Die Vereinbarung eines anwaltlichen Stundenhonorars hält der Inhaltskontrolle nach § 307 Abs. 1 BGB auch dann stand, wenn es an einer aus der Intransparenz folgenden unangemessenen Benachteiligung (§ 307 Abs. 1 Satz 1 BGB) fehlt. Insoweit kann offenbleiben, ob infolge des bei der Beurteilung der Transparenz der Zeithonorarvereinbarung im Rechtsverkehr mit Unternehmern abweichenden Maßstabs1 eine Intransparenz (§ 307 Abs. 1 Satz 2 BGB) der Zeithonorarvereinbarung anzunehmen ist.
Allerdings ist eine zwischen einem Rechtsanwalt als Unternehmer (§ 14 Abs. 1 BGB) und dem Mandanten als Verbraucher (§ 13 BGB) in Allgemeinen Geschäftsbedingungen getroffene Zeithonorarvereinbarung dann im Sinne des § 307 Abs. 1 Satz 2 BGB intransparent, wenn nicht der Rechtsanwalt dem Mandanten vor Vertragsschluss Informationen an die Hand gibt, die es dem Mandanten ermöglichen, die Gesamtkosten der Rechtsdienstleistungen der Größenordnung nach einzuschätzen, oder sich verpflichtet, den Mandanten in angemessenen Zeitabständen Rechnungen oder regelmäßige Aufstellungen zu übermitteln, in denen die aufgewandten Arbeitsstunden ausgewiesen sind. Dies ergibt sich im Hinblick auf Art. 4 Abs. 2 der Richtlinie 93/13/EWG des Rates vom 05.04.1993 über missbräuchliche Klauseln in Verbraucherverträgen2 in seiner Auslegung durch den Gerichtshof der Europäischen Union im Urteil vom 12.01.20233 aus dem Grundsatz der richtlinienkonformen Auslegung von § 307 Abs. 1 Satz 2 BGB in Verbindung mit § 310 Abs. 3 Nr. 3 BGB4.
Die deshalb bestehende Intransparenz von Zeithonorarvereinbarungen von Rechtsanwälten bedingt aber nicht stets und ohne weiteres deren Unwirksamkeit nach § 307 Abs. 1 Satz 1 BGB5.
Bundesgerichtshof, Urteil vom 19. Februar 2026 – IX ZR 226/22
- vgl. BGH, Urteil vom 21.07.2010 – XII ZR 189/08, NJW 2010, 3152 Rn. 30; vom 14.05.2014 – VIII ZR 114/13, BGHZ 201, 230 Rn. 43 f; vom 08.10.2015 – I ZR 136/14, GRUR 2016, 606 Rn. 27[↩]
- ABl. EG L 95 S. 29[↩]
- EuGH, Urteil vom 12.01.2023 – C-395/21, D.V., ZIP 2023, 360 ff[↩]
- BGH, Urteil vom 12.09.2024 – IX ZR 65/23, BGHZ 241, 174 Rn.20[↩]
- vgl. BGH, Urteil vom 12.09.2024, aaO Rn. 21 ff; vom 08.05.2025 – IX ZR 90/23, NJW 2025, 2698 Rn. 33[↩]
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