Zulas­sung als Syn­di­kus­rechts­an­walt – und die anwalt­li­che Tätig­keit für den Arbeit­ge­ber

Die Zulas­sung zur Rechts­an­walt­schaft als Syn­di­kus­rechts­an­walt ist gemäß § 46a Abs. 1 Satz 1 BRAO auf Antrag zu ertei­len, wenn die all­ge­mei­nen Zulas­sungs­vor­aus­set­zun­gen zum Beruf des Rechts­an­walts gemäß § 4 BRAO erfüllt sind, kein Zulas­sungs­ver­sa­gungs­grund nach § 7 BRAO vor­liegt und die Tätig­keit den Anfor­de­run­gen des § 46 Abs. 2 bis 5 BRAO ent­spricht. § 46 Abs. 2 Satz 1 BRAO ver­langt für Ange­stell­te nicht­an­walt­li­cher Arbeit­ge­ber eine anwalt­li­che Tätig­keit gera­de für den Arbeit­ge­ber.

Zulas­sung als Syn­di­kus­rechts­an­walt – und die anwalt­li­che Tätig­keit für den Arbeit­ge­ber

Gemäß § 46 Abs. 5 Satz 1 BRAO beschränkt sich die Befug­nis des Syn­di­kus­rechts­an­walts zur Bera­tung und Ver­tre­tung auf die Rechts­an­ge­le­gen­hei­ten des Arbeit­ge­bers. Nach mitt­ler­wei­le gefes­tig­ter Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs für Anwalts­sa­chen han­delt es sich bei § 46 Abs. 5 BRAO um ein ech­tes Tat­be­stands­merk­mal, nicht nur um eine Beschrän­kung des zuläs­si­gen Tätig­keits­fel­des nach erteil­ter Zulas­sung [1].

In dem hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall bedeu­te­te dies: Die Abtei­lung „Scha­dens­ma­nage­ment“ der Arbeit­ge­be­rin, einem Dienst­leis­ter für meh­re­re Ver­si­che­rungs­ge­sell­schaf­ten, bear­bei­tet Rechts­an­ge­le­gen­hei­ten der in der V. Ver­si­che­rungs­ge­mein­schaft zusam­men­ge­schlos­se­nen Ver­si­che­rer. Die Arbeit­ge­be­rin ist nicht Par­tei der Ver­si­che­rungs­ver­trä­ge. Sie ist aus ihnen weder berech­tigt noch ver­pflich­tet. Ins­be­son­de­re trifft sie kei­ne Ein­stands­pflicht. Die Scha­dens­fäl­le, wel­che der Arbeit­ge­be­rin gemel­det wer­den, sind sol­che der Ver­si­che­rer, nicht sol­che der Arbeit­ge­be­rin. Nichts ande­res gilt hin­sicht­lich der Ver­si­che­rungs­ver­trä­ge, bei deren Abschluss und Ver­län­ge­rung der Klä­ger die zustän­di­ge Abtei­lung sei­ner Arbeit­ge­be­rin berät, und für die Anpas­sung von Ver­si­che­rungs­be­din­gun­gen. Die betref­fen­den Ver­trä­ge wer­den von den Ver­si­che­rern ver­wandt, nicht von der Arbeit­ge­be­rin des Klä­gers.

Ob und in wel­cher Form die Arbeit­ge­be­rin den Ver­si­che­rern gegen­über zu den genann­ten Dienst­leis­tun­gen ver­pflich­tet ist, ist für die Ent­schei­dung des Rechts­streits uner­heb­lich. Nach mitt­ler­wei­le gefes­tig­ter Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs für Anwalts­sa­chen wird eine Ange­le­gen­heit nicht dadurch zu einer Rechts­an­ge­le­gen­heit des Arbeit­ge­bers, dass die­ser sich schuld­recht­lich zur Erbrin­gung einer Dienst­leis­tung ver­pflich­tet hat [2].

Die Tätig­keit fällt schließ­lich auch nicht unter eine der Aus­nah­men in § 46 Abs. 5 Satz 2 BRAO. Die­se Aus­nah­me­tat­be­stän­de sind eng aus­zu­le­gen und nicht ana­lo­giefä­hig [3]. Es fehlt an einer plan­wid­ri­gen Rege­lungs­lü­cke. Weder aus der Bun­des­rechts­an­walts­ord­nung noch aus den Geset­zes­ma­te­ria­li­en zu den §§ 46 ff. BRAO [4] ergibt sich ein Rege­lungs­plan des Gesetz­ge­bers, nach wel­chem eine Dritt­be­ra­tung auch in ande­ren als den in § 46 Abs. 5 Satz 2 Nr. 1 bis 3 BRAO genann­ten Fäl­len eine Rechts­an­ge­le­gen­heit des Arbeit­ge­bers dar­stel­len soll. Der Gesetz­ge­ber woll­te aus­schließ­lich in den in § 46 Abs. 5 Satz 2 Nr. 1 bis 3 BRAO genann­ten beson­de­ren Fäl­len der Dritt­be­ra­tung eine Tätig­keit in Rechts­an­ge­le­gen­hei­ten des Arbeit­ge­bers sehen [5].

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 3. Febru­ar 2020 – AnwZ (Brfg) 71/​18

  1. vgl. BGH, Urteil vom 06.05.2019 AnwZ (Brfg) 38/​17, NJW-RR 2019, 946 Rn. 12; Beschluss vom 16.08.2019 AnwZ (Brfg) 58/​18, NJW 2019, 3453 Rn. 24; Beschluss vom 30.09.2019 AnwZ (Brfg) 38/​19, Rn. 5[]
  2. vgl. BGH, Beschluss vom 16.08.2019 AnwZ (Brfg) 58/​18, aaO Rn. 30 mwN[]
  3. BGH, Urteil vom 06.05.2019 AnwZ (Brfg) 38/​17, aaO Rn. 16; Beschluss vom 16.08.2019 AnwZ (Brfg) 58/​18, aaO Rn. 41; Beschluss vom 30.09.2019 AnwZ (Brfg) 38/​19, aaO Rn. 7[]
  4. BT-Drs. 18/​5201, S. 30 f. zu § 46 Abs. 5 BRAOE[]
  5. BGH, Urteil vom 06.05.2019 AnwZ (Brfg) 38/​17, aaO[]