2001, I‑1831; BFH, Urtei­le in BFHE 221, 456, BSt­Bl II 2009, 741; vom 28.02.2002 – V R 25/​96, BFHE 198, 216, BSt­Bl II 2003, 815, unter II. 2.[]
  6. BMF, Schrei­ben vom 30.03.2004, BSt­Bl I 2004, 451[]
  7. BFH, Urtei­le vom 05.09.2013 – XI R 4/​10, BSt­Bl II 2014, 95; vom 21.02.2013 – V R 10/​12, BFH/​NV 2013, 1635[]
  8. BFH, Urtei­le in BFHE 234, 519, BSt­Bl II 2014, 76, und in BFH/​NV 2013, 266[]
  9. i.d.F. des BMF, Schrei­bens vom 02.01.2014, BSt­Bl I 2014, 119, Abschn. IV., Anwen­dungs­re­ge­lung[]
  10. BFH, Urteil vom 07.07.2011 – V R 21/​10, BFHE 234, 531, BSt­Bl II 2014, 81[]
  11. EuGH, Urtei­le Hade­rer vom 14.06.2007 – C‑445/​05, EU:C:2007:344, BFH/​NV Bei­la­ge 2007, 394; Eulitz, EU:C:2010:47, BFH/​NV 2010, 583[]