Ein­stieg ins Berufs­le­ben: Tipps und Wis­sens­wer­tes für Jung­ju­ris­ten

Wer Jura stu­diert, hat oft­mals bereits eine Vor­stel­lung davon, wie die spä­te­re beruf­li­che Tätig­keit aus­se­hen soll: Arbei­ten in einer Kanz­lei mit Kol­le­gen oder das spä­te­re Eröff­nen einer eige­nen Kanz­lei sind belieb­te Optio­nen. Aller­dings ist ein erfolg­rei­cher Ein­stieg in den Beruf nicht auto­ma­tisch mit einem abge­schlos­se­nen Stu­di­um gewähr­leis­tet: Jung­ju­ris­ten müs­sen auf eini­ges ach­ten, was die Wahl des Arbeits­plat­zes, das Selbst­mar­ke­ting und die erfor­der­li­chen Ver­si­che­run­gen anbe­trifft.

Ein­stieg ins Berufs­le­ben: Tipps und Wis­sens­wer­tes für Jung­ju­ris­ten

Auf die Qua­li­fi­ka­tio­nen und den ers­ten Ein­druck kommt es an

In der Ver­gan­gen­heit galt die Tätig­keit als Anwalt als kar­rie­re­si­cher. Wer sich in einer Kanz­lei eta­blie­ren und einen Namen machen konn­te, wur­de in vie­len Fäl­len nach ver­gleichs­wei­se weni­gen Jah­ren als Part­ner über­nom­men und hat­te so einen siche­ren Arbeits­platz. Dies ist heu­te nicht mehr der Fall: Stel­len bei belieb­ten Kanz­lei­en und Anwalts­fir­men sind stark umkämpft, und nur die Bes­ten der Bes­ten erhal­ten eine Chan­ce. Natür­lich ist ein Mas­ter of Laws Abschluss mit einer guten Note sowie bereits erwor­be­nen prak­ti­schen Erfah­run­gen und pro­fun­den Sprach­kennt­nis­sen in zumin­dest Deutsch und Eng­lisch eine gute Vor­aus­set­zung. Ent­schei­dend ist aber dar­über hin­aus auch der ers­te Ein­druck: Noch nie war es wich­ti­ger, sich rich­tig in Sze­ne zu set­zen. In die­sem Zusam­men­hang ist es rat­sam, sich vor einem even­tu­el­len Vor­stel­lungs­ge­spräch genau über die jewei­li­ge Kanz­lei zu infor­mie­ren und her­aus­zu­fin­den, wel­cher Typ Mensch dort arbei­tet und gesucht wird. Wer dazu passt, hat gute Chan­cen: Sich zu ver­stel­len, um einen Arbeits­platz zu bekom­men, ist dage­gen kei­ne gute Stra­te­gie, wenn eine dau­er­haf­te und zufrie­den stel­len­de Tätig­keit ange­strebt wird.

Wel­che Mög­lich­kei­ten haben jun­ge Juris­ten auf dem Arbeits­markt?

Den Traum von einer eige­nen Kanz­lei träu­men vie­le Juraab­sol­ven­ten. Die­ser lässt sich grund­sätz­lich durch­aus erfül­len, setzt aber Berufs­er­fah­rung vor­aus und soll­te erst dann ange­strebt wer­den, wenn bereits eini­ge Jah­re erfolg­rei­cher Tätig­keit absol­viert wur­den. Nach abge­schlos­se­nem Stu­di­um ste­hen frisch­ge­ba­cke­nen Juris­ten unter­schied­li­che Mög­lich­kei­ten zur Aus­wahl. Zunächst stellt sich die Fra­ge, ob eine gene­rel­le Tätig­keit ange­strebt wird oder eine Spe­zia­li­sie­rung erfol­gen soll. Gene­ra­lis­ten sind in einer Rechts­ab­tei­lung eines Unter­neh­mens oder einer Behör­de gut auf­ge­ho­ben, wäh­rend Spe­zia­lis­ten für Kanz­lei­en geeig­net sind, die sich auf den jewei­li­gen Rechts­be­reich fokus­sie­ren.

Neben einem Ange­stell­ten­ver­hält­nis besteht natür­lich auch immer die Mög­lich­keit, frei­be­ruf­lich tätig zu sein. In die­sem Fall ist es immens wich­tig, nicht nur kom­pe­tent im gewähl­ten Rechts­be­reich zu sein, son­dern auch über Kennt­nis­se im Selbst­mar­ke­ting zu ver­fü­gen. Die­se sind zwin­gend erfor­der­lich, um einen Kun­den­stamm akqui­rie­ren zu kön­nen. Zum Mar­ke­ting für Jung­ju­ris­ten gehört nicht nur ein aus­sa­ge­kräf­ti­ger und benut­zer­freund­li­cher Inter­net­auf­tritt, son­dern auch ein ent­spre­chend kom­pe­ten­tes und sym­pa­thi­sches Auf­tre­ten bei Gesprä­chen und Ter­mi­nen.

Die­se Ver­si­che­run­gen sind für Jung­ju­ris­ten rele­vant

Das deut­sche Recht kann unter Umstän­den sehr kom­pli­ziert sein. Juris­ten tra­gen in ihrem Arbeits­all­tag oft­mals eine gro­ße Ver­ant­wor­tung für ihre Man­dan­ten. Feh­ler oder Irr­tü­mer bedeu­ten schnell die Bedro­hung der eige­nen Exis­tenz, aber auch der des Kun­den. Aus die­sem Grund ist ein umfas­sen­der Ver­si­che­rungs­schutz auch für Jung­ju­ris­ten unbe­dingt not­wen­dig. Gesetz­lich vor­ge­schrie­ben ist eine Berufs­haft­pflicht­ver­si­che­rung: Scha­dens­er­satz­for­de­run­gen kön­nen schnell Sum­men errei­chen, die ein frisch­ge­ba­cke­ner Anwalt nicht aus eige­ner Tasche zah­len kann. Finan­zi­el­le For­de­run­gen wer­den dank der Berufs­haft­pflicht durch den gel­ten­den Ver­si­che­rungs­schutz regu­liert und ver­hin­dern den finan­zi­el­len Ruin.

Dar­über hin­aus raten Exper­ten außer­dem zu einer Rechts­schutz­ver­si­che­rung sowie zu einer zusätz­li­chen Cyber-Ver­si­che­rung. Letz­te­re kommt dann zum Ein­satz, wenn ein Anwalt Opfer eines Hacker-Angriffs wird und in die­sem Zusam­men­hang sen­si­ble Kun­den­da­ten in die Hän­de Unbe­fug­ter fal­len. Wer bereits eine eige­ne Kanz­lei betreibt oder frei­be­ruf­lich in einem eige­nen Büro tätig ist, lohnt sich unter Umstän­den auch eine soge­nann­te Pra­xis­ver­si­che­rung: Die­se beinhal­tet die Absi­che­rung gegen Schä­den der Ein­rich­tung, aber auch gegen Ver­dienst­aus­fäl­le durch defek­te tech­ni­sche Gerä­te wie PC oder Lap­top.

Wie viel ver­dient ein Berufs­ein­stei­ger in der Anwalts­bran­che?

Natür­lich steht für Jung­ju­ris­ten auch die Fra­ge nach dem Gehalt im Fokus. Die Tätig­keit als Anwalt gilt als sehr lukra­tiv; tat­säch­lich ist die Höhe des Ein­kom­mens aber in ers­ter Linie vom gewähl­ten Auf­trag­ge­ber abhän­gig. Sta­tis­ti­ken zufol­ge ver­die­nen ange­stell­te Anwäl­te in Groß­kanz­lei­en mit mehr als 500 Mit­ar­bei­tern etwa 57.000 Euro jähr­lich. Bei mehr als 1000 Ange­stell­ten sind es sogar bis zu 77.000 Euro. In klei­nen Kanz­lei­en mit maxi­mal fünf Mit­ar­bei­tern liegt das Gehalt dage­gen bei nur etwa 37.000 Euro. Wer zum Berufs­ein­stieg als Syn­di­kus­an­walt arbei­tet, ver­dient durch­schnitt­lich etwa 45.000 bis 55.000 Euro. Da die Unter­schie­de im Ver­dienst sehr groß aus­fal­len, soll­te das Gehalt unbe­dingt bei der Wahl des Arbeit­ge­bers Beach­tung fin­den.

Jung­ju­ris­ten, die sich für eine selbst­stän­di­ge Tätig­keit ent­schei­den, kön­nen bis zu 104.000 Euro jähr­lich als Ein­kom­men erhal­ten – vor­aus­ge­setzt, dass ein ent­spre­chen­der Kun­den­stamm vor­han­den ist. Bei jun­gen Rechts­an­wäl­tin­nen liegt das Jah­res­ein­kom­men übri­gens bei deut­lich gerin­ge­ren 65.000 Euro durch­schnitt­lich. Eine Selbst­stän­dig­keit birgt auch in der Anwalts­bran­che ein gewis­ses Risi­ko und bie­tet, im Gegen­satz zu einem Ange­stell­ten­ver­hält­nis, kei­ne Garan­tie für ein regel­mä­ßi­ges Ein­kom­men. Jung­ju­ris­ten, die eine Selbst­stän­dig­keit anstre­ben, soll­ten sich vor­ab umfas­send bera­ten las­sen, denn trotz fach­li­cher Kom­pe­tenz ist nicht jeder Mensch auto­ma­tisch für eine selbst­stän­di­ge Tätig­keit geeig­net. Eine eige­ne Kanz­lei oder auch eine Frei­be­ruf­lich­keit set­zen bestimm­te Fak­to­ren wie einen spe­zi­el­len wie einen spe­zi­el­len Ver­si­che­rungs­schutz vor­aus, die bei einem Ange­stell­ten­ver­hält­nis ent­fal­len bezie­hungs­wei­se vom Arbeit­ge­ber über­nom­men wer­den.